Mittwoch, 29. März 2017

Jersey-Kleid Fashion Style 3/2017


Die Fashion Style ist eine anscheinend unerschöpfliche Quelle für schöne Jersey-Schnitte.
Dieses Kleid in der aktuellen Ausgabe habe ich gesehen und beim ersten Lesen bereits beschlossen, es zu nähen. Andere Nähpläne wurden dafür gerne nach hinten geschoben.

Ich bewundere ja die ganz planmäßigen Näherinnen, die zum Jahreszeitenwechsel ihren sowieso schon aufgeräumten Kleiderschrank durchschauen und dann gezielt nur das ergänzen, was fehlt. ("dunkelblauer  knielanger Rock, 1 Bluse, hell, 2 Shirts, eines davon weiß...")
Natürlich mache ich auch Nähpläne, aber bei mir geht das doch eher nach dem Lustprinzip. Ich nähe das, was mich gerade am meisten reizt, und wenn dafür Pläne geändert werden, finde ich das auch nicht so schlimm.

Andererseits miste ich meinen Kleiderschrank auch sehr gerne aus und sortiere hemmungslos aus, was nicht getragen wird. Auch von meinen genähten Sachen trenne ich mich ohne Probleme, wenn ich sie nicht trage. Natürlich frage ich mich, woran es liegt, versuche aus Paßformmängeln zu lernen und vor allem auch zu lernen, was mir steht und zu welchen Dingen ich im Alltag immer wieder greife. Denn ich glaube, das ist doch mein Hauptthema beim Nähen, ich möchte Kleidungsstücke für jeden Tag nähen, nicht das tolle Abendkleid, das nur einmal im Jahr herausgeholt wird.

Dieses Kleid hat durchaus Potential, zu einem Liebling zu werden. Der erste Pluspunkt ist ja schon mal das Material: Jersey trägt sich einfach gut, ist bequem, und wenn es dann auch noch so ein schön gemusterter Stoff ist, umso lieber..
Es handelt sich um einen Baumwoll-Jersey der dänischen Firma Stof, bezogen habe ich ihn hier.
Ein wunderschöner Jersey, weich und trotzdem schön stabil beim Nähen. Die Farben, Blau- und Türkistöne, machen Lust auf Sommer, Wärme, Meer, und was dazu gehört. Ich kam mit meinen vorhandenen 150 cm Stoff ganz gut hin ( er ist allerdings auch 1,60 breit) , in der Anleitung stehen 2,25m, gilt aber wohl eher für Stoffe mit einer Richtung. Den Blättern auf meinem Stoff ist es egal, wenn sie auf dem Kopf stehen.
Für die Belege des Taillenbundes hat der Stoff aber dann doch nicht mehr gereicht, auch mit viel gutem Willen und Stückeln nicht. Die wurden dann aus einem einfarbigen dunkelblauen Jersey zugeschnitten, das stört ja nun wirklich nicht.

Der Schnitt: figurbetontes Oberteil mit Einkräuselungen über beiden Brüsten, das kennen wir von vielen anderen Schnitten. Spontan fällt mir da der Klassiker Ajaccio (Schnittquelle ) ein,  aber auch bei meinem Lieblingskleid Sureau von DeerandDoe sind ähnliche Kräuselungen vorhanden.
Die Kräuselungen bei dem heutigen Kleid werde von einer zierlichen Blende in der vorderen Mitte gehalten.

Das Nähen dieser Blende war auch die einzige Schwierigkeit dieses Kleides. Ich hatte mich an die Anleitung gehalten und nur den Beleg der Blende verstärkt. Natürlich hatte ich eine dehnbare Einlage verwendet, aber trotzdem verhält sich der so verstärkte Stoff ganz anders als der nicht verstärkte, der  sich nun mal beim Nähen dehnt, was soll ein Jersey auch anderes machen. Wenn man diese beiden Stoffschichten gemeinsam verarbeitet, kann das vielleicht gut gehen, meistens geht es nicht gut. Bei mir ging es auch nicht gut und führte zu  wiederholt aufgetrennten Nähten, Verwünschungen des Stoffes, des Schnittes und des Nähens im Allgemeinen...also das übliche Programm, wenn etwas nicht so klappt wie man es möchte.....

Irgendwie hat es dann doch funktioniert. Ich habe  den Nähfußdruck stark reduziert, viel gedrückt und geschoben beim Nähen, und dann hat doch alles gepaßt. Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, würde ich auf das Verstärken der Blende verzichten. Insbesondere ein Baumwolljersey hat genug Standfestigkeit dafür, zumal er ja auch doppelt genommen wird.
Das Kleid hat einen Taillenbund, also wieder ganz typisch Knip bzw Fashion-Style. Bei der ersten Anprobe fand ich ihn etwas tief, ich habe dann das Oberteil um 1,5 cm verkürzt, jetzt sitzt die Taille richtig.
Der Rock ist ein Tellerrock, ich glaube, ein halber Teller. Er ist aus 4 Teilen geschnitten, und  der Fadenlauf (resp Maschenlauf ) entspricht eben nicht der vorderen oder hinteren Mitte, sondern ist um 45° verschoben. Das führt zu einem schönen Fall des Rockes.

Ich habe übrigens auf den vorgesehen Reißverschluß verzichtet. Jersey und Reißverschluß schliessen sich für mich aus, das ist vielleicht ein Vorurteil, aber bisher komme ich damit ganz gut klar. Bei diesem Kleid geht es auch ganz gut. Ich könnte mir allerdings denken, daß hier der abgesteppte Bund der limitierende Faktor wird, wenn er mit der normalen Nähmaschine genäht wird. Ich habe mit der Cover abgesteppt, das ist natürlich schön dehnbar.

Für mich hat der Schnitt unbedingt das Potential zur Wiederholung. In der Fahion Style ist noch eine Version in Maxilänge, die sieht auch total schick aus. Aber auch als Shirt oder Tunika könnte ich mit dieses Oberteil gut vorstellen. Oder ärmellos? Der Sommer kommt ja auch bald!
Ina empfängt uns heute am Memademittwoch in einem traumhaften Rock, auch nach einem Schnitt aus der Fashion Style. Und alle anderen gut gekleideten Frauen findet man hier in der Galerie des Memademittwoch.
Schnitt: Fashion Style 3/2017, Kleid 22, Gr. 36
Stoff: Avalana von Stof, bezogen über 1000Stoff
verlinkt: Memademittwoch

Mittwoch, 22. März 2017

Morgan Jeans von Closet Case


Heute zeige ich mal eine Jeans.
Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, schließlich liegt der Post über die Ginger Jeans von Closet Case schon eine Woche zurück...
Mit meinen Ginger Jeans bin ich übrigens nach wie vor sehr zufrieden. Ich habe sie fast jeden Tag in dieser Woche getragen, eine Wanderung durften sie auch schon mitmachen. Erwartungsgemäß haben sie sich gedehnt und sind nicht mehr ganz so skinny, was mich aber nicht stört.
Das ist ja immer ein Unsicherheitsfaktor bei den Stretchstoffen, man weiß nicht, wie sich der Stretch beim Tragen verhält. Während man die Dehnung ja sofort erkennt, ist die Rücksprungkraft nicht so ohne weiteres erkennbar, das merkt man erst nach dem Tragen.

Wer sich für diese Fragen nicht so interessiert, der wählt einen Stoff ohne Stretch. Die Originaljeans der Goldgräber waren ja auch aus einem reinen Baumwollstoff. Und wenn ich an meine Teenagerzeiten zurückdenke, fällt mir ein, daß es damals auch noch keine Stretchjeans gab. Das Kaufen und Aussuchen der passenden Jeans war eine tagesfüllende Angelegenheit, und die richtige Patina erhielten die Hosen sowieso erst nach monatelangem Tragen, der Stoff war auch nicht vorgewaschen. Die ganz heroischen stellten sich mit der neuen Jeans in die Badewanne, drehten die Dusche auf und liessen die Jeans anschließend am Körper trocknen...ob das heute noch ein Teenager machen würde?
Also, man kann Jeans auch ohne Stretch tragen, und wer sie näht, greift zu einem passenden Schnittmuster wie z.B. den Morgan Jeans von Closet Case.

Der Schnitt wird als Jeans im Boyfriend Stil beschrieben. Er ist im Hüftbereich relativ weit, aber an Taille und Unterschenkeln wieder eng. Im Netz gibt es ganz verschiedene Versionen dieses Schnittes. Manche wählen die Größe extra ein bis zwei Nummern größer, um wirklich eine "oversized" Form zu erreichen. Bei manchen sieht der Schnitt aber aus wie einen ganz normale enge Jeans.
Ich hatte noch einen wunderschönen Jeansstoff in meinem Vorrat, den ich für diese Hose verarbeitet habe. Es handelt sich um einen relativ dünnen Biostoff (250 g/m²), GOTS zertifiziert. Ich hatte erst Bedenken, ob der Stoff für eine Hose geeignet wäre, denn er schien mir zu steif dafür. Nach dem Waschen wurde er aber schon deutlich weicher, und die fertige Hose trägt sich sehr angenehm.
 Ich habe Größe 8 genäht, an der Taille zu 10 auslaufend lassen. Die Schrittkurve habe ich von meinem Hosengrundschnitt übernommen und die Länge um 3 cm gekürzt.
Das Nähen der Jeans war eine Freude, der Schnitt ist ausgefeilt wie alles von Closet Case, was ich bisher kenne. Der Hosenschlitz wird mit Knöpfen verschlossen, das wird aber genau erklärt und ist wirklich idiotensicher beschrieben. Eigentlich ist es auch einfacher als die Sache mit dem Reißverschluss.

Etwas erschrocken war ich ja doch bei der ersten Zwischenanprobe (ich mache bei den Jeans, wenn ich mir halbwegs sicher mit der Paßform bin, kein komplette Probemodell mehr, hefte aber die Seitennähte und den Bund zunächst und probiere dann an). Ich fand die Hose zu weit, irgendwie dann doch zu sehr Boyfriend...aber eine etwas enger geheftete Version, die ich dann probierte, sah ganz komisch aus und war vor allem denkbar unbequem. Also blieb alles so, wie es gedacht war, und mit dem Ergebnis bin ich auch ganz zufrieden.


Zum Absteppen der Nähte habe ich diesmal schwarzes Garn genommen. Das fand ich schöner zu dem Stoff, außerdem sind dann die Ungenauigkeiten nicht so peinlich.
Die Innenansicht der Hose ist natürlich genauso sehenswert:

 Allerdings gefällt mir die Jeans nur in der 7/8 Länge mit den hochgekrempelten Beinen, so sieht man übrigens auch die meisten Beispiele im Netz. Bei den langen Beinen stimmen die Proportionen nicht mehr.

Aber jetzt kommt ja die warme Jahreszeit, in der man die Hosen hochgekrempelt trägt und auf die Strümpfe verzichtet . Das Shirt ist übrigens wieder mal  eine Frau Liese, einer meiner Lieblingsschnitte für Wickelshirts.

 Ich freue mich schon auf ein schönes Frühjahr und Sommer mit meiner neuen Jeans!
Viele andere schöne Frühjahrsklamotten sieht man hier auf dem Memademittwoch, abgeführt von Wiebke in einem zauberhaften Kleid, das ich gar nicht so herbstlich finde.
Schnitt:Morgan von ClosetCase
Stoff: Leichter Denim über www.biostoffe.at

Mittwoch, 15. März 2017

Ginger Jeans von Closet Case

Ich habe es wieder getan- ich habe mir wieder eine Ginger Jeans genäht.
Zu diesem Schnitt muß man eigentlich gar nichts mehr sagen. Vermutlich kennt jede Hobbyschneiderin diesen Schnitt. Ginger von Closet Case Files war der erste Jeans-Schnitt, der das Jeansnähen auch für die nicht ganz so versierten Näherinnen ermöglichte. Seit seiner Erscheinung im Herbst 2014 wird Ginger durch alle Nähblogs rauf und runter genäht. Zu recht ist dieser Schnitt so beliebt: ein guter, ausgefeilter Schnitt, dazu eine ausführliche  Anleitung und einen Sewalong auf dem Blog von ClosetCase- da bleibt kein Wunsch der Hobbynäherin offen.

Auch ich hatte mich kurz nach Erscheinen des Schnittes daran gewagt und zwei ganz annehmliche und tragbare Hosen produziert. Lieblingsstücke wurden es allerdings nicht. Die technischen Schwierigkeiten  wie Reißverschluss und die Abstepperei hatte ich dann schon irgendwann gemeistert, aber ich kam mit dem Anpassen nicht klar. Die Hosen paßten zwar besser als manche Kaufhose, aber eben nicht optimal.
Diese Probleme führten mich dann in meinen ersten Kurs für Schnittkonstruktion, in dem ich einen Hosengrundschnitt für mich selbst konstruierte. Nun wurde die Sache mit der Paßform für mich natürlich einfacher, und ich nähte mir zwei recht gut passende Hosen nach meinem Grundschnitt. Die allerdings fand ich dann nicht schick, weil ich bei der einen die Taschen zu groß konstruiert hatte und die andere zu weite Hosenbeine hatte...hier hätte ich also weiter probieren müssen, um eine Hose nach meinen Ideen zu produzieren. Aber das Hosen nähen ist schon zeitaufwendig, die ganzen Einzelheiten mit Verschluß, Taschen, Bund, was so dazu gehört...ich hatte es dann zwischendurch aufgegeben und mich lieber anderen Projekten gewidmet, die rascheren Erfolg und damit mehr Lustgewinn beim Nähen versprachen.
Aber für meine Frühjahrsgarderobe fehlte mir noch eine graue Jeans in Skinny-Form. Nachdem der Versuch, sie käuflich zu erwerben, kläglich scheiterte ( in der Unkleidekabine stellte ich mir die Frage, wer an Wahrnehmungsproblemen leidet: die Verkäuferin, die die Hose an mir in den höchsten Tönen lobte, oder ich, die dachte: na, wenn das ein selbstgenähtes Teil wäre, würde ich es gleich in die Tonne werfen), also das war keine Option mehr für mich.

Zeitgleich flatterte ein neues Angebot von Heather Lou, der Designerin von ClosetCase, in mein Postfach: ein Videokurs übers Jeansnähen, verbunden mit einer neuen Schnittvariante der Ginger Jeans, nämlich eine mittlere Leibhöhe. Die Original Ginger ist ja entweder sehr tief auf der Hüfte sitzend, oder sehr hoch bis zum Nabel- ich hatte bei meinen bisherigen Versuchen immer versucht, die hüftige Form zu verlängern, war aber vielleicht auch nicht der richtige Weg.

Also Videokurs gebucht, Schnitt zum Plotten geschickt und einen Stoff aus dem Vorrat ausgesucht, einen grauen Stretch-Denim, der schon eine Weile auf seine Bestimmung wartete. Der Stoff war eine mäßig gute Entscheidung, wie ich dann beim Nähen und Tragen feststellte. Er hat zwar eine schöne Dehnbarkeit, mindestens 10%, ist aber trotzdem sehr kräftig und nicht ganz so weich, wie man es bei einer Skinny-Jeans ja gerne hat. Überhaupt finde ich die Stoffwahl bei den Stretch-Jeans sehr schwierig. Der Stoff soll ja weich und dehnbar sein, trotzdem eine gute Rücksprungkraft haben. Offenbar geht das auch nicht ohne einen gewissen Polyesteranteil im Stoff, soviel habe ich dann schon in der ersten Lektion des Videokurses von Heather Lou, der Designerin von ClosetCase, gelernt. Polyester  mag ich sonst nicht so gerne in meiner Kleidung, aber vielleicht muß ich bei der nächsten Jeans dann doch mal so eine Mischung probieren
Bei der Schnittanpassung habe ich diesmal meinen Grundschnitt zu Hilfe genommen und vor allem die Schrittkurve daran angepaßt. 
Der Schnitt enthät wie die meisten amerikanischen Schnitte bereits eine Nahtzugabe, die mußte ich zur Anpassung zunächst entfernen. Die Nahtlinie  der Gr. 8  ist die Bleistiftlinie auf dem Bild oben. Man sieht schon die Abweichungen: die Schrittkurve meines Grundschnittes ist tiefer und L-förmig, die hintere Mittelnaht steht steiler und vor allem ist die Schrittlänge länger.
Auch im Vorderteil ist die Schrittkurve meines Grundschnittes tiefer als der Fertigschnitt von Closetcase. Es sind alles keine großen Änderungen, die Abweichungen bewegen sich alle im Bereich von maximal 1 cm, aber im Schrittbereich scheinen auch diese kleinen Abweichungen eine große Rolle zu spielen. Es gibt auf dem Blog von Closet Case ein kleines Kompendium über Jeansanpassung. Da finde ich auch die meisten meiner Änderungen wieder: ich habe ein "round pubis adjustment" durchgeführt, weiterhin ein "low butt adjustment" und ein "flat seat adjustment". Ich habe Gr. 8 genäht, in der Taille Gr. 10 und die Länge um 3 cm gekürzt.
Und das Ergebnis ist recht zufriedenstellend, denn die Jeans paßt mir wirklich besser als die früheren Versionen dieses Schnittes.

Der Videokurs "Sew Your Dream Jeans" von Heather Lou ist natürlich absolut professionell gemacht, wie alles, was sie veröffentlicht. Ich hatte erst Bedenken, ob ich ihr Englisch verstehen würde, denn sie hat ein relativ hohes Sprechtempo. Aber man hört sich rasch ein, und ich glaube, daß ich die meisten Dinge verstanden habe. Die Schnittanpassung kommt  leider nur kurz vor, sie zeigt an einem Beispiel, wie sie ein genähtes Probemodell anpaßt. Hier hätte ich mir mehr Beispiele, vielleicht an verschiedenen Figurtypen, gewünscht. Die Einteilung der Videolektionen entsprechen im wesentlichen den Teilen des Sewalongs auf dem Blog und bringen natürlich keine grundlegend anderen Informationen. Trotzdem fand ich es schön, beim Nähen immer mal wieder das Video parallel laufen zu lassen. Manche Handgriffe konnte ich mir abschauen, es war wirklich ein bißchen wie ein Nähkurs mit einer erfahrenen Dozentin. Das schönste am Video fand ich persönlich die Begeisterung fürs Jeansnähen, die für mich bei Heather Lou spürbar ist. Ich finde es immer schön, wenn jemand voll und ganz hinter dem Produkt steht, daß er oder sie verkauft, da ist es dann egal, ob das Biokarotten oder Jeansschnitte sind. Und letztendlich macht das ja auch einen Teil des Reizes der Indie-Schnitte aus: wir interessieren uns auch für die Persönlichkeit der Designerin, schauen , ob sie uns authentisch erscheint und ob wir uns vielleicht sogar mit ihr identifizieren können.

Das Nähen der Jeans war dann recht problemlos. Eine Entdeckung fürs sichtbare Absteppen war für mich der Kantennähfuß, das wurde wirklich deutlich exakter als der normale Nähfuß. Für die Innentaschen habe ich ein Liberty-Schätzchen angeschnitten, das ich farblich so schön zu meinem Jeansstoff fand.


In jedem Blogpost über Jeans folgt eine ausführliche und zerknirschte Analyse der Hosenfalten, die man beim Tragen der Jeans produziert, verbunden mit dem Versprechen, diese Falten bei der nächsten Fassung zu eliminieren. Ich denke auch, daß ich meinen Schnitt noch optimieren kann, aber bin davon überzeugt, daß man eine Hose aus Webstoff nie ganz faltenfrei hinbekommt. Auch wenn der Stoff viel Stretch hat , ist es nun mal kein Strickstoff. Da ich mich in der Hose auch noch bewegen und vor allem hinsetzen will,  brauche ich zumindest an der Oberschenkelrückseite einige Bewegungsfalten.


Am meisten störend finde ich die Falten über dem Knie, die Hose schiebt sich hier beim Tragen und vor allem beim Radfahren deutlich zusammen und rutscht nicht wieder über die Wade zurück. Hier brauche ich wohl noch das "full calf adjustemetn", das aber auch bei ClosetCase gut beschrieben ist.
Das Shirt ist übrigens eine FrauLiese von Schnittreif, genäht aus einem Jersey von ArtGallery .
Mit diesem Outfit fühle ich mich sehr wohl an diesen ersten schönen Frühlingstagen.
Was tragen denn die anderen Selbernäherinnen heute? Das zeigt die Galerie des Memademittwoch!

Mittwoch, 8. März 2017

Heather Dress von Sew over it


Auf Instagram wurde in den letzten Wochen immer wieder mal der Heather Dress von Sew over it gezeigt. Instagram-Eindrücke sind flüchtig,so kann ich auch gar nicht mehr sagen, wer das Kleid genäht hatte, aber ich habe mir gemerkt, daß dieser Schnitt interessant ist und ich ihn mir unbedingt noch mal näher anschauen muss.
Als dann aber Sandra von Rehgeschwister diese wunderschöne Heather zeigte, wurde ich restlos von dem Schnitt überzeugt und habe ihn mir bestellt.

Heather ist ein Schnitt für ein Jerseykleid, als Material wird ein fester Jersey mit mittlerem Gewicht empfohlen. Die meisten Modelle, die ich gesehen habe, sind aus Romanit- sicher eine gute Wahl, denn zu weich darf der Stoff nicht sein. Der Schnitt hat Prinzessnähte, die unterhalb der Taille bogenförmig in die Seitennähte laufen. In diesen Bögen befinden sich zwei große Taschen.

Das Interessante an diesem Schnitt ist seine Silhoutte, finde ich. Er ist wirklich nicht tailliert, die Bequemlichkeitszugabe in der Taille liegt laut Schnitt bei 15 cm, das ist schon eher locker geschnitten. Das Kleid wirkt aber durch die gebogenen Seitenteile durchaus figurbetont. Diesen Effekt könnte man noch verstärken, indem man die Seitenteile aus dunklem einfarbigen Stoff näht, hier gibt es viele Beispiele im Netz.

Ich habe nur einen Stoff verwendet, nämlich einen Baumwolljaquard von Albstoffe, den ich hier bezogen habe. Wunderschöner Stoff, gut zu verarbeiten und sehr weich im Tragegefühl. Und dass der Stoff in der Schwäbischen Alb hergestellt wird und nicht aus Bangladesh oder anderen fernöstlichen Ländern importiert wird, macht die Freude an diesem Stöffchen komplett.

Das Kleid war schnell genäht. Etwas störend fand ich die Nahtzugabe von 15 mm, die im Schnitt enthalten ist. Beim Arbeiten mit der Overlock ist das zuviel. Ich habe allerdings bei diesem Kleid auch einige der gebogenen Nähte mit der Nähmaschine genäht, da mir das Einnähen der Nahttaschen in die Bögen zu fuzzelig für die Overlock schien.

Genäht habe ich Größe 10, die Ärmel sind relativ eng, hier habe ich eher eine Größe 12 genäht.
Das ist übrigens die Originallänge des Kleides, die am mir (ich bin 1,68 m groß) fast noch zu lang ist. Auf vielen Bildern sieht Heather sehr kurz aus- ist vielleicht schicker als meine jetzige Länge? Aber kürzen kann ich ja immer noch.

Mit der Paßform bin ich im großen und ganzen zufrieden. Ich hatte noch nie einen Schnitt von Sew over it genäht, das ist ja dann immer ein gewisses Risiko. Aber der dehnbare Stoff und der weite Schnitt verzeiht natürlich einiges. Ich denke, der Rücken ist zu lang, das würde ich bei der nächsten Version versuchen zu ändern. Vielleicht würde ich auch doch etwas Weite herausnehmen, das ist bei diesem Schnitt mit den Prinzessnähten ja auch problemlos möglich.

Aber auch so trägt sich das Kleid sehr gut. Es ist ein Kleid, in dem ich spontan Komplimente bekomme- das finde ich immer interessant, wenn das so ist. Woran das liegt? Meist nicht an irgendwelchen komplizierten technischen Näh-Rafinessen, die man mit Mühe gemeistert hat und auf die man so unglaublich stolz ist...vermutlich ist es bei diesem Kleid der schöne Fall und natürlich der Stoff, der so toll ist.
Sehr sehenswert ist übrigens auch der Hintergrund meines Kleides, der vielleicht  bei der geringen Tiefenschärfe der Bilder nicht so gut herauskommt, deshalb hier noch mal ein Foto ohne Kleid:

es handelt sich um einen Hohlweg im Kraichgau. Das ist eine ganz besondere Eigenheit der Landschaft hier. In den weichen Lössboden hatten sich in den letzten Jahrhunderten tiefe Wege eingeschnitten, die früher als Verbindungen zwischen den Orten genutzt wurden. Heute sind sie Naturschutzgebiete und Rückzugsorte für viele seltene Tiere und Pflanzen, die das trockene Klima der Hohlwegwände schätzen. Das ist zwar jetzt im Frühjahr noch nicht so recht erkennbar, aber auch die Kargheit zu dieser Jahreszeit hat ihren Reiz, und das nicht nur als Fotohintergrund.
Und wo haben  die anderen Bloggerinnen des Memademittwoch ihre schönen Kleider ausgeführt? Das kann man hier sehen!