Donnerstag, 27. Juli 2017

Seamwork Patsy

Ich habe ja die Seamwork abonniert und lese eigentlich jede Ausgabe doch ganz gerne. Auch wenn oft nichts (näh)weltbewegendes drinsteht, ist sie schön zum Schmökern, insofern hat sich das Abo schon gelohnt, finde ich. Die Schnitte allerdings, die in den letzten Monaten drin waren, fand ich alle nicht sehr interessant. Es gibt ja die Vorgabe, daß die Schnitte alle eher einfach und an einem Nachmittag zu nähen sein sollen- und das merkt man dann doch. Wobei ich gar nichts gegen einfache Schnitte habe, wenn sie denn wirklich gut sind. Aber einen Schnitt zu vereinfachen, nur damit er schneller zu nähen ist, halte ich für keine gute Idee.

Egal wie, Patsy aus der Juni-Seamwork ist eine rühmliche Ausnahme. Ein eigentlich einfacher Schnitt, nämlich ein Rock mit breitem Formbund und rundum angekrausten Rockteilen. Die Besonderheit dieses Schnittes liegt in der Variation des Fadenlaufes an Bund, Taschen und Saumstreifen. Es gab in der Seamwork ein Designbeispiel mit Streifen, was mir gleich gut gefiel, und diese Version habe ich nachgenäht.

Erleichtert wurde dieses Vorhaben durch einen passenden und traumhaft schönen Stoff in meinem Vorrat, der gleich danach schrie, zu so einem Rock verarbeitet zu werden. Wieder mal von Robert Kaufmann, wieder mal von 1000Stoff zu mir geschickt, und wieder mal ein blauer Baumwollstoff. Aber diesmal mit zarten bunten Streifen- so schön, daß auch die Großaufnahme des Stoffes ihm eigentlich nicht gerecht wird!
Das Nähen war unproblematisch, einzig mit der Weite des Bundes gab es dann doch eine Überraschung. Eigentlich hatte ich mir über die Passform überhaupt keine Gedanken gemacht- der Rock ist weit, also wenn der Bund irgendwo in der Taille sitzt, paßt der Rock. Aber leider hatten sich meine Bundteile, die natürlich teilweise im schrägen Fadenlauf zugeschnitten sind, trotz Verstärkung und ausgiebigem  Staystitching offensichtlich verzogen und geweitet. Jeden falls war der Bund deutlich zu weit. Da ich den Bund schon angenäht hatte und die Seitennähte verschlossen hatte, als mir das klar wurde, habe ich die überschüssige Weite aus der hinteren Mitte rausgenommen. Bei so einem einfachen und rundum symmetrischen Schnitt kann man das machen, finde ich.

Nun sitzen die Seitennähte und damit die Taschen ein kleines wenig hinter der optimalen Position- ich kann damit gut leben. Auch über die Streifenanpassung hatte ich mir übrigens keine großen Gedanken gemacht, das war mir zu kompliziert bei diesen vielen verschiedenen Anschlüssen. Und bisher hat es auch noch keinen gestört.
 Mit der Länge des Rockes habe ich eine Weile gehadert. Die Originalversion war eindeutig zu lang, da habe ich dann gleich mal 3-4 cm abgeschnitten. Dann war er immer noch lang, nämlich über knielang, und das soll er wohl auch sein. Ich fand die Länge an mir anfangs sehr fremd. Hatten nicht meine großen Schwestern und meine Mutter immer Röcke in dieser Länge getragen? Ich habe ihn dann kürzer abgesteckt, fand ich viel schicker, am nächsten Tag noch mal anprobiert und dann doch länger gelassen, mit dem Gedanken, daß ich ihn ja immer noch kürzen könnte.

 Und mittlerweile gefällt mir die Länge ausnehmend gut. Sie ist auch bei warmen Temperaturen sehr angenehm, und genial beim Fahrradfahren. Also, die Rocklänge bleibt so!

In der Seamwork wird der Rock als"peasant skirt" bezeichnet, da habe ich gerade noch mal im Wörterbuch nachgeschlagen, aber peasant bedeutet wirklich "bäuerlich, ländlich". Also ein Rock im Landhausstil? Da war es ja passend, daß wir für die Bilder eine sehr ländliche Gegend aufgesucht haben, nämlich ein kleines Naturschutzgebiet, das sich mitten in der dicht besiedelten Rheinebene unversehens findet. Nach wenigen Metern ist man in der schönsten Natur, und bis auf das Rattern der Güterzüge der nahen Bahnstrecke ist man wirklich in ländlicher Stille. Hier paßt der Rock gut hin!
verlinkt: RUMS

Mittwoch, 5. Juli 2017

Liebe auf den 3. Blick- Malaga Top von Waffle Patterns

Letzter Memademittwoch vor den Ferien, und das Motto heißt: ich packe meinen Koffer!
Da kann ich leicht mitmachen, denn ich bin bereits in den Urlaub gefahren und das obligatorische Kofferpacken liegt erst 3 Tage zurück.

Seit ich selbst nähe, ist auch das Kofferpacken vor Reisen ein Genuss. So schön, die ganzen selbstgenähten Klamotten zu falten und zu verstauen. Das meiste, das ich mitnehme, ist ja mittlerweile selbstgenäht, mit einzelnen Ausnahmen. Dieses Jahr ist es eine kurze Kaufhose, die mit muß (wieso habe ich mir eigentlich noch keine kurze Hose genäht? muß dringend geändert werden!)
Die Wahl, was ich mitnehme, ist auch einfach, denn ich packe die genähten Stücke der letzten Wochen ein, das paßt dann meistens ganz gut in die Jahreszeit.

Dieses Jahr ist wieder mal Ostsee angesagt, also Tops, Jeans und natürlich Kleider eingepackt. Was mir fehlte, nachdem ich die aktuellen Wettervorhersagen studiert hatte, war ein weiteres Sweatshirt.
Da traf es sich doch wunderbar, daß Yuki von Wafflepatterns gerade einen neuen Schnitt heraus gebracht hatte, der aus Sweat genäht werden kann, das Malaga Top.

Malaga ist ein Raglanschnitt, die Schultern werden durch Schulterabnäher auf Form gebracht. Am Saum sowie an den Ärmeln werden kleine Abnäher genäht, dadurch entsteht eine ovale Form. Es gibt verschiedene Ärmellängen und zwei Ausschnitte, ich habe den tiefen Ausschnitt mit einem V-Ausschnitt im Rücken gewählt. Es gibt auch eine Art Rollkragen, dann mit einem Reissverschluss im Rücken. Als Stoffempfehlung werden sowohl Sweatshirtstoffe als auch Webstoffe genannt.
 Mit Malaga und mir, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Oder besser gesagt, auf den ersten schon, denn der hat mich ja zum Kaufen des Schnittes animiert. Aber der zweite Blick, und vor allem die Blicke beim Nähen, die waren sehr, sehr skeptisch...aber der dritte und die folgenden Blicke, mit denen ich jetzt meinen Pulli im Urlaub betrachte, die finden ihn ganz toll!
Was war das Problem? Ich denke, das war die Stoffwahl. Auch wenn Yuki Sweatstoffe mit empfiehlt, ist die Art, wie der Stoff verwendet wird, eindeutig eine Verarbeitung von Webstoffen. Ausschnitt und alle Säume werden mit Belegen versäubert- kann man natürlich auch bei dehnbaren Stoffen machen, aber so richtig Freude kommt dabei nicht auf. Nachdem ich die Belege zugschnitten hatte, kamen mir die ersten Bedenken. Mein Stoff, ein Sommersweat, war wirklich nicht allzu dick, aber wenn dann mal einige Schichten aufeinander liegen, kommt schon ein gewisses Volumen zusammen. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, alle Säume und Nahtzugaben zurückgeschnitten und gradiert, aber trotzdem trägt der Halsausschnitt etwas auf und liegt nicht perfekt an.
Als ich das beim Nähen gemerkt habe, war ich schon fast soweit, das ganze Teil in die Ecke zu pfeffern und auf das Shirt zu verzichten. Mittlerweile hatte ich auch mal die Seitennähte geheftet und fand das ganze auch viel, viel zu weit.
Aber wie so oft, half auch hier einmal darüber schlafen. Am nächsten Tag versuchte ich dann, die Seitennähte enger zu heften, und den abstehenden Ausschnitt fand ich auch nicht mehr so schlimm.
Am Ende hatte ich dann die Seitennähte von Ärmeln und Pulli jeweils um ca 1cm enger genäht. Ich hatte ursprünglich Gr 38 zugeschnitten, von meinen Maßen lag ich zwischen 38 und 40. Was ich jetzt trage, entspricht vermutlich der Gr 36, die hätte ich gleich abpausen sollen.
Durch die eigentlich zu große Größe wirkt der ganze Pulli oversized- das war zuerst gar nicht mein Fall, aber mittlerweile gefällt es mir ganz gut.
Die Ärmel sind natürlich zu lang, aber kürzen ging nicht mehr, da ich ja auch schon mühevoll die Abnäher eingenäht hatte.
Nach dem Desaster mit dem Halsausschnitt-Beleg wollte ich das ganze nicht am Saum wiederholen, zumal ich es am Saum noch unschöner finde, wenn er so absteht. Ich habe die Säume einfach mit der Overlock versäubert und dann mit der Coverkettstichnaht abgesteppt- ging wunderbar.
Die farbige Kettstichnaht konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Der Sweat (bezogen über 1000Stoff) ist ja auch nicht einfach grau, sondern hat so kleine neongrüne und pinkfarbene Sprenkel in sich, kann man auf den Bildern leider nicht erkennen. Das erforderte einfach eine pinkfarbene Covernaht!
Der Pulli ist hinten länger als vorne und hat eine schön geschwungene Saumkante. Deswegen kann man ihn auch nicht anders herum tragen, das hatte ich mir zwischendurch mal überlegt, weil ich den V-Ausschnitt auch vorne ganz schön finden würde.
Der Tragetest des Pullis verlief übrigens absolut positiv. Ich bin seit Montag an der Ostsee und trage ihn jeden Tag. Der Stoff ist ein Traum, wunderschön weich. Und der Pulli paßt irgenwie über alles, wärmt mich im Strandkorb, läßt sich natürlich zu Jeans kombinieren und überraschenderweise auch zum Kleid oder Rock- das ist jetzt eindeutig die Liebe auf den dritten Blick zwischen Malaga und mir.
Wenn ich das Top noch mal nähe, würde ich eine Größe kleiner von vornherein wählen und den Beleg des Halsausschnittes aus einem dünneren Stoff nähen. Ich hatte zwischendurch auch mal überlegt, ein Bündchen an den Halssausschnitt zu nähen, aber das paßt nicht zum Stil des Pullis. Ich finde es hier gerade schön, daß ein Sweatshirt ohne Bündchen genäht wird und trotzdem nicht unförmig wirkt. Diese Abnäher am Saum sind schon ein tolles Designmerkmal.
Da der Haus- und Hoffotograf noch nicht angereist war, hatte ich mir für diese Bilder wieder mal das Stativ eingepackt und eine möglichst einsame Stelle am Brodtner Ufer aufgesucht. Und ich hatte Glück, bis auf etliche vorbeischwimmende Schwäne störte mich keiner bei meiner Tätigkeit.
jetzt bin ich aber doch gespannt auf den Kofferinhalt der anderen gutangezogenen Damen des Memademittwoch! Sicher gibt es hier wieder ganz viele tolle Inspirationen für die Nähprojekte nach dem Urlaub!