Dienstag, 25. Oktober 2016

Clare macht Fortschritte


Heute ist das dritte virtuelle Treffen der Wintermantel- Näherinnen auf dem Memademittwoch-Blog. Es soll über Fortschritte berichtet und über Schulterpolster diskutiert werden.
Mit den Schulterpolstern halte ich es ganz einfach: ich habe keine eingenäht und gehe deshalb davon aus, daß ich keine brauche. Zur Erinnerung: ich nähe Clare, einen Schnitt von ClosetCaseFiles. Es ist ein Mantelschnitt mit Raglanärmeln, ich weiß grad auch gar nicht, ob man auch unter Raglanärmel Schulterpolster einsetzen kann? Aber wahrscheinlich könnte man es. Der Schnitt sieht es allerdings nicht vor, und da dieser Schnitt ansonsten so hervorragend durchdacht und beschrieben ist, habe ich mir diese Frage auch nicht ernsthaft gestellt.
Und ich bin mir sicher, daß der Mantel auch ohne Schulterpolster paßt, denn- er ist mittlerweile fertig, fix und fertig, gebügelt, getragen, sogar schon fotografiert. Ja, ich weiß , ich bin eine Streberin...aber es ergab sich einfach so schön, daß ich letzte Woche ein paar Tage frei hatte, zuhause war, keine größeren Pläne als zu Nähen mir vorgenommen hatte...also einfach ein Paradies, Ihr versteht.
Und so habe ich viele Stunden an der Nähmaschine, am Zuschneidetisch und am Bügelbrett verbracht. Manche mit Genuß, manche eher zähneknirschend, manchmal auch sehr mit dem Projekt hadernd, das durchaus nicht immer so lief, wie ich es mir vorstellte.
Die Vorbereitungen des Nähens hatte ich eindeutig unterschätzt.  Zunächst musste erstmal die richtige Größe gefunden und abgepaust bzw. ausgeschnitten werden. Ich hatte zunächst an eine Gr. 8 nach meinen Maßen gedacht, da ich aber dann die geringen Bequemlichkeitszugaben zum fertigen Teil sah (nur 10 cm im Brustumfang, das ist schon sehr wenig für einen Mantel), habe ich mich zur nächstgrößeren Größe entschieden. Eine gute Entscheidung, wie ich heute weiß, denn enger dürfte der Mantel wirklich nicht sein.
Über die Möglichkeit eines Probemodells habe ich großzügig hinweggesehen.
Dann musste ich erst mal auf den diversen Schnittmusterbögen durchschauen, was aus Oberstoff, was aus Einlage und was aus Futterstoff zugeschnitten werden sollte. Clare hat, wie alle ordentlichen Mantelschnitte, einen extra Futterschnitt. Zum Glück gibt es für Clare einen ausführlichen Sewalong auf der Homepage von ClosetCaseFiles, und den habe ich schön der Reihe nach abgearbeitet.
Ich habe also meinen Wollstoff mit viel Dampf vorbehandelt, um ein "preshrinking" zu errichen und dann alle Teile mit Gewebeeinlage verstärkt.
Beim Zuschneiden wollte ich mir dann extra viel Mühe geben. Ich habe einen karierten Stoff, und wollte natürlich die Karos perfekt anpassen. Hier hatte ich ein Tutorial von Colette Patterns durchgearbeitet, auch verstanden und war eigentlich willens, es anzuwenden. Deswegen hatte ich auch manche Schnittteile abgepaust, Nahtlinien eingezeichnet und die Stellen gekennzeichnet, wo die Karos auf jeden Fall "matchen" sollten.
Allerdings- es ging nicht. Ich hatte zuwenig Stoff, war es irgendwann auch leid und beschloss schließlich, daß es ausreichend wäre, wenn die Karos nur an einigen Stellen wie in der vorderen Mitte oder an der Ärmelnaht passen würden. Passend dazu fiel mir an diesem Tag die Modebeilage unserer Lokalzeitung in  die Hände, hier wurden hochpreisige karierte Jacken beworben (mit meinen Karos bin ich anscheinend voll im Trend dieses Jahr), aber da war von Karoanpassung aber so was von gar nichts zu sehen...
Irgendwann hatte ich also alles zugeschnitten, verstärkt, gekennzeichnet und setzte mit dann morgens fröhlich an die Maschine, um alle Teile schön zusammen zu tackern, so jedenfalls der Plan- weit gefehlt! Schon die erste Naht mußte ich wieder auftrennen, denn die Stofflagen mit den so mühsam ausgeschnittenen Karos verschoben sich heillos gegeneinander beim Nähen.
Nun habe ich ja seit ca 3 Monaten eine neue, luxuriöse Nähmaschine. Jetzt schien mir der richtige Zeitpunkt, die diversen Einstellungen zu testen. Ja klar, der Nähfußdruck mußte verstellt werden! An diesem Rädchen hatte ich noch nie gedreht. Erst mal die Anleitung zu Rate gezogen, die mir empfahl, für dicke Wollstoffe den Nähfußdruck zu erhöhen. Gemacht, Probestück genäht- wurde alles noch schlimmer, der obere Stoff wurde beim Nähen immer stärker nach unten gewalzt. Dann probehalber den Nähfußdruck mal ganz reduziert- das war viel besser, hier gelang es mir fast ganz, die Karos deckungsgleich zu nähen.
Das mit dem Nährfußdruck ist wohl wirklich eine komplizierte Geschichte, wie ich mir mittlerweile angelesen habe. Es gibt hierfür  keine einfache Formel, weil nicht nur die Stoffdicke und -art mit einfliessen, sondern wohl auch die Friktion , also die Fähigkeit, wie sich Stoffe unter Druck gegeneinander verschieben, Offensichtlich hilft hier am besten Ausprobieren.
Die beste Lösung bei meinem Problem ist aber natürlich der Obertransport-Fuß, den ich dann auch in meinem Zubehörkästchen fand. Der hat die Stoffe dann wirklich traumhaft stabil transportiert, so daß alles so blieb, wie ich es zugeschnitten und gesteckt hatte
Beim Einsetzen der Raglanärmel wurde in meinem Sewalong beschrieben, daß man die Nähte mit einem Band verstärken sollte, das mitgenäht wird. Ich dachte zuerst, daß man da ein normales Baumwollband nehmen könnte. Im Kurzwarengeschäft, in dem ich mein Nähzubehör eingekauft hatte, meinte die Verkäuferin allerdings , daß ein Baumwollband dafür doch viel zu starr wäre und man würde heutzutage sowas mit einem aufbügelbarenVlieselineband verstärken. Auf meine Nachfrage wurde dann aus einer hinteren Schublade doch noch ein Band hervorgezogen mit der Bemerkung, daß die Schneider früher das für die Herrenjackets verwendet hätten. Es handelte sich um ein Leinenband, ca 4 mm breit, das mir gleich gut gefiel. Ich habe es bei allen strapazierten Nähten, also Raglannähten und Kragenansatznähten, mit genäht und denke, es wird gut zur Stabilität des Mantels beitragen.
 Meine Version von Clare erhält Taschen in der Seitnennaht. Damit die Taschen auch schön an ihrem Platz bleiben, werden sie mit einer kurzen, dichten Reihe Zickzackstiche ("bar tack", kennen wir schon vom Jeans Sewalong von ClosetCaseFiles) an ihrem Platz gehalten.
 Und was wäre ein Mantel ohne Paspelknopflöcher? In diesem Fall wollte ich nur im breiten Kragen zwei Paspelknopflöcher mit Knöpfen haben, alle übrigen Knöpfe sollten Druckknöpfe sein, wie im Originalschnitt beschrieben.
Paspelknopflöcher sind nicht so schwer zu nähen, die Hauptschwierigkeiten sind, wie ich finde, eher in der Gestaltung des Beleges und der Anpassung der Öffnungen. Aber darüber, wie auch über das Mantelfutter
 und die damit zusammenhängenden Abenteuer berichte ich dann beim nächsten Treffen der Memademittwoch-Mantelnäherinnen. Ich kann nur schon im voraus berichten: es wird gut ausgehen!
Über die Fortschritte der anderen Mäntel, die im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs 2016 auf dem Memademittwochblog entstehen, wird hier berichtet.



Mittwoch, 19. Oktober 2016

Partyrock wintertauglich



 Der" Partyrock " von Meike alias Frau Crafteln ist einer der ersten Schnitte, die Meike in Zusammenarbeit mit dem Label stokx in Berlin herausgegeben hat. Der Name Partyrock bezieht sich auf das Originalmodell, das aus glänzendem roten Stoff wirklich party- und ausgehtauglich ist. Ob Lindy Stokes, die Designerin von stokx, geahnt hat, was Hobbyschneiderinnen aus ihrem schönen Schnitt machen? Bei mir wurde er zum Winter- und Wanderrock, und hat auch hier mit Bravour bestanden.



Das Schnittmuster dieses Rockes ist absolut genial. Es handelt sich um einen 6-Bahnenrock, wobei jede Bahn in zwei schräge Falten eingelegt ist. Dadurch entsteht eine wunderbare Saumweite und ein schöner Fall des Rockes.Die Passe ist eng und figurbetont geschnitten, jede Rockbahn bringt ihre eigene angeschnittene Passe mit. Geöffnet wird der Rock mit einem nahtverdeckten Reißverschluß in der linken Seitennaht, gesäumt mit Saumband.
Ich fand diesen Rockschnitt sofort interessant, als er erschienen war, und hatte auch gleich einen Stoff aus meinem Vorrat dafür ausgewählt. Es handelt sich um einen japanischen Baumwollstoff, dunkelblau mit weißen Rechtecklinien, auf den schwarze Kornähren aufgedruckt sind. Der Stoff ist zwar dünn, hat aber durchaus Stand, so daß er mir für diesen Schnitt sehr geeignet schien.
Leider ist es so eine Sache mit Nähplänen und deren Verwirklichung, da liegen manchmal einige Wochen dazwischen, und in diesem Fall auch der Jahreszeitenwechsel zum Herbst. Beim Zuschneiden wurde mir klar, daß ich diesen Rock sicher nicht mehr ohne Strumpfhose anziehen würde. Den Rock jetzt nähen und bis zum nächsten Frühjahr liegen lassen kam natürlich auch überhaupt  nicht in Frage. Also musste ein Futter her, damit der Rock strumpfhosentauglich würde.

Nun ist es ja eigentlich überhaupt nicht schwierig, einen Rock zu füttern. In diesem speziellen Fall hat es mir schon etwas Kopfzerbrechen bereitet, da ich nicht wußte, wie ich die eingelegten Falten im Futter behandeln sollte. Ich habe mir dann einfach ein trapezförmiges Futterteil konstruiert, die obere Weite entsprechend der Belegweite, die untere etwas geringer als die Saumweite. Dieses Teil habe ich 6x zugeschnitten und an den Beleg angenäht. Das hat gut funktioniert und behindert den schönen Fall des Rockes nicht.

Die Anleitung für den Rock ist ausführlich und gut verständlich. Zur Zeit gibt es auch einen Sewalong, bei dem Meike noch  genauer auf einzelne Schritte eingeht. Hätte ich ihre Beiträge früher gelesen, hätte ich wahrscheinlich von vornherein eine andere Größe gewählt, denn die Größe soll nach dem Hüftumfang gewählt werden. Ich bin , wie bei den meisten Röcken, vom Taillenumfang ausgegangen und habe dann an Seiten- und hinteren Teilungsnähten jeweils einige mm in der Hüflinie reduziert, sozusagen ein flat-seat-adjustment durchgeführt.
Durch das Saumband bekommt der Saum nochmals etwas mehr Stand, die Drehprobe hat er auch bestanden.
Ich habe beim Nähen die Anleitung erst mal befolgt, so wie ich es eigentlich immer mache bei mir unbekannten Schnittherstellern. Manches fand ich hier ungewöhnlich, so z.B. die Markierungen, die man für die Falten wirklich unbedingt braucht, auf der rechten Seite des Stoffes. Mein Stoff war nun wirklich denkbar unempfindlich, aber bei einem anderen Stoff würde ich wahrscheinlich lieber die Markierungen auf der linken Seite haben. Dann müßte man aber auch das Schnitt-Teil seitenverkehrt auflegen, oder die Falten drehen auf die andere Seite. Gibt es hierfür eigentlich auch Vorschriften, näht man dann einen Herrenrock???
Die Nahtzugaben werden nach der Anleitung zusammen versäubert, was ich absolut genial finde. Aber was soll mit der Nahtzugabe neben dem Reißverschluß passieren? Die muß man doch vorher versäubern, wenn man nicht gerade wie ich ein Futter einnäht. Hier hätte ich mir einen deutlicheren Hinweis in der Anleitung gewünscht. Sicher wird das aber noch ausführlich im Sewalong bei Frau Crafteln behandelt
Der Rock macht eine schöne Silhouette. Ich trage hier das Shirt Plantain von Deer and Doe dazu.
Durch die Weite des Saumes kann man sich perfekt im Rock bewegen, und so wurde er hier kurzerhand zum Wanderrrock umfunktioniert.
Die Bilder sind natürlich nicht in Hessen entstanden, so kalt war das Wetter hier dann doch nicht, sondern im Kleinwalsertal, in dem wir letzte Woche herrliche Urlaubstage verbracht haben.

Ich werde diesen Rock sicher noch oft tragen, dann auch mit passenderen Schuhen....
Was zeigen denn die anderen Frauen am  MemadeMittwoch?
Lucy begrüßt uns heute in einer traumhaften Strickjacke, die sieht so richtig kuschlig aus und ist bestimmt wintertauglich.




Sonntag, 9. Oktober 2016

ich nähe Clare!

Mit der Entscheidung für einen Wintermantel- Schnitt hatte ich mir wirklich schwergetan. Es gab aber auch zu schöne Möglichkeiten. Der Pepernoot von Waffle Pattern hatte es mir sehr angetan, aber fast schöner fand ich dann den neuen Schnitt von Waffle Patterns, der aber noch nicht erschienen ist. Mittlerweile gab es auch noch eine neue Knip mit einem recht interessanten Wintermantelschnitt, in den alten Ottobres war viel zu entdecken, und dann brachte letzte Woche Heather von Closet Case Files noch einen neuen Anorak-Schnitt- ach, man könnte so viel nähen, es gibt einfach tolle Schnitte.
Die Entscheidung fiel letztendlich aber ganz einfach und klar, als ich diesen Stoff in den Händen hielt.
Ich kaufe sonst ja gerne online meine Stoffe und mache damit gute Erfahrungen. Aber so einen Wollstoff für einen Mantel auszusuchen ist ja eine ganz anderen Sache. Hier muß man wirklich fühlen, wie dick der Stoff ist, wie er fällt, wie weich er ist. Deshalb habe ich einen meiner Lieblings-Stoffläden aufgesucht, den Laden "Hereinspaziert" in Heppenheim .
Heppenheim ist ein absolutes Provinznest (sorry, liebe Heppenheimer!) an der hessischen Bergstraße. Die Innenstadt zeichnet sich durch Filialen der üblichen Verdächtigen aus, viele Läden stehen leer...und dann gibt es eben diesen Stoffladen. Schon die Größe fällt auf (ca 400 m²), und dann diese Auswahl: schön farblich geordnet, unzählige Ballen der schönsten Stoffe, man fühlt sich wie im Paradies.
Aus naheliegenden Gründen vermeide ich, diesen Laden zu oft aufzusuchen, aber jetzt hatte ich ja einen Grund, sozusagen einen Kauf-Auftrag. Daß dann relativ rasch auch noch ein geblümter Kleiderstoff in meinem Korb landete, dafür konnte ich ja wirklich nichts.
Die Mantelstoffe lagerten in einem extra Raum, in den ich von der freundlichen Inhaberin geführt wurde. Schöne Wollstoffe, alle möglichen Farben, gefiel mir sehr gut. Aber dann ertastete ich beim Streicheln der Stoffballen ganz unten im Stapel ganz eindeutig etwas anderes- Kaschmir hat so einen typischen Griff, den erkennt man sofort. Und dies ist 100% Kaschmir, ein Traumstoff. Und der Preis- ja, schon, aber für diese Qualität angemessen, denke ich.
Und mit der Entscheidung für diesen Stoff war auch der Schnitt sofort klar: aus diesem edlen Stöffchen kann nur eine Clare von ClosetCaseFiles werden. Passendes Futter fand sich praktischerweise auch im Geschäft:
Das war ja nun alles sehr schön, alles in dezenten Grautönen- hier fehlt doch noch der Pep!
Und den fand ich in Frankfurt bei Wächtershäuser. Das ist ein Geschäft, das Nähzubehör  verkauft. Ein absolutes Traditionsgeschäft, das angeblich seit 1822 existiert und damals wohl vor allem die lokalen Schneider beliefert hat. Hier gab es diese zauberhafte pinkfarbene Paspel , die ich zwischen Futter und Hauptstoff platzieren möchte.
Natürlich gab es auch Knöpfe in Frankfurt, und Gewebeeinlage, und große Druckknöpfe. Das Geschäft ist nicht groß, aber wenn man die Verkäuferin nach irgendetwas fragt, wird zielsicher ein Holzlade aufgezogen und das gewünschte herausgezogen. Wie schön , daß es so etwas noch gibt, und das in bester Innenstadtlage in Frankfurt!
Ich möchte die Version B von Clare nähen, das ist die Version, die hüftlang ist, Taschen in der Seitennaht und einen hohen Kragen. Als Verschluss schlägt Heather Druckknöpfe vor, ich möchte aber im Kragen zwei richtige Knöpfe mit Paspelknopflöchern haben, inspiriert von diesem Bild.
Und wenn ich mich nicht schon längst für Clare entschieden hätte, wäre es spätestens nach dieser Fassung von Clare um mich geschehen gewesen...es ist einfach ein wunderschöner Schnitt, und ich freue mich sehr darauf, ihn zu nähen!
Aber zunächst geht es erstmal ans Zuschneiden, oder besser gesagt an die Arbeiten davor.
In dem wie immer sehr ausfühlrichen Sewalong von Closetcasefiles ist genau beschrieben, wie der Wollstoff vorbereitet werden soll. Zunächst soll ein "preshrinking" durchgeführt werden (auf deutsch "vorschrumpfen"?).
Hierbei soll der Stoff mit größeren Mengen Dampf Kontakt haben, um ein Einlaufen später beim Nähen zu verhindern , wenn man Nähte oder Abnäher dämpft.
Heather von Closetcasefiles wirft ihren Wollstoff einfach in den Trockner, zusammen mit feuchten Handtüchern...hmm, abgesehen davon, daß ich keinen Trockner habe, würde ich wohl auch nicht meinen schönen Stoff dahineingeben. Es geht aber wohl auch mit Dampfbügeleisen, oder mit einem feuchten Tuch abbügeln. Sehr interessant fand ich hier den Artikel von Sewaholic, vor allem in den Kommentaren wird dieses Thema ausgiebig behandelt .
Und dann muß die Einlage aufgebügelt werden. Mein Stoff ist auch sehr weich und hat zuwenig Stand für die schöne A-Form von Clare. Auch hier gibt es wohl Wege, sich die Bügelarbeit zu erleichtern.
Man könnte die Einlage auf den gesamten Stoff aufbügeln ("blog-fusing") und dann die Teile ausschneiden.Damit man dabei nicht ganz so viele Stunden am Bügelbrett verbringt, wird hier eine Methode beschrieben, bei der man zunächst nur einzelne Punkte des Wollstoffs mit der Einlage verbindet, dann zuschneidet und dann das endgültige Aufbügeln durchführt.
Egal wie man es macht, es liegt noch einiges an Arbeit vor mir.

Zunächst freue ich mich darauf, heute zu lesen, wie sich die anderen Mitstreiterinnen des Wintermantel-Sewalongs auf dem MeMadeMittwoch entschieden haben. Schön, daß Karin auch Clare näht, und dann aus so einem traumhaften roten Wollstoff!




Mittwoch, 5. Oktober 2016

Knip-Jerseykleid

Die holländische Nähzeitschrift Knip resp. ihre deutsche Übersetzung Fashion Style (eine selten phantasielose Bezeichnung für so eine schöne Zeitschrift!) erscheint monatlich und enthält regelmäßig mindestens zwei bis drei Schnitte für Jerseykleider. Oft wirken diese Schnitte auf mich etwas angestrengt- hier eine Raffung, dort eine Verknotung, nur um das ganze als neuen Schnitt zu bezeichnen... aber es ist ja sicher auch nicht einfach für die Schnitt- Designerinnen , immer auf Knopfdruck neue gute Ideen zu produzieren. Ich denke auch, daß die Variationsmöglichkeiten beim Jerseykleid durchaus begrenzt sind.
Aber es gibt immer wieder auch Jerseykleidschnitte in der Knip, die dann einfach unglaublich gut und kleidsam sind. Ein solcher Schnitt ist für mich das Kleid 13 aus der  Fashion Style 8/2015.
Die Bilder im Heft sind allerdings nicht sehr aufschlußreich. Mit ist der Schnitt nur durch die technische Zeichnung aufgefallen.

Es handelt sich um ein Wickelkleid, oder eher um ein Pseudo-Wickelkleid, denn die beiden Vorderteile werden aneinander festgenäht. Das obere Vorderteil ist in der Taillengegend in sieben (da mußte ich grade noch mal nachzählen) lockere Falten gelegt, die auf einer halbkreisförmigen Passe festgenäht werden.
Die Falten sind so geschickt positioniert, daß sie da liegen, wo der weibliche Körper auch zu Falten (vulgo: Speckröllchen ) neigt. Dadurch kann das Kleid figurbetont sein, ohne allzuviel bloß zu stellen.

Da die Vorderteile gedoppelt sind, wird der vordere Halsausschnitt mit dem hinteren Vorderteil verstürzt , das ergibt einen schönen Abschluß . Der hintere Halsausschnitt ist mit einem Beleg versäubert und hat einen kleinen Schlitz.
Ob es wirklich  so geschickt ist, einen Jerseyausschnitt mit Beleg zu verarbeiten, kann man sicher diskutieren. Die Knip macht das gerne, nach meinem Eindruck. Ich finde, es wird dem Material des Jerseys eigentlich nicht gerecht. Aber es geht natürlich. Ich habe Vlieseline G785 genommen (das ist die ganz dünne dehnbare) und dann aber auch noch den Beleg am Rand  mit der Cover abgesteppt. So liegt er schön an seinem Platz.
Säume und sichtbare Nähte habe ich wieder mit dem Kettstich der Cover abgesteppt. Das ist mittlerweile mein Lieblingsstich auf meiner Covermaschine. Ich verwende für den Untergreifer Bauschgarn, möglichst farblich passend, das ergibt dann schön plastische Nähte, die ich aber nicht so aufdringlich finde wie die zwei- oder dreifädigen Covernähte.
Wie alle Wickelkleider hat auch dieses Kleid das Problem, daß es vorne aufklafft, wenn man sich bewegt oder ein Windhauch kommt. Da ich das Kleid aufgrund der herbstlichen Temperaturen jetzt mit Leggins trage, stört mich das nicht weiter. Leider ist der Jersey (von hier) nicht durchgefärbt, man sieht leicht die weiße Rückseite. Warum gibt es eigentlich so wenig durchgefärbte Jerseystoffe?

Ansonsten ist das Kleid natürlich bequem, wie alle Jerseykleider, und absolut freizeittauglich. Wenn ich auf diesem Bild etwas erschöpft wirke, liegt es sicher nicht am Kleid, sondern eher an der 15 km Wanderung, die gerade hinter mir lag :-)
 Genäht war das Kleid übrigens problemlos und jerseytypisch schnell. Ich gebe auch gerne zu , daß ich mir die Arbeit erleichtert hatte und den Schnitt als Fertigschnitt bei Knip bestellt hatte. Natürlich hätte ich auch abpausen können, ich habe ja das Heft. Aber das ist ein Schnitt mit vielen großen Teilen, die erst noch zusammengesetzt werden müssen und verschiedenen Vorderteilen. Da war ich zum Abpausen einfach zu faul...oder ich könnte auch etwas positiver formuliert sagen, mir war die Zeit dafür zu schade.
Schnitt bestellen bei Knip in Holland ist problemlos. Man bekommt relativ rasch einen Mehrgrößenschnitt auf festem Papier mit der Post zugesandt. Und da man Jersey ja auch nicht so extensiv anpassen muß, kann man seine Größe einfach ausschneiden. Ich habe diesen Schnitt in Gr. 38 genäht und nichts geändert.
Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, werde ich vermutlich das untere Vorderteil am Saum grade schneiden,  damit beim Aufklappen des oberen Vorderteiles keine unliebsamen Einblicke entstehen. Auch würde ich den Schlitz im Nacken weglassen und den rückwärtigen Halsausschnitt mit einem Bündchen versäubern. Aber diesen seitlichen halbkreisförmigen Einsatz finde ich sehr gelungen , den würde ich gerne noch mal nähen. Vielleicht aus einem Streifenstoff, dann würden die Falten und der Einsatz vielleicht noch mehr Witz bekommen.
Aber bevor ich jetzt neue Nähpläne schmiede, schaue ich doch lieber erst mal, was die anderen Teilnehmerinnen des Memademittwoch heute zeigen! Sicher haben alle das herrliche Herbstwetter am langen Wochenende für tolle Blog-Photos genutzt!