Donnerstag, 24. August 2017

Flint von Megan Nielsen

Die Flint Pants von Megan Nielsen sind mir in den letzten Wochen gefühlt auf jedem zweiten Nähblog begegnet, und überall sahen sie bzw. ihre Trägerin toll aus. Und so nähte ich mir auch noch in diesen Spätsommertagen eine Flint Pant.
Wobei- eine Hose ist das eigentlich nicht. Es ist ein Hosenrock, und der Schnitt ist ein Rockschnitt, mit dem entsprechenden Zwischenbeinteil für den Hosenrock. Und weil es eben keine Hose ist, sondern ein Rock, wirkt es auch so schön feminin. Die australische Designerin Megan Nielsen hat das einfach gut raus mit den Rockschnitten, einer ist wirklich schöner als der andere.
Mein Stoff ist wieder mal eine Viskose der französischen Stoff-Designerfirma Atelier Brunette. Vor einigen Wochen wurde eine neue Stoffkollektion veröffentlich. Wie immer war ich vom Design und den Farben begeistert und habe direkt bei Atelier Brunette bestellt, sobald der Online-Shop in Paris die Stoffe anbot. Diese bildschöne Viscose trägt den Namen Moonstone blue.
Leider liess die Lieferung auf sich warten, und eine Erklärung kam dann irgendwann per Mail , zum Glück auf Englisch, denn so gut ist mein Französisch dann doch nicht. Es gab jedenfalls Probleme mit der Qualität und der Farbechtheit diese blauen Stoffes, offensichtlich waschen die braunen Sprenkel sich leicht aus. Wenn ich ihn trotzdem haben wollte, so der Hinweis in der mail von Atelier Brunette, dürfte ich ihn nur im Wollwaschgang waschen.
Da mir schon klar war, daß ich aus diesem Stoff einen Rock nähen würde, den man ja nicht so oft wäscht wie ein Kleid, hat mich das nicht weiter gestört, und ich habe ihn trotzdem bestellt. Ich habe dann mit 30° den Stoff vorgewaschen, und das hat er gut überstanden.
Atelier Brunette hat dieses Qualitätsproblem wohl nach wie vor nicht gelöst, denn der Stoff in dunkelblau ist immer noch nicht wieder im Onlineshop erhältlich. Schade eigentlich, denn ich finde diesen Stoff so unglaublich schön!

Also. Stoff und Schnitt waren da, da konnte ich mich voller Freude ans Nähen machen. Es gibt ja sehr viele Rezensionen dieses Schnittes, am meisten geholfen haben mir die Beiträge von Kleidermanie, die etliche wunderschöne Flint-Versionen genäht hat. Und so wußte ich auch schon, daß Flint eher groß ausfällt. Genäht habe ich Größe S, im Schrittbereich XS und die hintere Schrittnaht steiler gestellt und verkürzt. Um auf meine gewünschte Taillenweite zu kommen, die zwischen S und M liegt, habe ich Abnäher und Bundfalten verkleinert. Das war zwar rechnerisch richtig, aber trotz allem ist der Schnitt insgesamt irgendwie doch sehr, sehr weit...
Ich habe dann nach der ersten Anprobe in beiden Seitennähten jeweils 1 cm weggenommen. Und trotzdem saß der Bund nachher nicht da, wo er sitzen sollte, nämlich unbedingt in der Taille.
Aber nun ist ja die Konstruktion des Rockes so witzig, daß man eben keinen Reißverschluss hat, sondern der Rock über ein Bindeband an der Seite geschlossen wird. Eingestiegen in den Rock wird dann sozusagen über die Tasche. Zu Sicherheit gibt es noch einen Knopf auf der Innenseite des Bundes.
Diesen Knopf habe ich dann ca 1 cm weiter nach innen gesetzt, als es eigentlich gedacht war, und das Schleifchen läßt sich auch so straff schnüren, daß der Rock dann doch in der Taille sitzt.
Auf den Bildern sieht es so aus, als ob die hintere Mittelnaht verzogen wäre. Das hängt sicher mit dem versetzten Knopf zusammen, durch den die ganze Hose natürlich nach links gezogen wird. In echt fällt das glaube ich nicht so sehr auf. Ich hätte auch die hintere Schrittnaht noch mehr kürzen müssen, dann wären die Falten an der rückwärtigen Hose nicht so vorhanden (glaube ich jedenfalls).
Abgesehen von diesen Paßformproblemen war Flint sehr einfach und schnell zu nähen.

Es gibt ein technisches oder fertigungsspezifisches Problem bei dem Schnitt, für das ich aber zum Glück auch schon durch Ninas Posts vorbereitet war (sonst hätte ich es erst nach dem Nähen gemerkt und mich wahrscheinlich maßlos geärgert)

Die linke Tasche dient wie gesagt als Einstieg in den Rock und wird daher nicht bis oben zugenäht. Deshalb werden natürlich auch die Ränder der Tasche entsprechend strapaziert. Eine einfache Nähmaschinenversäuberung ist hier sicher keine gute Idee, und auch ein Overlocknaht macht auf Dauer bestimmt keine Freude- immerhin öffnet man dieses Teil aus naheliegenden Gründen etliche Male am Tag. Ich denke, daß an dieser Stelle ist wirklich mal eine Schrägstreifenversäuberung der Nahtzugaben die optimale Verarbeitung ist. Schade, daß das in dem sonst so ausführlichen Sewalong auf der Website von Megan Nielsen nicht thematisiert wird!

Ich habe  das jedenfalls zum Anlass genommen, meine Schrägbandeinfasser an der Nähmaschine endlich seiner Bestimmung zuzuführen. Ich besitze das gute Stück zwar schon eine Weile, da ich es gemeinsam mit meiner Cover gekauft hatte, habe es aber bisher nicht ausprobiert.
Die erste Montage hat mich dann einiges an Nerven gekostet- nicht weil es schwierig ist, sondern weil die Beschreibung im mitgelieferten Prospekt zwar in drölfzig Sprachen , aber ansonsten völlig insuffizient ist. Das You Tube Video brachte rasch Klarheit, schwierig ist Montage und Einstellung eigentlich nicht. Hätte man das nicht in eine verständliche papiergebundene Anleitung bringen können, die man dem Bandeinfasser dazulegt? Das Bernina-Zubehör ist so hochpreisig, ich finde, das wäre hier angemessen gewesen.
Nachdem die Montage bewältigt war, saß ich staunend vor der Nähmaschine und schaute zu, wie das (ungefalzte!) Schrägband in eine saubere Einfassung verwandelt wurde. Ich hätte noch Stunden so weiternähen können und war richtig traurig, als meine vier Taschenbeutel eingefaßt waren!

Das Schrägband hatte ich übrigens auch aus einem Atelier Brunette Stoff zugeschnitten (Sparkle Melba gold), das paßte dann farblich perfekt. Sieht allerdings leider keiner ausser mir...

Über die Rock- oder Hosenlänge habe ich einen Tag nachgedacht. Ich hatte von vornherein schon um ca 6-7 cm gekürzt, da ich nicht genug Stoff hatte .  Nach der ersten Anprobe hatte ich mir auch eine gut knielange Version abgesteckt, also so, wie ich sonst auch einen Rock maximal tragen würde.
Aber da ich es nicht übers Herz brachte, den schönen Stoff abzuschneiden, blieb die Länge so, und nach dem ersten Tragen auch an einem warmen Tag  bin ich sehr glücklich über dieses schöne schwingende und luftige Gefühl bis an die Waden. Die Fahrradtauglichkeit ist noch nicht getestet, und ich fürchte, unliebsame Kontakte zwischen Stoff und Radbestandteilen sind nicht ganz ausgeschlossen. Na gut, dann eben eher ein Rock zum Flanieren zu Fuß!
Mein Fazit: Flint ist ein wunderschöner Schnitt für einen Hosenrock. Ich werde den Schnitt sicher noch mal nähen, aber dann vielleicht in einer Bearbeitung mit  Reißverschluss in der Seite. Mich hat die Verschlusslösung nicht überzeugt, auch wenn sie witzig und originell ist. Die "Bedienung" im täglichen Leben mit Aufknöpfen der Schleife und des innenliegenden Knopfes ist umständlich, und für die Paßform ist die Schleife, die sich dann doch irgendwann lockert, nicht ideal. Und so viel mehr Arbeit ist es ja doch nicht, einen Reißverschluß in die Seitennaht einzunähen.

Mein Stoff hat sich als ideal für den Schnitt herausgestellt, das freut mich ja besonders. Das ist doch immer eine besondere Schwierigkeit, finde ich, da ich es mir oft nicht so vorstellen kann, wie ein  Kleidungsstück mit einem gewählten Stoff aussehen wird. Aber hier paßt alles gut! Ich wünsche mir, daß Atelier Brunette dieses Qualitätsproblem mit dem dunkelblauen Stoff bald lösen kann, denn ich finde die Farbe bei diesem Design ausgesprochen schön. Es gibt den Moonstone-Stoff ja auch noch in Rosa- aber hat jemand schon mal auf dem Mond rosa Steine gesehen? das muß doch einfach dunkelblau sein!
verlinkt: RUMS

Donnerstag, 10. August 2017

nur eine kleine Bluse- aber selbst konstruiert!


Was macht man mit einem knappen Meter des schönsten Double Gauze von Kokka? Schon lang lag dieser Stoff schon ganz oben auf dem Stoffstapel, wurde immer wieder mal rausgeholt und gestreichelt. So ein schöner Stoff, ganz weich, und dann diese Farben...warum hatte ich damals so wenig davon bestellt? Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber vermutlich war das so eine Testbestellung gewesen, weil ich nicht wusste, wie der Stoff sein würde.
Für ein ärmelloses Top reichte der Stoff aber aus, und das wollte ich nun endlich nähen. Bei der Schnittauswahl habe ich viel hin und her überlegt. Es gibt ja wirklich eine Vielfalt von ärmellosen Tops und Blusen bei den Indieschnittmustern in diesem Sommer, ganz zu schweigen von der Auswahl, wenn man die einschlägigen Zeitschriften mit dazu nimmt.
Und wie so oft, macht die Vielfalt der Möglichkeiten die Wahl nur schwerer. In diesem Fall ging es so aus, daß ich mir überlegte, was ich eigentlich wollte, wie dieses Top aussehen sollte- und dann selbst den Schnitt konstruierte.
Für viele von Euch mag dieser Schritt sehr banal klingen. Ja, ich habe einen professionell konstruierten Oberkörperschnitt, und dann ist der Schritt zu einem genähten Teil nicht allzu groß. Andererseits ist meine Erfahrung, daß gerade diese kleinen Design-Zugaben, wie Kragen, Saumabschlüsse und Ähnliches, über den optischen Eindruck des Kleidungsstückes entscheiden, und damit fühle ich mich immer noch überfordert. Ich bin nun mal keine Modedesignerin, und habe leider auch nicht die Zeit, etliche verschiedene Modelle zu nähen und dann das schickste auszuwählen. Deshalb nähe ich immer noch so gerne nach Fertigschnitten, bei denen mir diese Arbeit von einer freundlichen Designerin abgenommen wurde.
Aber in diesem Fall wußte ich genau, was ich wollte, und vor allem was zu meinem Stoff paßte. Also: kein Kragen, sondern einfach ein V-Ausschnitt. Knopfleiste vorne, weil ich das Anziehen einer Bluse mit Verschluss immer noch einfacher finde als das Hineinwinden in ein verschlußloses Teil. Und vor Knopflöchern haben meine Nähmaschine und ich mittlerweile keine Angst mehr. Länge: kurz, möglichst über Röcke und Hosen zu tragen. Eine Schulterpasse, um meinen Rückenabnäher unterzubringen und eine kleine Falte im Rücken.
Heraus kam ein gut tragbares Modell. Die Rückansicht gefällt mir auf den Bildern richtig gut, das sehe ich ja im Spiegel so selten!

 Die Bluse wird gerne getragen, der Stoff ist ein Traum und auch an warmen Tagen nicht zu dick. Am wenigsten finde ich die Ausschnitte gelungen: ich habe mit für eine Schrägbandversäuberung entschieden, und da der Stoff so knapp war, habe ich fertiges Schrägband genommen. Das war aber für diesen weichen Stoff doch zu fest, obwohl ich dann bei der Verarbeitung schon ein Viertel der Breite abgeschnitten hatte. Besser wäre sicher gewesen, aus irgendeinem farblich passenden Baumwollstoff Schrägband selbst herstzustellen. Warum gibt es dieses fertige Schrägband eigentlich nur in dieser furchtbar steifen Qualität?

Außerdem ist der Armsausschnitt immer noch zu weit. Der BH ist zwar gerade nicht sichtbar, trotzdem wäre es besser gewesen, den Ausschnitt noch 2 cm höher zu setzen. Beim nächsten Mal!
hier schleicht sich jemand ins Bild...
MaineCoon Katzen lieben eigenlich das Fotografieren, schließlich sind sie von ihrer Schönheit überzeugt.
auf Befehl läßt sich Kassandra allerdings nicht fotografieren.
na gut, fotografieren wir also weiter die Bluse!

Im Kopfkino schlummern schon viele neue Entwürfe für weitere Blusen. Natürlich läßt sich so ein Modell leicht weiter verändern. Vielleicht mit Ankrausungen, bei einem weicheren Stoff, oder dann doch mit Ärmeln für die kühleren Jahreszeiten.
Aber wer mag jetzt schon an den Herbst denken? Ich halte es lieber wie die Maus Frederic aus dem bekannten Kinderbuch und sammle weiter Sonnenstrahlen für den Winter. Also vielleicht doch noch ein ärmelloses Top nähen?

Heute bin ich wieder bei RUMS dabei, und da ist sicher wieder eine umfangreiche Sammlung von neuen Schnitten zu entdecken.