Sonntag, 20. November 2016

Weihnachtskleid-Entscheidung???


Oh, alle anderen sind schon so weit mit ihren Kleidern, haben Schnitte abgepaust, Probemodelle genäht, zugeschnitten- davon kann ich nur träumen.
Immerhin war ich letzte Woche bei meinem Lieblings-Stoff-Dealer und habe zwei Traumstöffchen ergattert.
Einmal diesen karierten Stoff:
Das ist ein ganz zarter Stoff, etwas durchscheinend, ein Gemisch aus Wolle und Viskose. Für ein gefüttertes Kleid sicher gut geeignet, sicher auch gut einzukrausen und zu -fälteln. Für mein Kleid Aubepine von Deer und Doe wahrscheinlich gut geeignet.
Allerdings habe ich im Netz mittlerweile auch viele wirklich furchtbare Exemplare dieses Schnitte gesehen. Er hat nun mal diese Empiretaille, und das kann schon leicht nach Schwangeren-Hängerchen oder Baby-Doll aussehen. Andererseits gibt es auch sehr , sehr schöne Versionen, und mit gefällt der Schnitt immer noch.
Vielleicht sollte ich die Schleife unter dem Busen weglassen und einfach nur mit einem Gummiband einkrausen?
Die Biesen an Oberteil und Ärmel, die bei Aubepine vorgesehen sind, machen vielleicht einen ganz witzigen Effekt in dem karierten Stoff ( vor allem , wenn sie ungenau genäht werden, wie ich es bei mir befürchte....)
Zu dem schönen karierten Stoff fiel mir auch noch Dahlia von Colette ein. Auch das ist ein Schnitt, den ich schon lange nähen möchte,  ein Schnitt, der ausdrücklich für karierte Stoffe gedacht ist, da er ohne Abnäher ist. Aber mit der Anpassung dieses Schnittes haben viele schon ihre Probleme gehabt, das will ich mir vor Weihnachten nicht antun.
Das war der andere Teil meines Einkaufs. Weihnachtliches Dunkelrot, Baumwolle, Qualität nennt sich, glaube ich , Cloque- ein zweiseitiger Stoff mit etwas Luft zwischen beiden Seiten. Er ist wunderbar weich, leider war es nur noch der Rest vom Ballen und damit für das Kimonokleid von Crafteln nicht mehr ausreichend. Aber für die Bluse könnte es gerade noch reichen, wenn ich die etwas kürze.
So ist also mein Plan zur Zeit: ein kariertes Weihnachtskleid nach dem Schnitt Aubepine, und noch eine Weihnachtsbluse nach dem Kimonoschnitt von Crafteln.
Weihnachten ist ja wirklich noch ziemlich lang hin, oder?
Jetzt schau ich erst noch mal zu meinen Mitnäherinnen auf dem Memademittwoch. Aber die sind alle schon so weit...

Mittwoch, 16. November 2016

Herbst-Outfit mit Driftless Cardigan von Grainline Studio


Es gibt ja wirklich schöne Jaquardjerseystoffe diesen Herbst. Die schönsten davon werden , wie ich finde, bei Albstoffe produziert. Albstoffe ist eine Firma auf der Schwäbischen Alb, die sich auf Strickstoffe spezialisiert hat und diese auch in kleinen Auflagen herstellt. Und das nutzen Stoffgeschäfte oder auch Designerinnen, um ihre Ideen zu Stoff und an die Frau zu bringen.

Gute Ideen kamen in diesem Fall vom Stoffbüro, das eine ganze Kollektion von farblich passenden Jerseys, Ringeljerseys und eben Jaquards in Auftrag gegeben hatten. Ich hatte mich für die Farbvariante bordeaux-beige entschieden und mir daraus ein Herbstoutfit genäht.

Als Jacke habe ich mich für den Driftless Cardigan von Grainline Studio entschieden. Das ist einer von den Schnitten, den man erst auf den zweiten Blick als interessant ansieht. Eigentlich ganz schlicht, etwas oversized, überschnittene Schultern und gut hüftlang. Die Jacke ist aus dem camelfarbenen Jaquard Flechtwerk genäht.

Mir gefällt an diesem Schnitt die Form gut, die zwar groß und voluminös wirkt, aber trotzdem irgendwie figurbetont. Der Schnitt hat im unteren Drittel eine horizontale Teilungsnaht, in die im Vorderteil eigentlich Taschen eingearbeitet sind. Dafür hat mein Stoff nicht gereicht, die Stoffbreite des Jaquards ist nur 120 cm- das hatte ich beim Bestellen nicht bedacht.

Es gibt farblich passende Bündchen, so daß für den schönen Abschluss gesorgt war. Das Bündchen an den Vorderteilen soll eigentlich mit der Hand angenäht werden, wenn man der Anleitung folgt. Ich habe das großzügig überlesen und die Jacke einmal durch die Cover gejagt- ging auch, aber schön ist vielleicht anders...
Das einzige, was mir an dem Jaquard nicht gefällt, ist die weiße Rückseite, die man bei einer Jacke ja doch manchmal hervorblitzen sieht. Oder ich müßte sie immer nur geschlossen tragen, aber für Knöpfe konnte ich mich bisher nicht entschliessen. Vielleicht kleine Druckknöpfe? Knopflöcher kann ich jedenfalls in das Bündchen vorne nicht mehr nähen, nachdem da meine glorreiche Covernaht liegt.

Der Jaquard ist wunderbar weich und füllig, und auch durch den Schnitt ist auf diese Art ein Kleidungssstück entstanden nach dem Muster: nähen,anziehen, und freiwillig nicht mehr ausziehen!

Dazu habe ich ein Ringelshirt aus einem gestreiften Biojersey genäht. Das sollte eigentlich ganz schlicht werden. Ich habe irgendeinen Basisschnitt herausgezogen, zugeschnitten- und dann gedacht, daß ein bißchen mehr Pep schon noch dabei sein dürfte. Aber was?
Nun haben diese Ringel andere auch schon inspiriert. Die einen dachten an bretonische Fischer, die nächsten an Grimmsche Märchenfiguren mit dem gleichen Beruf- mir fielen eher die Wiener Sängerknaben mit ihren schönen Matrosenkrägen ein, nachdem ein Zipfel des unifarbenen bordeauxenen Jerseys auf dem Streifenstoff lag.

Wie näht man denn so einen Matrosenkragen, dazu auch noch an ein Jerseyshirt? Antwort gab es bei Colette. Colette hatte vor einigen Jahren einen schlichten Jerseykleiderschnitt (Moneta) herausgebracht, zu dem es als Bonus verschiedene Kragen gab, unter anderem also auch dieses Schleifchen. Schleifchen ist zwar kein richtiger Matrosenkragen, aber mir war es genug.
Ich mußte dann nur noch den Colettekragen auf mein bereits zugeschnittenes Shirt anpassen, und fertig war mein Matrosenkragen!
Leider war mein Ausschnitt schon etwas weit geraten, da ich ja urspünglich ein normales Shirt mit Bündchen nähen wollte. Auch hier gilt also der alter Grundsatz, daß Nachdenken vor dem Zuschneiden auch ganz schön gewesen wäre...
Aber ich hatte ja noch den unifarbenen bordeauxenen Jersey, und so habe ich daraus noch ein Unterziehtop mit hohem Ausschnitt genäht, auf daß das Ensemble etwas herbst- und wintertauglicher würde.
Der Jersey hat übrigens auch eine unglaublich schöne Qualität. Er ist glatt, dabei weich und angenehm im Griff. Ich hoffe, er wird auch dauerhaft so bleiben, wenn er die ersten Waschmaschinen-Durchläufe hinter sich hat!
Geplant ist jetzt eigentlich noch ein Kleid, es gibt noch einen Jaquard mit schönem Punktemuster, der aber leider zur Zeit nicht in meinen Farben erhältlich ist- ich hoffe sehr, daß die Strickmaschinen auf der Schwäbischen Alb schon heißlaufen und ihn nachproduzieren!
Und so lang schaue ich mir einfach an, was die anderen gut angezogenen Damen des Memademittwoch heute tragen, und freue mich auf viele neue Inspirationen!
Jacke: Driftless Cardigan von Grainline Studio
Shirt: eigener Schnitt mit Colette-Kragen
Stoffe: Biojaquard und Biojersey vom Stoffbüro
Rock: gekauft, aber trotzdem schön
Thermoleggins: T*chibo, genial warm!
verlinkt: MMM, ichnähbio

Montag, 14. November 2016

Weihnachtskleid-Sewalong: Ideen


Nun hatte ich gerade meinen Wintermantel genäht und gezeigt, und schon naht der absolute Höhepunkt im Jahreslauf für die Nähbloggerin: der Weihnachtskleid- Sewalong!
Auch wenn es mir gerade noch etwas früh vorkommt, mich mit meinem weihnachtlichen Outfit zu beschäftigen, sehe ich ein, daß es an der Zeit ist, denn wir wissen alle: Weihnachten kommt immer so plötzlich!
Also,was ziehe ich an Weihnachten an, was nähe ich? Zum Glück verlaufen die Feiertage in unseren Familien recht informell, vermutlich könnte ich auch in Jeans erscheinen, was ich aber natürlich nicht tue. Nein, ein Kleid muß es schon sein.
Letztes Jahr war ich zwar noch keine aktive Bloggerin, aber genäht habe ich natürlich schon ein Weihnachtskleid, nämlich das Kleid Wren von Colette aus einem dunkelblau-weiß gemusterten Jersey von ArtGallery. Bilder davon gibt es natürlich keine, da noch keine Blog-Notwendigkeit. Aber ich habe das Kleid sehr gerne und viel getragen, eine ärmellose Version von Wren habe ich hier gezeigt.
FürWeihnachten 2016 hatte ich schon lange die Idee, das Kleid Aubepine von Deer and Doe zu nähen.
Mir gefällt der Schnitt unglaublich gut, er hat eine hohe Taille, eher empiremässig, einen schön weiten Rock und ist gefüttert, was ich im Winter sehr gerne mag. Nähtechnisch bietet er sicher einige Herausforderungen, vor allem durch die biesenähnlichen Fältchen  an Armen und Oberteil. Aber die Anleitung bei DeerandDoe Schnitten ist üblicherweise sehr gut, und die Schnitte passen mir meistens ohne größere Änderungen.
Alternativ habe ich auch an einen Schnitt der finnischen Schnittmusterfirma Named gedacht. Named hat ja diesen Herbst eine wunderbare neue Kollektion herausgebracht ("evolution theory"), die in der Nähwelt auch schon rauf und runter genäht wurde. Mit Ausnahme- diese Jerseykleid hat bisher keinen Nähblogger interessiert? Ich habe jedenfalls nichts gefunden!
Das Kleid heißt Tuuli und hat als Besonderheit einen Faltenrock, den ich bei Jerseykleidern so noch nicht gesehen habe.

Wahrscheinlich müßte man es aber aus einem recht dünnen (Viskose) Jersey nähen, damit die Falten nicht an der Taille auftragen. Aber dünner Viskosejersey für den deutschen Winter, das wird vielleicht zu kalt? Obwohl- oft haben wir ja das berühmte Weihnachtstauwetter mit eher frühlingshaften Temperaturen, da ist man dann vielleicht auch ganz froh über ein leichtes Kleid. Und mit passendem Jäckchen dazu...
Wie auch immer, das Tuuli-Kleid ist sicher ein recht schnelles Projekt, was sich vielleicht auch für ein Zweitkleid gut eignen würde. Oder später als Frühlingskleid?
Ja, und Nr. 3 in meinen Überlegungen ergab sich erst diese Woche, nachdem Meike so einen wunderschönen neuen Kleiderschnitt veröffentlicht hat, das Kimono-Kleid!
Das könnte ich mir auch sehr gut als Weihnachtskleid vorstellen. Dann könnte ich erstmal die Blusenversion nähen, die Paßform optimieren, bevor ich mich dann an das Kleid wage.
Also , noch ist nichts entschieden. und vor allem fehlt mir auch noch der richtige Stoff für das Projekt. Aber das läßt sich doch bestimmt durch einen Besuch beim Stoffdealer ändern...
Jetzt schaue ich mir erst mal an , was die anderen Teilnehmerinnen des Memademittwoch für Pläne haben. Hier finde ich sicher noch ganz vielen andere Ideen für ein Weihnachtskleid, so daß meine Entscheidung nicht leichter wird! 

Sonntag, 13. November 2016

Clare von ClosetCaseFiles



Nun darf ich also endlich die Tragebilder meines schönen Wintermantels zeigen, der im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs auf dem MMM entstanden ist.
Zunächst möchte ich mich aber bei den Organisatorinnen dieses Sewalongs bedanken. Nur durch Euch wurde es ermöglicht, daß jetzt 50 - 6o Frauen diesen deutschen Winter durch ihre schönen Mäntel bereichern. Ohne Eure Aktion hätten sicher viele gedacht "Nähen ist ja ganz schön, aber einen Wintermantel? viel zu schwierig und zu langwierig, nähe ich mir doch lieber erst mal das nächste Shirt, das ist jedenfalls nach 2 Stunden fertig..." So hätte jedenfalls ich gedacht, wenn ich nicht durch den Sewalong zu einem Anfang und regelmäßigen Fortschritten gezwungen worden wäre. Nochmals vielen Dank!
Und nun bin ich sehr glücklich mit meinem Mantel. Ich hatte den Mantel Clare von CloseCaseFiles gewählt und ihn aus einem karierten Kaschmir-Wollstoff genäht. Eine der Hauptschwierigkeiten beim Nähen ist ja, finde ich, den richtigen Stoff für einen Schnitt zu finden, oder lieber andersrum- der Stoff sollte seinen Schnitt finden. In diesem Fall sprach mein bildschöner Kaschmir-Stoff zu mir, daß er   zu einem schlichten und klassischen Schnitt verarbeitet werden wollten, und das ist Clare auf jeden Fall.
Eigentlich hatte ich es ja sehr einfach mit meinem Mantel. Ich hatte einen tollen Stoff und vor allem einen guten Schnitt mit anfängertauglichen Anleitung. Es gab - zu der schon sehr guten Anleitung- einen ausführlichen Sewalong auf der Blog von ClosetCaseFiles, so daß nicht viel schief gehen konnte.
Der Mantel hat Raglan-Ärmel, so daß die Probleme mit dem Ärmeleinsatz minimiert waren. Aufgrund der A-Form des Mantels musste ich auch nur darauf achten, daß die Schulter halbwegs paßte. Auf die Paßform an der Taille und an der Hüfte kam es nicht mehr so darauf an, da der Mantel da naturgemäß sehr weit fällt.
Meine Version von Clare hat Taschen in der Seitennaht. Auch das macht das Nähen einfach, da ich mir damit so kleine Schweinereien wie Pattentaschen erspart habe.
Wir haben ja wirklich viele Bilder gemacht, aber auf keinem einzigen habe ich die Hände nicht in den Taschen. Das zeigt hoffentlich, wie bequem diese Taschen sind ( und nicht nur, daß mir beim Fotografieren keine andere Pose einfällt...)
Ich habe den Mantel in Gr. 10 genäht, also etwas größer, als es meinen Maßen entsprach. Aber der Mantel sieht nur eine sehr geringe Bequemlichkeitszugabe (10 cm bei der Brustweite) vor, und ich wollte ja auch noch jedenfalls ein dünnes Vlies zu Verstärkung einnähen.
Über die Einzelheiten des Nähprozesses habe ich hier , hier und hier berichtet.


 Das Vlies habe ich dann letztendlich nur beim Vorder- und Rückenteil einnähen können, die Ärmel waren dafür zu eng.Natürlich schränkt das die Warmhaltefähigkeit des Mantels etwas ein- für richtig tiefe Temperaturen ist der Mantel nicht geeignet.
Aber er war wunderbar für die meisten Tage, die der Herbst in unseren Breitengraden bereit gehalten hat.

 
 Mit der Paßform bin ich sehr zufrieden. Ich hatte zuerst Bedenken wegen der Länge und fand den Mantel zu kurz, er ist wirklich mehr eine Jacke. Aber die Länge hat sich mittlerweile als ideal herausgestellt, vor allem zum Fahrradfahren.
Meine einzige Änderung am Schnitt war die Gestaltung der Knöpfe. Der Schnitt sieht Druckknöpfe vor- auch dies dient sicher zu Vereinfachung des Schnittes, denn natürlich sind Knopflöcher immer schwierig zu nähen. Ich wollte aber am Kragen zwei "richtige Knöpfe" haben und habe mich dazu für Paspelknopflöcher entschieden.
Meine Paspelknopflöcher würden sicher vor Pingel-Inge nicht bestehen, da sie im geöffneten Zustand etwas klaffen. Das liegt daran, daß sich die Knopflöcher beim Annähen auf die Öffnung im Unterkragen etwas verzogen haben, vorher waren sie wunderbar eng anliegend! Mich stört das aber nicht weiter, da ich den Kragen sowieso meistens geschlossen trage.

Und das Gefühl des Kaschmirkragens am Hals ist wirkliche angenehm, hier bin ich doch froh, mich nicht für einen vielleicht kratzigen Wollstoff entschieden zu haben.

Die anderen Knöpfe habe ich als Druckknöpfe gelassen. Da die Druckknöpfe natürlich nur am Beleg angenäht sind, klafft das Vorderteil etwas, das kann man aber nicht ändern.

Bei den Druckknöpfen hatte ich ja zunächst große Bedenken, weil sie sich anfangs so schwer öffnen liessen. Zum Glück wird das durch den steten Gebrauch immer besser, und ich bin auch sehr vorsichtig beim Öffnen und reisse nie am Stoff.

Der Mantel ist grau, das Futter grau- zum Glück habe ich eine pinke Paspel zwischen Futter und Beleg eingenäht! Die sehe zwar eigentlich nur ich, wenn ich den Mantel an- oder ausziehe, aber für mich gehört das zu den kleinen Freuden, die wir Selbernäherinnen uns doch gönnen. Hier eine Paspel, dort ein bunter Aufhänger, in den Jeans vielleicht noch ein buntes Taschenfutter- das hat keiner außer uns, und das ist unsere ganz geheime Freude!
Was habe ich jetzt denn gelernt bei diesem Mantel? Das ist ja die Frage, die ich mir oft stellle, wenn ich ein Projekt fertig genäht habe. Und die Antworten auf diese Frage trösten mich durchaus, wenn das Nähergebnis vielleicht nicht so war, wie ich es mir erträumt hatte, oder sogar ein TFT (Teil für die Tonne) produziert wurde, was zum Glück bei mir nicht so oft vorkommt.

In diesem Fall habe ich gelernt, mit Wollstoff umzugehen. Ich habe gelernt, wie man einen hochwertigen Wollstoff mit viel Dampf vorbehandelt, um ein Schrumpfen bei der späteren Verarbeitung zu verhindern. Ich habe gelernt, daß Wollstoff mit einer passenden Einlage verstärkt werden muß, um eine ausreichende Struktur für den Mantel zu erreichen.

Mit Karoanpassung habe ich mich befasst, sicher noch keine super Erfolge erreicht, aber ich weiß jetzt jedenfalls, wo die Probleme sind. Auch bei den Paspelknopflächern sehe ich jetzt, daß die Hauptschwierigkeit eigentlich auf der Rückseite liegt, auch hieran kann ich weiter arbeiten.
Die Falten am rückwärtigen Saum sind mir übrigens erst auf den Bildern aufgefallen, hingen vermutlich aber auch mit dem Fahrradfahren zusammen, denn sonst fällt der Saum eigentlich sehr schön und glatt.

Insgesamt fühle ich mich sehr wohl in dem Mantel. Er  hat sich völlig nahtlos in meine Garderobe eingefügt und paßt zu vielem, sowohl zu Jeans als auch über Röcke. Ich bin bisher nicht auf ihn angesprochen worden, was vermutlich ein gutes Zeichen ist. Vielleicht kennt Ihr ja auch diesen Reaktionen auf manche selbstgenähten Kleidungsstücke, so in der Richtung "ach, diesen Rock haben Sie ja bestimmt selbstgenäht, der ist ja so originell!"...das freut einen ja nicht wirklich...


Und ich habe natürlich auf gelernt, daß manche Nähprojekte einfach ihre Zeit brauchen. Ein Mantel besteht aus vielen einzelnen Teilen, hat viele verschiedene Schichten, und alles muß richtig zusammengefügt werden. Ich war ja sehr froh, daß dieser Sewalong in einer Zeit durchgeführt wurde, in der ich einige Tage Urlaub hatte. Das hat es mir ermöglicht, manche Arbeitsschritte recht zügig und am Stück durchzuführen. Und trotzdem habe ich viele, viele Stunden mit diesem Mantel verbracht  (wobei die meisten sehr angenehm waren!)
Aber wie die Kalkulation beim Klamotten-Schweden aussieht, wo Mäntel für 30 Euro verkauft werden, kann ich nicht verstehen. Wobei vermutlich auch bei höherpreisigen Mänteln das meiste im Vertrieb hängenbleibt und die Näherin mit einem deprimierend geringen Lohn abgespeist wird.
Das ist ja für mich auch eine der "Nebenwirkungen" des Selbernähens, daß meine Lust auf Shoppen mittlerweile gegen null geht. Manche Sachen gefallen mir schon, aber dann ist der nächste Gedanke: das könnte ich doch selber genaus so gut nähen, und dann würde ich das Teil vielleicht 5 cm länger nähen, oder die Taille etwas enger machen, und überhaupt, für den Preis bekäme ich ja auch 2 m von dem tollen Stoff, den ich vielleicht vor kurzem wegen des hohen Preises habe liegen lassen...also fürs Shoppen bin ich mittlerweile völlig verdorben.
Na gut, dann nähe ich halt weiter, nach dem Motto: nach dem (Wintermantel)-Sewalong ist vor dem (Weihnachtskleid)-Sewalong!
Jetzt bin ich aber doch auf die Parade der Wintermäntel auf dem Memademittwoch gespannt! Nina und Karin präsentieren uns heute ihre genähten Werke- Nina in total schicker Cabanjacke, und Karin ebenfalls mit Clare, aber aus einem traumhaften dunkelroten Wollstoff!


Sonntag, 6. November 2016

Clare: Futter und Fertigstellung



Heute geht es um das Futter unserer Wintermäntel im 4. Teil des Wintermantelsewalongs auf dem Memademittwoch.Mein Mantel (Clare von Closetcasefiles) hat einen extra Futter-Schnitt, und so hatte ich keine allzugroßen Probleme beim Nähen des Futters. Die Hauptschwierigkeit war erwartungsgemäß das zuschneiden des Viskose-Futterstoffes, aber mit viel gutem Willen auf allen Seiten (ja , auch der Futterstoff
 wirkte manchmal durchaus kooperativ!) gelang mir auch diese Challenge.
Ich habe das Futter mit einem dünnen Vlies von Butinette verstärkt. Da hatte ich lange überlegt, nachdem mir klar wurde, daß der Wollstoff alleine im Winter als Wärmeschutz nicht ausreichen würde. In Frage kam für mich auch Thinsulate oder auch ein Wollvlies. Beides schien mir allerdings dann zu warm für unseren üblichen deutschen Winter.
Das Vlies war jedenfalls gut zu verarbeiten, ich habe es gemeinsam mit dem Futterstoff vernäht. Die Ärmel konnte ich allerdings nicht damit füttern, da nach der ersten Anprobe klar wurde, daß sie dafür zu eng sind.



An das Futter wurden dann die vorderen Belege und der Beleg vom Halsausschnitt genäht, hier war es natürlich ein besonderes Vergnügen, die pinkfarbene Paspel einzunähen.
Und beim Aufhänger, der zwischen Halsausschnitt  und Unterkragen eingenäht wurde, konnte ich mir die pinke Paspel auch nicht verkneifen!

In den Unterkragen hatte ich vorher schon die Öffnungen für die Paspelknopflöcher eingearbeitet. Eigentlich nicht schwierig, wenn man sich an Meikes Tutorial hält. Nur die Positionierung der Öffnungen hat mich etwas Zeit gekostet, denn die müssen ja genau an die Stellen, an denen im Oberkragen die Knopflöcher sind.
Dann waren also beide Mäntel fertig: der aus Oberstoff mit Oberkragen, und der Futtermantel mit Belegen und Unterkragen. Diese beiden Werkteile sollten dann miteinander verstürzt werden, natürlich bis auf eine Wendeöffnung, dann auf rechts gezogen- und voila, der Mantel ist fertig !
So stand es in der Anleitung, im Sewalong, ich konnte mir das zunächst nicht vorstellen. Trotzdem war mein Vertrauen in die Anleitung von Heather so groß, daß ich die nächsten Schritte im Sewalong einfach blindlings nachgearbeitet habe.
Ich kannte ja auch schon andere Beschreibungen, bei denen gefütterte Kleidungsstücke insgesamt verstürzt und gewendet wurden. Allen gemein ist immer, daß man die Anleitung erst mal nicht versteht und die Bilder völlig chaotisch wirken. Meine Fotos sind hier keine Ausnahme:

Verstürzt wurden also die Vorderkanten, die Kragenaußenkanten und der Saum, bis auf eine Öffnung zum Wenden und eine kleine Ecke unten am Beleg, bei dem die Bewegungsfalte des Futters war.
Besonder lustig war, daß auch die Ärmel zusammengenäht wurden:

Danach wurde gewendet. Und- tataa, hat funktioniert! Ein komplett gefütterter Mantel lag vor mir!
Die kleine Ecke unten am Beleg wurde dann mit der Hand festgenäht. Es folgten noch einige wenige Hand-Näharbeiten wie das Aufeinandernähen der Knopflöcher und das Annähen der Druckknöpfe. Dann war der Wintermantel fertig!

Er ist wunderschön geworden. Ich trage ihn seither fast jeden Tag, natürlich nicht wenn es regnet so wie heute, dafür ist er mir viel zu schade. Aber im nachhinein muß ich schon sagen, daß es sehr viel Arbeit war. Aber diese Arbeit hat sich gelohnt, so einen schönen Mantel hatte ich noch nie!
Mantel von links

Tragefotos naürlich erst nächste Woche, zum Finale des Wintermantel-Sewalongs auf dem Memademittwoch! Heute zeigt uns erst mal Karin, wie man professionell das Mantelfutter einnäht, und die Fortschritte der anderen Teilnehmer des Wintermantelsewalongs beim Memademittwoch sind hier zu finden!
Wintermantel von rechts


Mittwoch, 2. November 2016

Linden Sweatshirt

Eigentlich hatte ich mir überlegt, die Bilder , die ich heute zeige, in den Tiefen meiner Festplatte zu vergesssen und sie nicht zu zeigen- denn ich fand sie zu banal, den Schnitt und meine Ausführung zu einfach , um sie in diesem erlauchten Kreis der Memademittwoch-Damen zu zeigen. Andererseits- war es nicht die ursprüngliche Absicht dieser Aktion, zu zeigen, wie man im Alltag die selbstgenähten Kleidungsstücke trägt?

Und zu meinem Alltag gehören Sweatshirts, T-Shirts und Jeans. Natürlich nähe ich furchtbar gerne Kleider und Röcke, die ich zum Glück auch durchaus trage. Aber ich gebe zu , ich trage sie nicht so oft, wie ich Lust dazu habe, dann kommt immer der Gedanke: ach , heute ist eine Jeans doch einfach "praktischer", und dazu das praktische Shirt, dann paßt das schon...

Sicher sollte ich mir da viel mehr Beispiel an den kleinen Kindergartenmädchen nehmen, die morgens einfach beschliessen: heute bin ich Prinzessin, da paßt nur das geblümte Kleidchen, auch wenn heute Waldtag im Kindergarten ist und es draußen regnet.
Aber leider bin ich noch nicht so weit, deshalb heute Bilder vom Sweatshirt, immerhin auch geblümt!
Es ist ein Schnitt von Grainline Studio, das Linden  Sweatshirt.

Spätestens jetzt werden sich die letzten Leser von meiner Seite wegklicken, ich spüre schon die Gedanken... also wirklich, für so einen einfachen Schnitt hätte sie doch echt keinen extra Schnitt bestellen müssen, und dann auch noch einen englischsprachigen! und ja, liebe Leser , Ihr habt völlig recht. Man braucht für ein einfaches Sweatshirt keinen Indie-Schnitt. Natürlich gibt  es in der Ottobre oder Knip (Pardon, Fashion Style) ganz viele ähnliche Schnitte, und auch deutsche Schnittmustererstellerinnen haben sowas im Angebot.

Warum bestellt man einen Schnitt und gibt dafür auch noch extra Geld aus? Für mich hat das, natürlich neben der medialen Verführung, wenn ein Schnitt gut vermarktet wird, sehr viel mit Vertrauen zu tun. Wenn ich Vertrauen zu einer Schnittmuster-Designerin habe, ist mir dieser Schnitt sein Geld wert, denn ich weiß, daß ich dann beim Nähen Erfolgserlebnisse habe, wenig ändern muß und dadurch meine Zeit sinnvoll nutze. Das ist mir das Geld wert, und diesen Preis bezahle ich auch gerne für ein gutes und professionelles Produkt.

Und diese Qualität erlebe ich bei den Schnitten von Grainline Studio. Die Größenangaben und die Gradierung stimmt, soweit ich es beurteilen kann. Die Schnitte enthalten alle korrekte Bezeichnungen und Maßzeichen (eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber warum fehlen dann an so vielen Schnitten die Bezeichnug für vordere oder hintere Mitte?). Für das Linden Sweatshirt ist eine Nahtzugabe von 6mm vorgesehen- das freut den Overlock-Benutzer. Die Länge des Shirts finde ich optimal, der Ausschnitt recht groß-schön für die Optik, und wenn es zu kalt wird, paßt wunderbar ein Schal dazu.

Ich habe schon einige Fassungen von Linden genäht, alle werden gerne getragen. Für dieses Exemplar habe ich einen bedruckten Sweat gewählt, der wohl eigentlich als Sommersweat bezeichnet wird, nicht ganz passend zur Jahreszeit. Im englischsprachigen Raum heißt er "french terry", warum auch immer. Ich trage dieses Material auch in der kühleren Jahreszeit gerne. Es ist wärmer als normaler Jersey, aber nicht ganz so dick wie der typische Sweatshirtstoff, der mir in den geheizten Räumen  leicht zu warm wird.

Die einzige Schwierigkeit beim Nähen dieses Shirts war die Verabeitung der Bündchen, da ich keinen passenden Bündchenstoff hatte. Der verwendete gestreifte Stoff ist ebenfalls ein French Terry wie der Hauptstoff, zwar farblich passend, aber nur begrenzt dehnbar. Diese Ärmelbündchen habe ich mittlerweile schon ersetzt duch etwas engere Bündchen. Aber ansonsten akzeptiere ich die fehlende Dehnbarkeit der Bündchen einfach als Designmerkmal dieses Pullis, den ich seit seiner Fertigstellung ausgesprochen gern trage.
Was tragen denn die anderen Damen des Memademittwoch heute? Meike zeigt uns heute ein total schickes Kleid aus grauem Romanit mit dazu passendem Schal und Schuhen- das sieht auch sehr nach einem perfekten Alltagsoutfit aus!