Sonntag, 25. September 2016

schwierige Entscheidung




Als der Wintermantel-Sewalong auf dem MMM angekündigt wurde , habe ich mich sehr gefreut. Natürlich wollte ich daran teilnehmen. Die Sewalongs waren ja das , was mich dazu getrieben  hat , einen Blog anzulegen, und nun sollte also mein erster Sewalong als aktive Bloggerin starten. Und einen Wintermantel brauche ich wirklich. Letzten Winter habe ich sehr viel Funktionsjacken getragen (praktisch, fahrradtauglich, gekauft), gelentlich auch ältere Winterjacken (gekauft, nicht ganz so praktisch und fahrradtauglich) und natürlich auch meinen vor 2 Jahren genähten Wintermantel. Dies war ein kurzer Mantel mit Schalkragen nach einem Schnitt der Firma Zwischenmass. Eigentlich ein sehr schöner Schnitt, mittlerweile glaube ich gar nicht mehr erhältlich, völlig korrekt mit extra Schnittmuster für das Futter. Leider war die Anleitung absolut rudimentär, um nicht zu sagen fast gar nicht vorhanden. Irgendwie habe ich das Teil zusammengetackert, mit viel mehr Glück als Nähverstand. Der Mantel ist sogar sehr schick geworden, wird auch immer sehr bewundert. Leider ist er beim Tragen völlig unpraktisch. Er hat einen Schalkragen und einen sehr, sehr großen Ausschnitt, auch der größte Schal kann diesen Ausschnitt nicht verdecken. Richtig wintertauglich oder gar fahrradtauglich ist dieser Mantel nicht.
Also waren die Vorgaben klar: ein Mantel, bis oben zu schließen, etwas hüftlang und eher sportlich vom Charakter.
Auf dieses Muster paßt genau der Mantel Pepernoot von Wafflepatterns. Es gibt wunderschöne Beispiele im Netz, und auch in der MMM-Community ist er oft und gern genäht worden. Wenn ich Probleme mit dem Schnitt hätte, würde ich sicher auf kompetente Hilfe hoffen können.
Aber auch der Mantel Clare von Closet Case Files würde meine Erwartungen erfüllen. Diesen Schnitt fand ich schon total schön, als er erschienen war. Es gibt mittlerweile einen ausführlichen Sewalong bei Closet Case Files. Sicher wäre das Nähen dieses Mantels damit völlig unproblematisch und eine sichere Option.
 Clare Coat Pattern //  Closet Case Files
Allerdings würde ich dann kleinere Änderungen einfügen: mir gefallen bei Clare die Länge und die Pattentaschen der VersionA, würde aber dann den mittigen Verschluß der Version B dazu nehmen. Und ob ich wirklich Druckknöpfe für einen Wintermantel will, das müßte ich mir auch noch überlegen. Oder einfach zwei Paspelknopflöcher im Kragen, und der Rest Druckknöpfe? Da ist noch Gestaltungsspielraum.
Soweit waren meine Gedanken bis gestern, als ich mich etwas ernsthafter an die Vorbereitung dieses Post machte. Ich dachte, ich müßte mich einfach zwischen den beiden Schnittmustern entscheiden , die beide schön sind, also eigentlich eine sichere Bank.
Und was mußte ich sehen? Den idealen Wintermantel!

Auf dem Blog von Waffle patterns zeigt die Designerin ihren neuen Wintermantel. Das ist so ein schöner Schnitt, genau das Modell, zu dem ich bei jedem Kaufmantel immer gegriffen habe... sehr schlicht,  kleiner Reverskragen, verdeckte Knopfleiste- ach, schaut ihn Euch einfach an auf dem Blog von Waffle Patterns. Ich gebe zu, daß er nicht ganz in mein vorgegebenes Raster paßt (er ist nicht ganz bis oben zu schließen, und wirklich sportlich ist er auch nicht...), aber er gefällt mir einfach unglaublich gut.
Der einzige Haken: der Schnitt ist noch nicht erschienen. Er würde " bald" erscheinen, was heißt das denn bei Waffle Pattern? Eine Woche, einen Monat, oder erst im nächsten Frühjahr?
Vielleicht sollte ich erstmal einen der beiden ersten Schnitte nähen, und dann vielleicht im Frühjahr den neuen Schnitt? Oder gleich zwei Wintermäntel planen?
Ich bin unentschieden,und schaue mir lieber erst mal die Pläne der anderen Sewalong-Teilnehmerinnen an!

Mittwoch, 21. September 2016

Colette Rue

Ich zeige heute einen neuen Schnitt von Colette, das Kleid Rue. Die Präsentation von neuen Schnitten verläuft bei Colette ja immer absolut professionell.. Schon viele Tage vorher werden im Blog und auf  Instagram erste Einblicke auf das neue Modell gestreut, natürlich immer nur häppchenweise, so daß die Neugier steigt. Dieser neue Schnitt wurde auch als die "Rückkehr zu Vintage-Modellen " eingeführt. Wenn der Schnitt dann erscheint, gibt es gleich ein stimmungsvolles Video, das die Modelle  vorführt...hier müssen etliche sehr gute Profis am Werk sein. Egal wie, Werbung ist erlaubt, und ich fand diesen neuen Schnitt gleich sehr schön und interessant, so daß ich ihn fast unmittelbar genäht habe.
Rue ist also ein Kleid im Vintage-Stil. Vintage ist in diesem Fall wohl die Form des Oberteiles mit den geschwungenen Nähte. 50-er Jahre? Oder 40-er Jahre? Das mögen die Vintage-Spezialistinnen entscheiden!

Die Nähte im Vorderteil sollen  mit Paspeln betont werden. Das mittlere Vorderteil hat seitlich je zwei kleine Falten. Es gibt zwei Rockvarianten, von denen ich die schmale Form gewählt habe , die im Vorderteil zwei leicht eingekrauste Partien hat. Es gibt aber auch einen weiten Rock mit Falten. Im Schnitt sind zwei Ärmellängen enthalten, kurz und etwas 3/4 lang. Das Kleid ist gefütter und wird hinten mit einem nahtverdeckten Reißverschluß geschlossen.
Bei der Stoffauswahl wird ein mittelfester Stoff empfohlen, unter anderem werden auch Patchworkstoffe als geeignet angesehen. Nun gibt es ja so wunderschöne Patchworkstoffe, die ich als Nicht-Patchworkerin bisher nur andächtig bestaunt habe. Aber jetzt hatte ich also die Legitimierung, einen Stoff aus der Art Gallery Serie Athena "LaureateDeep" zu bestellen. Den habe ich schon eine Weile angeschmachtet, und der sollte jetzt bei mir zum Kleid Rue werden. Passendes Futter und sogar eine Paspel hatte der lokale Stoffdealer, und so konnte ich gleich loslegen.

Den Schnitt hatte ich als pdf bestellt und wie immer plotten lassen. Bei diesem Schnitt ist das schon viel Papier, das ich dann geschickt bekam, nämlich 5 DinA0 Bögen. Natürlich beanspruchen die beiden Rockformen viel Fläche, aber musste man wirklich  für jedes Futterteil einen extra Schnitt ausdrucken? Die Futterteile unterscheiden sich von den eigentlichen Schnittteilen nur durch eine etwas geringere Nahtzugabe ringsum, so wie ich es ausgemessen habe. Im Colette-Sewalong, der ja mittlerweile auch begonnen hat, wird sogar nur von einer geringeren Nahtzugabe am Halsausschnitt gesprochen. -Also, diese Schnittteile kann man sich sparen abzupausen.
Ich hatte versucht, den Schnitt mit meinem Grundschnitt abzugleichen, bin dabei aber nicht sehr weitgekommen. Ich hatte schon verstanden, daß der Abnäher im Vorderteil in der seitlichen Passe versteckt ist. Aber die Fältchen im Oberteil, sollten die über dem Brustpunkt liegen, oder ganz woanders? Nach den ersten Kommentaren auf Instagram war mir zumindest klar, daß die Paspelnaht im Oberteil eben nicht wie eine Prinzessnaht genau über den Brustpunkt laufen soll, sondern etwas darunter.
Der Armausschnitt erschien mir zu hoch, den habe ich etwa 2cm nach unten gelegt und damit auch die Zwischnnaht nach unten geschoben.So verläuft sie bei mir knapp unterhalb des Brustpunktes , könnte aber noch weiter nach unten gesetzt werden.
Die Falten im mittleren Teil sind zwar ein schönes Detail, fielen aber bei mir in dem doch etwas steifen Stoff irgenwie eigenartig. Da auch der Ausschnitt vorne etwas abstand, habe ich am Ausschnitt kurzerhand zwei kleine offene Abnäher eingefügt, die in der Richtung der Falten liegen. Mir ist das nicht ganz symmetrisch gelungen, aber mit dem Ergebnis bin ich zumindest zufriedener als mit dem klaffenden Ausschnitt.

Das Nähen war ansonsten völlig unproblematisch. Wie immer bei Colette, ist die Beschreibung gut und ausführlich. Ich habe neue Techniken gelernt: eine Paspel hatte ich bisher noch nicht eingenäht. Dabei ist das gar nicht so schwierig, zumal ich den Ratschlag von Fröbelina gelesen hatte und dafür den Fuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse verwendet hatte. Ich hatte erst Bedenken, ob das geht, da ja die Paspel doch dicker ist als die Raupe des Reißverschlusses, aber das Füßchen lief problemlos auf der Paspel.
zum Glück hatte ich kompetente Hilfe beim Nähen

Das Kleid ist komplett gefüttert. Viel mehr Arbeit ist das eigentlich nicht, man näht einfach den Schnitt nochmal aus Futterstoff und spart sich dadurch das Versäubern der Nähte. So steht es jedenfalls in der Anleitung- ob das wirklich korrekt ist? Überstehen denn die unversäuberten Nähte die Waschmaschine? man wird sehen!
Die Ärmel sind mit dem Oberstoff gedoppelt. Lustig ist das Verstürzen des Futters vom Oberteil mit den Ärmeln. Das geht wirklich mit der Nähmaschine, wenn man beherzt zwischen Futter und Oberstoff greift, sich die entsprechenden Nahzugaben schnappt und in zwei Etappen jeweils von der Achsel zur Schulter näht.
Und so ein gefüttertes Kleid fühlt sich beim Anziehen schon toll an!
Am Rückenausschnitt blitzt das weiße Futter immer leicht hervor, stört mich nicht wirklich, da ich mich selten von hinten sehe. Ich glaube , das liegt daran, daß der hintere Halsausschnitt auch nicht ganz optimal anliegt.
Im Herst braucht man für ein kurzärmliges Kleid natürlich auch ein passendes Jäckchen, und ich habe mich sehr gefreut, daß mein Wickeljäckchen farblich gut dazu passt:

Insgesamt bin ich mit dem Schnitt recht zufrieden. Ich habe beim Nähen viel gelernt, und das ist ja auch schon etwas wert. Ob ich das Kleid oft und gerne tragen werden, weiß ich noch nicht. Es ist schon sehr Vintage-mäßig und entspricht nicht so meinem sonstigen Kleidungsstil. Aber wer weiß, ein Stil kann sich ändern, und vielleicht wird dieses Kleid ein Auftakt zu weiteren Vintage-Kleidern?
Jetzt freue ich mich erstmal auf die Parade der anderen gut gekleideten Frauen am memademittwoch,
die von Dodo in einem traumhaften Blumenrock angeführt wird.




Mittwoch, 14. September 2016

Bluse à la Hawthorn

Der Schnitt Hawthorn von Colette ist ein absoluter Klassiker in der Nähszene. 2013  erschienen, ist er auf unzähligen Blogs und Internetbildern zu sehen. Der Schnitt scheint auch jeder Frau hervorragend zu stehen, egal welchen Alters oder Figur. Hawthorn ist ein Hemblusenkleid, mit einem eng anliegenden Oberteil und einem weiten Rock. Der Kragen sitzt auf einem weiten v-förmigen Ausschnitt und  ist flach anliegend, eben ein typischer Colette-Kragen.
Ich hatte Hawthorn bisher zweimal genäht, einmal als Kleid und einmal als Bluse, dann mit einem "Peblum" (deutsche Bezeichung: Schößchen??? ) anstatt Rock. Mit beiden Fassungen war ich nicht zufrieden. Ich hatte zwar vorher ordentlich ein Nesselmodell genäht und angepaßt, aber irgendwie waren meine Änderungen doch nicht richtig...beide Kleidungsstücke sind zwar tragbar, aber so richtig glücklich war ich nicht damit.
Aber nun hatte ich ja einen selbst konstruierten Oberkörper-Grundschnitt, über dessen Entstehung ich hier berichtet habe. Den habe ich genutzt, um eine besser passende Version von Hawthorne hinzubekommen.
In diesem Fall bin ich so vorgegangen, daß ich meinen Grundschnitt genommen habe und ihn mit den Designelementen von Hawthorn versehen habe. Ich habe also die Knopfleiste an die vordere Mitte angefügt, den Ausschnitt entsprechend übernommen und dann den Kragen gezeichnet. Dazu habe ich einfach die Ausschnittlinie abgepaust und daran den Kragen gezeichnet. Keine Ahnung, ob das so korrekt war, aber der Originalkragen schien mir auch so konstruiert. Das Peblum habe ich einfach an die Taillenweite angepaßt.
Genäht habe ich die Bluse aus einem Baumwollbatist von Atelier Brunette, der die schöne Bezeichnung "Bye Bye Birdie" trägt, also absolut passend für so ein Spätsommer-Blüschen. Ich hatte diesen Stoff seit letztem Herbst in meine Vorrat, ihn immer wieder mal gestreichelt, betrachtet und dekorativ auf dem Regal drapiert...das hat er leider gar nicht gut überstanden, denn er hat deutliche Spuren, wo ihn die Sonne ausgeblichen hat. An der fertigen Bluse sieht man es zum Glück kaum, und ich denke auch, einige Wasch- und Trockenvorgänge werden diese Farbdifferenzen wieder ausgleichen.
Beim Nähen habe ich mich an die Anleitung von Colette gehalten, die wie immer gut und genau ist. Für den, der dann immer noch Fragen hat, gibt es einen Sewalong auf dem Colette-Blog.
Insgesamt bin ich mit der Paßform recht zufrieden. Die Taille könnte nach meinem Gefühl noch etwas höher sitzen, so ist es jedenfalls beim Originalschnitt.
Das Vorderteil enthält auch im Originalschnitt nur einen Abnäher, und so habe ich hier den Brustabnäher in den Taillenabnäher gedreht. Leider hatte ich beim Nähen vergessen, daß der Abnäher nur bis ca 2 cm unterhalb des Brustpunktes genäht werden soll, ich glaube, die Position an sich ist richtig.
das Ausbügeln von Abnähern gehört noch nicht wirklich zu meinen größten Fertigkeiten...
Beim Annähen der Knöpfe habe ich zum erstenmal die Knopfannähfunktion meiner Nähmaschine getestet. Bisher hatte ich das ja als völlig überflüssigen Schnickschnack abgetan, nach dem Motto, Knöpfe annähen kann man doch wirklich mit der Hand, was soll die Technik da schon ausrichten...aber es ging wirklich schneller, und wurde auch viel gleichmäßiger als meine Handnähaktionen. Überraschend, daß der Abstand der Knopflöcher zu den vielen Dingen gehört, für die es offensichtlich irgendeine Norm gibt!
Mit dem Sitz der Ärmel bin ich erst mal zufrieden. Im Original sind sie etwas kürzer, paßt vielleich auch besser zum Design. Aber als ich das festgestellt hatte, hatte ich schon diese zierliche Manschette an den Ärmelsaum gebastelt und natürlich überhaupt keine Lust, das wieder zu ändern. Mittlerweile habe ich mich an die Ärmellänge gewöhnt.

Der Ärmel sitzt bequem, ich kann mich darin gut bewegen, einzig die Bewegung nach vorne oben ist etwas eingeschränkt, dann rutscht die ganze Bluse nach oben. Nun wird jeder normale Mensch sagen, daß frau doch selten die Arme nach vorne oben bewegt...leider ist mein zweites großes Hobby neben dem Nähen das Bratschespielen, und da bewege ich nun leider immer beide Arme nach vorne oben. Zum Bratsche spielen ist diese Bluse also nur bedingt geeignet. Ich werde noch etwas an der Ärmelpassform arbeiten und probieren, aber wahrscheinlich gibt es hierfür auch keine Lösung für wenig elastische Webstoffe. Nicht ohne Grund treten Profi-Geigerinnen (oder Bratschistinnen) in Konzerten üblicherweise in einem schulter- und ärmelfreien Outfit auf....

Insgesamt bin ich mit dieser Bluse aber sehr glücklich. Ich finde es immer schön,wenn ich einen Schnitt verstanden habe und vielleicht das umsetzen kann, was die Schnitt-Designerin beabsichtigt hat. Mit dieser Version bin ich damit einen Schritt weiter gekommen, wie ich denke.
Ich freue mich sehr, daß ich mit diesem Beitrag wieder am MemadeMittwoch teilnehmen kann!Monika führt uns heute ein wunderschönes Sommerkleid vor- und verabschiedet sich damit leider vom Team des MMM. Aber ich kann sie verstehen, wir haben doch alle nur begrenzt Zeit, und wenn das ganze dann so zur Belastung wird, wie sie es beschreibt, war es sicher die richtige Entscheidung. Ich freue mich jedenfalls sehr, ihren Blog weiterhin zu lesen.

Mittwoch, 7. September 2016

Hosenrock oder Culotte?

Hosenröcke habe ich in meiner kleidungstechnischen Biographie immer wieder mal getragen. Als eigentlich überzeugter Hosen- und vor allem Jeansträgerin gaben sie mir die Möglichkeit einer etwas feminineren Garderobe, ohne auf die Bequemlichkeit einer Hose zu verzichten.Und in dieser Reihe tauchten auch immer wieder mal sehr schicke Exemplare auf, meistens zu diversen Anlässen angeschafft. So habe ich immer noch einen schwarzen (gekauften) Hosenrock für Konzerte, auch bei meiner Promotionsfeier, hochfeierlich, trug ich ein Kostüm mit Hosenrock. Aber modern kam ich mir damit nie vor und war es sicher auch nicht.
Das Image des Hosenrockes hat sich allerdings im letzten Jahr geändert, seit der Hosenrock zur Culotte mutiert ist und nun in vielen aktuellen Modekollektionen zu finden ist. Genäht wird der Hosenrock auch sehr gerne. Es gibt wunderbare Schnitte, von denen ich nur beispielhaft Tania der australischen Schnittmuster-Designerin Megan Nielsen erwähnen möchte. Diesen Schnitt hätte ich mir sicher gekauft, wenn- ja, wenn ich nicht mittlerweile einen eigenen Schnitt für einen Hosenrock erstellt hätte.
Ich zeige hier nun also einen Hosenrock nach einem eigenen Schnitt, den ich im letzten Jahr auf einem Schnittkonstruktionskurs bei Peggy Morgenstern erstellt hatte. Über meinen diesjährigen Kurs bei Peggy habe ich hier berichtet.

Ein Hosenrock ist durchaus keine Mischung aus Hose und Rock, auch nicht eine abgeschnittene weite Hose, sondern schnitttechnisch ein Rock mit der Erweiterung durch ein Innenbeinteil. Man benötigt also zur Konstruktion einen Rock-Grundschnitt, der wird dann an der vorderen und hinteren Mitte aufgeschnitten und eben dieses Innenbeinteil angefügt. Für die Konstruktion gibt es Formeln und Anweisungen, die in den gängigen Schnittkonstruktionsbüchern beschrieben werden.
Ich konnte aber diesen Schnitt unter professioneller Anleitung erstellen, was sicher zu dem guten Sitz des Rockes entscheidend beigetragen hat.
Da ich gerne Taschen in der Seitennaht wollte, wanderte der Reißverschluss in die hintere Mitte. Vielleicht hätte man auch in einer Seitennaht sowohl Tasche als auch Reißverschluss unterbringen können? Für eine Anleitung dafür wäre ich sehr dankbar, denn das wäre sicher bequemer beim An- und Ausziehen (macht man ja bei einem Hosenrock aus naheliegenden Gründen mehrmals täglich).
Und wer sich bis jetzt gedacht hat "...diesen Stoff kenne ich doch irgendwoher...", der hat sicher recht. Es handelt sich um Halo blue von Atelier Brunette. Das ist ein relativ dicker Viscosestoff mit einem wunderbaren Fall, schön zu verarbeiten, also nichts mit flutschiger Viskose. Wo immer ich mich unter Nähkundigen in diesem Rock zeige, kommt unweigerlich die Frage "darf ich den Stoff mal anfassen?" Und anfassen lohnt sich bei diesem Stoff unbedingt, denn er ist ganz weich, dabei griffig- muß man einfach mal anfassen.
Zu dem Rock trage ich mein "Briar revised " Top, das sich als zuverlässiger Partner zu Röcken bewiesen hat. Und wenn es kühler wird, kommt natürlich wieder ein Deer and Doe Modell zum Einsatz, nämlich der Sweater Ondee...
Ich habe den Hosenrock letztes Jahr genäht, und seither gerne und viel getragen. Deswegen durfte er auch an die Ostsee mitreisen.

Man möge mir nachsehen, daß die Bilder natürlich nicht am heutigen Mittwoch entstanden sind, sondern an einem Mittwoch vor zwei Wochen, den  ich bei traumhaften Wetter an der Ostsee verbracht habe. Aber diese schönen Urlaubserinnerungen konnte ich einfach nicht für mich behalten.
Und nun bin ich sehr froh, daß der Memademittwoch seine Ferien beendet hat und ich wieder Mittwochs bloggen kann!

Sonntag, 4. September 2016

Schnittkonstruktion in der Lüneburger Heide

Einen Teil meines Urlaubes habe ich auf einem Schnittkonstruktionskurs in der Lüneburger Heide verbracht.
Wenn im Vorfeld meines Urlaubes die übliche Frage nach meinen Urlaubsplänen fiel, verlief der Dialog meistens so:
"Und, was machst Du in Deinem Urlaub?"
"Ich fahre in die Lüneburger Heide, auf einen Schnittkonstruktionskurs"
"?????"
"ja, Kleiderschnitte konstruieren, du weißt doch daß ich nähe..."
"ach, du fährst auf einen Nähkurs?"
"nein, einen Schnittkonstruktionskurs...."
"?????"
Die Tatsache, daß ich überhaupt meine Kleidung selbst nähe, stößt in meinem Umfeld meistens auf Unverständnis. Und dann auch noch die Schnitte selbst konstruieren- da bewegt man sich schon sehr außerhalb des mainstreams.
Aber ich finde Schnittkonstruktion total spannend. Es ist jetzt ja schon der zweite Kurs, den ich bei Peggy Morgenstern besuche. Letztes Jahr ging es um Rock- und Hosengrundschnitt, dieses Jahr um Oberkörpergrundschnitt für elastische Webstoffe.
Was ist denn eigentlich ein Grundschnitt? Vereinfacht gesagt, ist es ein Schnitt für ein uns genau passendes Kleidungsstück, das unseren Körper umhüllt wie ein Handschuh die Hand. Aber während ein Handschuh oft aus dehnbaren Materialien ist, geht es bei der Grundschnittkonstruktion doch überwiegend um Webstoffe, und damit beginnt das Dilemma. Denn die Anpassung erfordert Abnäher oder Einstellungen, um unseren dreidimensionalen Körper durch den zweidimensionalen  Stoff darzustellen. Der Grundschnitt ist also genau passend zu unseren Körpermassen, er enthält lediglich eine geringe Zugabe, damit wir den Schnitt überhaupt anziehen können (schließlich muß man ja auch während der Anprobe mal atmen...)
Der Grundschnitt ist noch kein Kleidungsschnitt, kann aber durch die Zugabe von Designelementen wie Kragen, Knopfleisten oder Erweiterungen eines Stoffteiles zu einem solchen werden. Letztendlich bestehen alle Schnitte, die wir irgendwo kaufen können, auf einem Grundschnitt. Egal wieviel Drapierungen oder Verknotungen in einem Blusenschnitt enthalten sind, er beruht auf einem Oberkörpergrundschnitt, da er auf den Schultern hängt.
In der deutschen Bloggerszene ist in letzter Zeit viel über Grundschnitte und deren Anwendung geschrieben worden. Da ich nicht alle  Blogs kenne und auch Google nur bedingt zur Recherche taugt, möchte ich hier beispielhaft  die Blogs von Immi Meier, Mema und Frau Crafteln zitieren, die sich alle sehr viel Gedanken über dieses Thema gemacht haben.
Wie kommt man denn nun zu einem Grundschnitt? Da gibt es verschiedene Wege. Wer einen gut passenden eng anliegenden Blusenschnitt oder Kleiderschnitt hat, hat vermutlich schon einen. Alle anderen können versuchen, einen der käuflichen Schnitte für einen "sloper" anzupassen, eine Schneiderin aufsuchen- oder einen Schnittkonstruktionskurs besuchen, in dessen Genuß ich bei Peggy kam.

Peggys Kurse laufen alle sehr strukturiert ab. Jeder Teilnehmer erhält eine Arbeitsmappe, in der die Arbeistsanweisungen abgeheftet werden. Für den Grundschnitt sowie für Ergänzungen (Kragen, Knopfleiste) gibt es sehr detaillierte Arbeistanweisungen. Zunächst wird der Schnitt im verkleinerten Maßstab 1:4 gemeinsam gezeichnet und von  Peggy erklärt. Dann wird der gleiche Schnitt, wieder im verkleinerten Maßstab und in einer Standardgröße, von jeder Teilnehmerin selbst gezeichnet.Am Anfang ist das so ein bißchen wie Malen nach Zahlen( "trage von P null die Achselhöhe nach unten ab..."). Aber spätestens , wenn das Geodreieck zu Einsatz kommt und Winkel abgetragen werden müssen, fiel zumindest mir es auf, daß mein Geometrieunterricht in der Schule schon 40 Jahre zurückliegt...
Und dann durfte jede ihren Grundschnitt , dann in der Originalgröße, selbst zeichnen. Vorher hatten wir uns gegenseitig vermessen, natürlich unter professioneller Anleitung. Manche Werte wurden direkt für den Schnitt verwendet, bei manchen spielte die Dehnbarkeit des gewünschten Materials eine Rolle oder die Bequemlichkeitszugabe für unser Kleidungsstück. Zum Glück kontrollierte unsere Lehrerin mit Engelsgeduld jeden unserer Rechenschritte und bewahrte uns so vor den größten Fehlern.
Dann wurde der Schnitt in einem Musterstoff zugeschnitten und genäht.
Jetzt würde ich ja gerne schreiben, daß damit die Arbeit erledigt war und wir nach einer kurzen Anprobe alle mit unserem Maßschnitt befriedigt nach Hause abgezogen sind-aber weit gefehlt, die Hauptarbeit begann jetzt erst noch. Die Muster wurden angezogen, und ja, mein Teil paßte halbwegs, aber durchaus nicht perfekt. Vieles mußte geändert werden, und hier merkte man dann auch den Vorteil, daß wir eine professionelle Leitung hatten. Ich hätte diese Änderungen nie alleine hinbekommen, mal ganz abgesehen davon, daß man gerade am Rücken natürlich kaum alleine selbst etwas abstecken kann.
Wir waren 4 Teilnehmerinnen, alle mit ganz verschiedenen Figuren, und so waren dann diese Anproben ein wunderbarer Querschnitt durch die ganze Vielfalt der Schnittanpassungen.
Nach so einem Kurstag schwirrte mir der Kopf von den vielen neuen Dingen, die ich gesehen und gelernt hatte. Es fiel schwer, wieder an etwas anderes zu denken. Beim Bummel durch die Straßen Lüneburgs achtete ich vorwiegend auf die Kleidung der Passanten, die ich sah- war hier die Schulterlinie nicht etwas zu steil geschnitten? Und hier, der Brustpunkt bei diesem Kleid, also dieser Brustpunkt saß doch eindeutig zu tief...
Zum Glück ist die Umgebung um Lüneburg so schön, daß ich bei ausgedehnten Spaziergängen mein Gehirn wieder etwas auslüften konnte.
Eingestreut in den Unterricht am Grundschnitt  waren immer wieder andere Bestandteile des Oberkörperschnittes, wie Kragen- oder Knopfleistenkonstruktion.  Und das wirklich schöne Thema der Abnäherverlegung- wie habe ich früher die Abnäher in Fertigschnitten bestaunt und fast wie ein Heiligtum behandelt. Dabei ist das Verlegen eines Abnähers total simpel und erfordert außer einer Schere kein anderes Handwerkszeug...
Unser Kurs war zwar kein Nähkurs, aber natürlich wurde auch genäht, nämlich unser Muster. Und auch da gab es von unserer Kursleiterin viele praktische Hinweise, insbesondere auch zum Bügeln. Das ist ja ein Thema, über das man ganz wenig liest. Vielleicht beherrschen auch alle anderen Hobbynäherinnne das richtige Bügeln z.B. von Abnähern- ich habe das alles erst in diesen Kursen gelernt.
Was kann man denn jetzt anfangen mit so einem Grundschnitt?
Theoretisch wäre es also möglich, alle meine Schnitte selbst zu konstruieren. Ich habe das durchaus mit meinem Hosen- und Rockschnitt so gemacht und war nur teilweise zufrieden. Die Paßform war immer super, aber es war schon sehr, sehr  viel Arbeit, einen kompletten Schnitt zu zeichnen, mit Ausstellungen, Taschen, Passen- was so mit dazu gehört, damit wir ein Teil auch tragbar und schick finden. Die Paßform alleine macht es ja nicht. Ich würde diesen Teil der Schnittkonstruktion eigentlich  lieber den Designerinnen überlassen, die daür eine Ausbildung und vor allem mehr Zeit und Erfahrung haben.
Aber der Grundschnitt ist natürlich auch hervorragend geeignet, einen Fertigschnitt auf unsere Maße anzupassen. Hier gibt es einen wunderbaren Artikel in der Thread, ein englischsprachiges Magazin übers Nähen ( ich finde die Thread überhaupt wunderbar, nachdem ich meinen ersten Schreck über eine Nähzeitung ohne Schnitte mal überwunden hatte). Vereinfacht geht es darum, den Fertig-Schnitt auf unseren Grundschnitt abzugleichen. Das macht man, in dem man die hintere oder vorder Mitte und die Schultern übereinander legt, die Seitennähte möglichst auch parallel kriegt und dann schaut, was an Differenzen bleibt, das ist dann das Design der Schnitterstellerin...
Was ich jetzt mit so dürren Worten im letzten Satz beschrieben habe, ist natürlich in der Realität ein höchst komplexer Vorgang, aber es macht unglaublich Spaß. Meine liebe Nichte Katharina hat dieses Vorgehen in ihrem Blog ausführlich beschrieben.
Der Artikel in der thread geht übrigens noch einen Schritt weiter: hier wird beschrieben, wie man seinen Grundschnitt durch Falten, Auseinanderziehen oder Teile abknicken so ändert, daß er dem prospektiven Grundschnitt des zu nähenden Modells entspricht. Die erforderlichen Änderungen am Grundschnitt werden dann direkt auf das Modell übertragen.
Daraus folgt ein spannender Gedanke: es wäre toll, von  jeder Schnittmusterfirma den Grundschnitt zu kennen, mit dem diese ihre Schnitte konstruiert. Dann könnte jede Näherin direkt ihren Grundschnitt mit dem der Firma vergleichen und hätte einen Großteil ihrer Änderungen auf einen Schlag schon geschafft. Wunschgedanke, oder vielleicht eine Marktlücke für eine der Indie-Schnittmustererstellerinnen?


Donnerstag, 1. September 2016

Robe Sureau von Dear and Doe


In das Kleid Sureau von Deer and Doe hatte ich mich schon sehr früh verliebt, nachdem ich mal die wunderbare Welt der Schnittmuster im Internet entdeckt hatte. Ich hatte dann für mich immer so gedacht: wenn ich mal richtig gut nähen kann, dann nähe ich mir dieses Kleid, wobei ich heute gar nicht mehr weiß, was ich mir unter "richtig gut nähen " damals vorgestellt hatte.
Das Kleid bietet nämlich nähtechnisch keine größeren Schwierigkeiten und ist folgerichtig auch als Anfänger-Schnitt von Deer and Doe gekennzeichnet. Die Knopfleiste vorne ist Fake, geschlossen wird das Kleid mit einem seitlichen nahtverdeckten Reißverschluss.
Bei der Kräuselung der Brustpartie habe ich die Technik angewendet, die ich mal auf dem Colette-Blog gelesen hatte. Dabei werden 3 parallele Nähte mit großer Stichlänge genäht statt der üblich 2, die Kräuselung soll dadurch gleichmäßiger werden. Auch der Rock ist in der Taille  eingekräuselt. Die Ärmel sind gerade und einfach gesäumt ohne besonderen Abschluß.
Über die Paßform des Kleides habe ich lange gegrübelt. Ich hatte damals ein Nesselmodell genäht, aus einem relativ festen Stoff, und war überrascht über die Weite im Rückenteil. Da ich aber auch nicht wußte, wie ich das ändern sollte, habe ich es kurzerhand für mich zum Designelement dieses Schnittes erkoren und beherzt meinen Originalstoff zugeschnitten.
Wenn ich mir heute andere Bilder dieses Kleides im Internet anschaue, stelle ich fest, daß überall sehr viele Falten im Rückenteil sind. Das ist wohl wirklich so gewollt bei diesem Schnitt. Allerdings finde ich heute, daß die Armausschnitte etwas zu hoch sind für mich, das sieht man auf dem nächsten Bild am seitlichen Faltenzug deutlich:

Hier würde ich sicher etwas nachbessern und den Armausschnitt vertiefen, wenn ich den Schnitt nochmals nähe. Auch den Ärmelabschluß könnte man sicher noch kunstvoller gestalten, mit einer Manschette oder einem Gummizug. Andererseits fällt dieser gerade Ärmel eigentlich genau richtig.
Ich habe das Kleid vor etwa einem Jahr genäht und es seither wirklich viel getragen (deshalb durfte es auch an die Ostsee mitreisen!). Es ist absolut alltagstauglich, aber irgenwie auch korrekt, so wie alle Kleider aus Webstoffen, finde ich. Im Jerseykleid fühle ich mich oft nicht so ganz angezogen- geht das eigentlich nur mir so?
Bei der Stoffwahl war ich sehr phantasielos. Mir gefiel das Modell von Deer and Doe so gut, und da ich keinen vergleichbaren Stoff bei den mir bekannten Stoff-Dealern gefunden hatte, habe ich einfach den Originalstoff  in Frankreich bestellt. Das sind ja doch die schönen Seiten der Globalisierung, daß eine französische Biostoff-Firma nur wenige Mausklicks entfernt ist...der Stoff ist herrlich, ein wunderbar weicher Chambray in Jeansoptik. Wenn ich meinen rudimentären Französichkenntnissen trauen kann, sind die Stoffe von   Les Trouvailles d Amandine  nach GOTS zertifiziert, und so verlinke ich diesen Beitrag auch  gerne mit Kerstins Biolink-Party ichnähbio.
Was zeigen denn die anderen Frauen bei RUMS heute, auch noch Urlaubskleider wie ich, oder ist allgemein schon die Herbstmode fertig?