Donnerstag, 22. Dezember 2016

endlich fertig! WKSA 2016 Finale

Mein Weihnachtskleid ist fertig.
Seit gestern abend, 22 Uhr.
Also genau eine Punktlandung, oder? Denn unser Motto heißt heute
Fertig! Wir haben es gemeinsam geschafft . Wir haben alles gegeben und sehen einfach umwerfend aus.
Dieses Kleid, Dahlia von Colette Patterns, hat mich schon etwas Mühe gekostet.  Über meine Schnittanpassung habe ich hier berichtet, und die Schwierigkeiten beim Nähen waren hier das Thema.
An dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei meinen Leserinnen bedanken, die so viele und vor allem so konstruktive Kommentare zu meinen letzten Blogposts abgegeben haben. Das hat mir sehr geholfen, dieses Kleid fertig zu stellen. Ja, das ist schon eine tolle Gemeinschaft auf dem Memademittwoch, und ich bin sehr stolz, jetzt dazu zu gehören.
Genauso bedanken möchte ich mich aber auch bei Dodo und Yvonne, die diesen Sewalong so nett und gut begleitet haben und mit ihren tollen Kleidern uns auch heute wieder inspirieren!
Aber zurück zum Kleid: wenn es jetzt so unschuldig auf dem Bügel hängt, kann ich selbst gar nicht mehr verstehen, warum ich zeitweise so gekämpft habe. Der Schnitt ist sehr schön, eigentlich ganz einfach: Raglanschnitt mit hohem Taillenband, etwas angekraust im Vorderteil. Es hat so etwas von einem Sweatshirt, kombiniert mit dem femininen Touch eines Webstoffkleides, also eigentlich ganz genial.
Es ist vielleicht nicht so schick wie viele andere Kleider, die heute beim Finale gezeigt werden, aber dafür ist es ein Kleid, was unbedingt auch alltagstauglich ist. Ich denke, ich werde es auch nach Weihnachten noch gerne tragen, denn es hat eine ganz geniale Eigenschaft: es ist bequem im Schulterbereich und ich kann die Arme und Schulter frei bewegen. Das habe ich bisher noch nie bei Webstoffkleidern oder Blusen so gehabt, auch nicht bei Kaufkleidung. Ich freue mich sehr, daß meine Anpassung im Schulterbereich so erfolgreich war! Auch der Ausschnitt, der mit Schrägband versäubert ist, liegt schön an.
Das Taillenband hatte ich nachträglich noch etwas enger genäht und mit einem zweiten, mit Gewebseinlage verstärkten Band von der Rückseite stabilisiert. Jetzt liegt es schön an und  wellt sich nicht mehr.
Der Stoff, ein Woll-Viskose-Gemisch, war zwar zum Nähen problematisch, aber das Tragegefühl macht das wieder wett. Schön leicht, dabei auch wärmend, also ein idealer Winterstoff. Etwas kratzig ist er durch den Wollanteil, aber da das Kleid ganz gefüttert ist, stört das nicht. 
Das Ärmelproblem, bei dem das etwas zu kurze Futter den Ärmelsaum nach oben zieht, habe ich gelassen. Es stört mich nicht, und ich würde es jetzt immer als Designmerkmal verteidigen, daß die Ärmel etwas bauschig fallen.
Ich habe schon ganz viele Ideen, wie ich diesen Schnitt nochmals nähen könnte. Als Sommerkleid, vielleicht mit kürzeren Ärmeln...die Ärmellänge ist übrigens etwas, was mir am Originalschnitt nach wie vor nicht gefällt, das ist so eine unglückliche Länge zwischen Kurzarm und Dreiviertel.

Das Fotografieren des Kleides verlief  natürlich auch nicht so ganz unproblematisch, wie alles an diesem Kleid...es gab heute mittag nur ein kurzes Zeitfenster bei Tageslicht dafür, und natürlich fing es gerade dann an zu regnen. Aber egal, die Kamera stand regengeschützt auf der Terasse, und das Kleid konnte gleich schon mal seine Wettertauglichkeit beweisen.


So, jetzt freue ich mich auf einige freie Tage, und gehe zunächst mal Kleider angucken auf unserem virtuellen Laufsteg des  Memademittwoch.
Ich wünsche allen wunderschöne und friedliche Weihnachtsfeiertage!






Sonntag, 18. Dezember 2016

Colette Dahliah-never ending story



Heute ist der vierte Teil unseres Weihnachtskleidsewalongs. 
Fertig. Mit Kleid 1, 2, und 3....
Ich hatte nur ein Kleid geplant, das ist fertig. Oder auch nicht- dazu später.

Puh, ich habe die knifflige Stelle gemeistert....
Ja, das habe ich in den letzten Tagen oft gedacht. Denn mein Kleid, Dahlia von Colette Patterns, war für mich mein schwierigstes Nähprojekt bisher.
Das fing ja schon mit den Schnittanpassungen an, die ich hier beschrieben hatte. Letztendlich war ich aber mit meinem Nesselmodell soweit zufrieden, daß ich mich frohgemut ans Zuschneiden meines schönen karierten Stoffes gemacht habe.
Eigentlich schneide ich ja gerne zu. Beim Zuschneiden bin ich immer noch in dem Wahn, daß ich diesmal ein perfektes Nähprojekt schaffe. Alles soll toll und korrekt werden, ein genaues ,ideales Bild habe ich auch im Kopf- in dieser guten Stimmung schneide ich zu.
Aber leider, leider...je weiter ein Projekt fortschreitet, umso mehr entfernt sich mein Produkt von diesem Ideal - die Unzulänglichkeit der Menschen im Allgemeinen und meine im besonderen, gepaart mit den Tücken der Materialien führt dazu, daß ich irgendwann dann nur noch fertig werden will und froh bin, ein halbwegs tragbares Teil produziert zu haben. 

Mein schöner Karostoff war sehr schwierig zu verarbeiten. Er ist so dünn, daß schon ein schräges Anschauen ihn zum Verziehen brachte, vom schrägen Fadenlauf mal ganz zu schweigen. Ich habe so gut wie alle Kanten sofort mit Stütznähten gesichert (endlich weiß ich den korrekten deutschen Begriff für stay-stitching!), trotzdem verzogen sich manche Kanten. Die Karoanpassung habe ich irgendwann recht gelassen gesehen, da es sich um ein assymmetrisches Karo handelte, was sowieso nicht immer passen konnte.
Dann hatte ich mir ja auch vorgenommen, in die Seitennähte Nahttaschen zu arbeiten. Das fand ich praktisch. Leider ist an der einen Seite  ein Reißverschluß, auch praktisch. Die beiden Details kann man durchaus zusammen einarbeiten, hier gibt es ein tolles Tutorial von Frau Vau, das dieses Problem behandelt. Ist auch eigentlich gar nicht so schwierig, wenn man sich vorher klarmacht, welche Partien man wo zusammennähen muß, und dann einfach der Reihe nach abarbeitet.

Mein Problem war nur, daß mein Kleid auch ein Futter haben sollte, ein Futter, das ja auch noch an diesem Reißverschlusss ansetzte. Auch das ging irgendwie, aber im nachhinein kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen , wie ich es genäht habe. Zwischendurch hatte ich dann auch mal kurzfristig den Tascheneingriff zugenäht, aber  mit so kleinen Widrigkeiten kann man ja dank Nahttrenner gut umgehen. 

Ansonsten habe ich das Futterkleid genauso wie das Oberkleid genäht. Im Oberteil habe ich Futter und Stoff zusammen verarbeitet, also gemeinsam eingekraust, bevor ich das Schrägband an der Kante angenäht habe.
Ja, das Schrägband. Hier hatte ich ja mal den heroischen Gedanken, es aus dem Oberstoff selbst herzustellen. Zum Glück fand ich dann im Nähgeschäft ein farblich passendes fertiges Schrägband, was ich dann verwendet hatte. Vor der Ausschnittversäuberung mit dem Band hatte ich ja etwas Angst, denn das hatte ich noch nie gemacht. Wider Erwarten lief das aber völlig problemlos. Ich habe das Band beim Annähen etwas gedehnt, umgeschlagen und dann von links mit der Hand festgenäht.

Gesäumt ist das Kleid mit Nahtband, dann auch mit der Hand festgenäht. Pingel-Inge hätte ihre Freude daran gehabt.

Also Kleid fertig, alles gut?
Nein, leider ist es nicht so. Ja, das Kleid paßt, und sieht auch toll aus. Aber einige Stellen gefallen mir nicht.
Ein Problem sind die Ärmel, hier zieht das Futter glaube ich etwas nach oben, jedenfalls fallen sie nicht so schön wie sie ohne Futter gefallen sind. Da aber die Ärmel sowieso eine Länge haben, mit der sie im Ellbogen etwas gestaucht werden und ich zudem meistens auch eine Jacke darüber trage, die zu weiteren Falten im Ärmel führt, habe ich beschlossen, dieses Problem zu ignorieren.

Schlimmer ist es mit dem Taillenband. Das ist zu weit, vermutlich haben sich die Kanten trotz Stütznaht ausgedehnt. Es hat auch keinen richtigen Stand, wellt sich, da der Stoff zu dünn ist. Vermutlich hätte ich das Taillenband von vornherein mit Einlage verstärken müssen, oder auch gedoppelt nähen. Ich habe mich da an die Coletteanleitung gehalten, die vorsah, bei einem gefütterten Kleid das Taillenband nur in der einfachen Lage zu nehmen.
Heute abend habe ich jetzt das Taillenband etwas enger genäht- natürlich nur in einer Seitennaht, denn in der anderen ist ja der bewußte Reißverschluss, an dem ich aus naheliegenden Gründen nichts mehr ändern möchte. Jetzt ist das Kleid zwar etwas assymmetrisch, aber das merkt außer mir (und Euch wahrscheinlich) keiner. Gerne würde ich das Band auch noch etwas verstärken, bin aber noch unentschieden , wie ich das machen soll. Im Nachhinein noch eine Einlage aufbügeln? Das hält wahrscheinlich nicht.
Ich habe jetzt vorhin nochmals ein Taillenband zugeschnitten, dieses verstärkt, und überlege, das von links gegen mein genähtes Taillenband zu befestigen. Vielleicht hefte ich es erst mal an und schaue, ob es den gewünschten Effekt bringt. Ja, Dahlia ist wirklich eine never-ending story...ich habe wieder mal viel gelernt, aber die Lust am Nähen blieb irgendwo auf der Strecke.
Wie es bei den anderen aussieht, ob hier eher Frust oder Lust vorherrscht, das sieht man hier auf dem  Memademittoch -Blog der tapferen Weihnachtskleid-Näherinnen! Dodo und Yvonne können sich jedenfalls schon über ihre tollen Kleider freuen...


Sonntag, 4. Dezember 2016

Colette Dahlia-Schnittanpassungen



Das Probemodell ist genäht und passt. Jetzt geht es weiter.

Das ist eines der möglichen Themen für den dritten Teil unseres Weihnachtskleid-Sewalonges 2016. Und nun kann ich stolz verkünden- ja, ich liege im Zeitplan, denn das Nesselmodell von Dahlia  (Colette Patterns) paßt und ich kann zum Zuschneiden meines eigentlichen Stöffchens übergehen.
Ich mußte am Schnitt kaum etwas ändern, lediglich das Oberteil um 2 cm verlängern, den Halsausschnitt um 1 cm hochsetzen, die Ärmel zunächst um 1 cm verschmälern, das später wieder herausnehmen, die Höhe der Armkugel um 4 cm erhöhen, dadurch Schulterabnäher einfügen , die Raglannähte versetzen, die Taille um 2 cm erweitern, die Abnäher versetzen, den Rock um ca 5 cm kürzen. Sonst hat aber alles gut gepaßt, schon das dritte Nesselmodell war erfolgreich- prima Schnitt. - Ironiemodus aus- 
Ja, das war schon eine Aktion mit meinem Weihnachtskleid in den letzten beiden Wochen. Zur Erinnerung: ich konnte mich für nichts so recht entscheiden, meine ursprüngliche Idee, einen DeerundDoe -Schnitt zu nähen, habe ich auch nur halbherzig verfolgt. Dann erstand ich einen wunderschönen karierten Stoff, ein Woll-Viskosegemisch, und schon beim Kauf dachte ich an den Schnitt Dahlia von Colette. 

Dahlia ist ein Kleiderschnitt mit Raglanärmeln und einem breiten Taillenbund. Er kommt im Vorderteil ohne Abnäher aus, da die notwendige Weite durch Einkräuselungen an der Taille und am Halsausschnitt erreicht wird, dadurch soll er besonders geeignet für karierte Stoffe sein.
Als der Schnitt im Herbst 2014 veröffentlich wurde, war ich sofort begeistert- natürlich auch von der colette-üblichen professionellen Präsentation des Schnittes.Ich wollte das Kleid unbedingt bald nähen und habe den Schnitt bestellt, sobald er als Papierschnitt in Deutschland erhältlich war. Dann bekam meine Begeisterung  einen Dämpfer, denn die ersten kritischen Stimmen auf den Nähblogs tauchten auf. Allgemein wurde die Paßform des Oberteils bemängelt, vor allem der Halsausschnitt, der für viele Näherinnen offensichtlich zu weit war und von der Schulter rutschte. In der Nähbloggerwelt wurde Dahlia dann rasch vergessen, eigentlich schade bei einem Schnitt, der vom Design her so schön ist. Und auch bei mir versank der Dahlia-Schnitt im Stapel der ungenähten Schnitte weit nach unten- bis er mir jetzt wieder einfiel.

Dieser karierte Stoff würde gut zu Dahlia passen, dieser Gedanke kam mir schon im Stoffgeschäft, allerdings hatte ich doch etwas Angst vor den notwendigen Schnittanpassungen.  Die Kommentare zu meinem letzten Post haben mich dann aber doch bestärkt, dies einfach mal zu probieren.
Und so wurde das erste Nesselmodell von Dahlia genäht. Größe 6 entsprach meinen Massen ziemlich genau, also abgepaust, zugeschnitten, genäht- hätte ich mir sparen können, wenn ich weiter  auf dem Umschlag des Schnittes  gelesen hätte, auf dem ganz ordentlich auch die fertigen Masse des Kleides angegeben sind..
Hier ergibt sich im Brustbereich und Taille jeweis 1 inch Bequemlichkeitszugabe! das sind 2,5 cm , und damit näht man ein hautenges Teil, das kaum Platz für ein Unterhemd läßt, geschweige denn Reserve in der Taille fürs Weihnachtsessen...
Das Modell war also einfach zu eng, trotzdem gab es einen gewissen Informationsgehalt: das Oberteil war zu kurz, denn das Taillenband sitzt zwar auch auf den Fotos recht hoch, aber natürlich unter der Brust. Hätte ich mir aber eigentlich auch denken können, wenn ich den Schnitt mit meinem Grundschnitt verglichen hätte. Natürlich ist mein Brustpunkt tiefer als der der jungen Colette-Models- gerade im Brustbereich gehen die weibliche Anatomie, die Schwerkraft und zunehmendes Alter eine etwas unglückliche Allianz ein....
Ja, und der Halsausschnitt- der klaffte überall, trotz dieser zu kleinen Größe. Er klaffte, die BH-Träger waren sichtbar, und er rutschte auch über die Schulter, sobald ich mich bewegte.
Es gibt zu diesem Kleid einen Sewalong von Colette in der gewohnten guten Qualität. Das Problem des Halsausschnittes wird auch behandelt, allerdings erst in den Kommentaren. Man muß sich da also etwas duchscrollen, bis man die gewünschten Informationen findet. Als Lösungsmöglichkeit werden Schulterabnäher angeboten, oder auch ein Abflachen der "Kuhle", die das Ärmelschnitteil aufweist, oder ein Verlegen der Raglanärmelnähte.
Beim 2. Nesselmodell , das ich in Gr. 8 zugeschnitten habe, habe ich verschiedene Varianten ausprobiert. Schulterabnäher hat gut funktioniert, ich habe dann probiert, dies durch eine keilförmige Verschmälerung des Ärmels zu ersetzen, da ich damals noch den abnäherfreien Ärmel erreichen wollte. Auch eine Verlagerung der Raglanärmel brachte einen gewissen Erfolg. Schlechter war die Variante mit  der ausgefüllten Kuhle, das stand noch mehr ab.
So habe ich einige Ärmel an-und abgetrennt von meinem Modell, war nie zufrieden, und eigentlich kurz davor, das ganz in die Ecke zu werfen und etwas anderes zu nähen.
Dann fiel mir aber endlich auf, daß das Problem auch woanders lag: der Raglanärmel paßte mir einfach nicht. Es gab immer vertikale-schräge Falten von der Schulter abwärts, und in diesem Bereich spannte der Ärmel auch  bei Bewegungen.

Nun habe ich sicher keine fundierten Kenntnissen in der Ärmelanpassungen, aber bei diesen Falten bin ich mir sicher, denn die kommen durch eine zu geringe Höhe der Armkugel. Und dann fiel mir ein, daß die Colette-Schnitte ja immer eine eher flache und breite Armkugel haben. Vielleicht war auch das bei diesem Schnitt das Problem?
Ich mußte also nur die Armkugel erhöhen, dann würde ich sehen, ob die ganze Schulter besser sitzt.
Hm, Armkugel erhöhen, das ist ja normalerweise kein Problem, bei einem normalen Ärmel traue ich mir das schon zu. Aber ein Raglan-Ärmel? da fiel mir nur die bekannte Schüler-Entschuldigung ein "das habe ich doch noch gar nicht gehabt!" Auch mein Schnittkonstruktionsbuch half mir nicht weiter, und so ging ich also erst mal auf Recherche im Internet.
Der Raglanärmel ist übrigens nach einem Lord Raglan benannt, der bei der Schlacht von Waterloo einen Arm verlor. Armer Kerl, aber er hatte zumindest einen pfiffigen Schneider, der durch diese Ärmelform versuchte, den Mangel seines Auftraggebers auszugleichen. Heute werden Raglanärmel vor allem bei sportlicher Mode eingesetzt, wo es auf die Paßform nicht so genau ankommt. Sowohl bei Herren- als auch bei Damensweatshirts finden sich sehr häufig Raglanärmel. Wenn bei  figurbetonten Schnitten in der Damenmode Raglanärmel verwendet werden, haben sie meistens einen Schulterabnäher oder sind von vornherein zweigeteilt.
Die Konstruktion eines Raglanärmels wird hier so gut beschrieben, daß ich schon Lust bekam, den Ärmel nochmal selbst zu konstruieren, aber dann hätte ich auch den Armausschnitt ändern müssen... alles ein Zeitproblem , aber eine spannende Aufgabe, die ich mir für das nächste Jahr vorgenommen habe.
Und die Änderung, also die Erhöung der Armkugel, wird hier gut beschrieben. Der Ärmelschnitt wird dabei Y-förmig eingeschnitten und auseinandergezogen, um mehr Platz für die Armkugel zu schaffen.
Da ich mir unsicher war, ob dies wirklich die Lösung meines Paßformproblemes sein würde, habe ich es zunächst mal am fertigen Ärmel probiert. Ich habe also den bereits angenähten Ärmel eingeschnitten, die unteren Schenkel des (kopfstehenden) Y etwa auf die Ärmeleinsatzpunkte, den Scheitel auf den Schulterpunkt, den ich mir vorher auf dem Nesselmodell eingezeichnet hatte.
Der Effekt war eindeutig-der Ärmel rutschte nach unten und wurde faltenfrei, das Schulterteil nach oben und stand plötzlich auch nicht mehr am Halsausschnitt ab. Ich habe dann den Abstand abgemessen, den ich einfügen wollte, und kam auf 4 cm!
Dieses Ergebnis hat mir Mut gemacht, die Änderungen auch auf den Schnitt zu übertragen. Dadurch wurde zwar ein Abnäher in den Ärmelschnitt gebracht, das hat mich aber nicht wirklich gestört.
Mit diesem Ärmel habe ich dann das dritte Nesselmodell genäht. Die Taille habe ich noch etwas erweitert, damit das Oberteil locker fallen kann und nirgendwo aufsitzt.
leider hatte ich keinen einfarbigen Stoff mehr für mein Muslin, deswegen der schicke Sträflings-Look
Mit dem Ergebnis bin ich erstmal sehr zufrieden. Es ist ein tragbares Modell entstanden, was ich jetzt mit gutem Gewissen zuschneiden kann. Sicher ist noch Optimierungspotential im Schnitt, vor allem wenn ich mir die Rückansicht anschaue:
vergessen, die rückwärtigen Taillenabnäher zu verlängern


Ich habe übrigens den Rock der Version 2 des Schnittes an die Oberteil -Version 1 genäht. Dies ist ein 6-Bahnenrock mit mäßiger Weite, den ich sehr schön finde. Rockversion 1 ist recht eng, hat Fältchen an der Taille und eine kleine Falte in der Mitte unten am Rocksaum. Sicher auch hübsch, aber fürs Fahrradfahren defininitiv nicht geeignet, das war nämlich auch eine Frage in den Kommentaren des Sewalongs. Es ist wirklich immer lohnend, auch die Kommentare zu lesen, da kommen oft sehr spannende Dinge zur Sprache.


Wenn ich mir die Bilder der "Dahlias" im Internet anschaue, sehe ich selten eine Frau in der ungünstigen Pose stehen, die ich auf dem obigen Bild einnehme. Alle winkeln die Arme etwas an, stemmen die Hände in die Taille- gut, ist ja auch schöner als Fotografier-Pose. Aber vielleicht hatten viele auch die gleichen Paßformprobleme wie ich und gleichen die Ärmelfalten durch eine entsprechende Armhaltung aus? Das würde für mich die häufigen Paßformprobleme mit dem Ausschnitt erklären, die so oft auf den Blogs beschrieben wurden. Mein Halsausschnitt ist nach der Anpassung nur geringfügig kleiner als im Originalschnitt, aber er zieht nicht mehr über die Schulter nach unten, da die Armkugel ausreichend Platz hat. Vielleicht war  der flache Colette-Ärmel von vornherein ungeeignet gewesen, um einen Raglanärmel zu konstruieren? Ich habe mir mal als Faustregel gemerkt, daß eine flache Armkugel eher gut ist für die Bequemlichkeit und die hohe Armkugel besser ist für den schönen Fall des Ärmels. Aber das gilt sicher auch nicht immer, und für Raglanärmel gelten vermutlich ganz andere Regeln.
Das sind so die Fragen, die ich in der Schnittanpassung unglaublich spannend finde. Zurückblickend kann ich nur sagen, daß es eigentlich doch recht interessant war, diesen Schnitt anzupassen. Mal sehen, welche Abenteuer mich noch beim Nähen erwarten...ich will das Kleid füttern, der Ausschnitt wird mit Schrägband eingefaßt, und eigentlich plane ich auch noch Taschen, zwei Taschen, davon eine neben dem Reißverschluß...mal sehen, was ich von meinen Plänen verwirklichen kann!
Wie weit sind denn die anderen fleißigen Schneiderlein auf dem Memademittwoch?
Dodo zeigt uns heute ihre Fortschritte an ihrem Knipkleid, das schon sehr, sehr schön aussieht! 




Sonntag, 20. November 2016

Weihnachtskleid-Entscheidung???


Oh, alle anderen sind schon so weit mit ihren Kleidern, haben Schnitte abgepaust, Probemodelle genäht, zugeschnitten- davon kann ich nur träumen.
Immerhin war ich letzte Woche bei meinem Lieblings-Stoff-Dealer und habe zwei Traumstöffchen ergattert.
Einmal diesen karierten Stoff:
Das ist ein ganz zarter Stoff, etwas durchscheinend, ein Gemisch aus Wolle und Viskose. Für ein gefüttertes Kleid sicher gut geeignet, sicher auch gut einzukrausen und zu -fälteln. Für mein Kleid Aubepine von Deer und Doe wahrscheinlich gut geeignet.
Allerdings habe ich im Netz mittlerweile auch viele wirklich furchtbare Exemplare dieses Schnitte gesehen. Er hat nun mal diese Empiretaille, und das kann schon leicht nach Schwangeren-Hängerchen oder Baby-Doll aussehen. Andererseits gibt es auch sehr , sehr schöne Versionen, und mit gefällt der Schnitt immer noch.
Vielleicht sollte ich die Schleife unter dem Busen weglassen und einfach nur mit einem Gummiband einkrausen?
Die Biesen an Oberteil und Ärmel, die bei Aubepine vorgesehen sind, machen vielleicht einen ganz witzigen Effekt in dem karierten Stoff ( vor allem , wenn sie ungenau genäht werden, wie ich es bei mir befürchte....)
Zu dem schönen karierten Stoff fiel mir auch noch Dahlia von Colette ein. Auch das ist ein Schnitt, den ich schon lange nähen möchte,  ein Schnitt, der ausdrücklich für karierte Stoffe gedacht ist, da er ohne Abnäher ist. Aber mit der Anpassung dieses Schnittes haben viele schon ihre Probleme gehabt, das will ich mir vor Weihnachten nicht antun.
Das war der andere Teil meines Einkaufs. Weihnachtliches Dunkelrot, Baumwolle, Qualität nennt sich, glaube ich , Cloque- ein zweiseitiger Stoff mit etwas Luft zwischen beiden Seiten. Er ist wunderbar weich, leider war es nur noch der Rest vom Ballen und damit für das Kimonokleid von Crafteln nicht mehr ausreichend. Aber für die Bluse könnte es gerade noch reichen, wenn ich die etwas kürze.
So ist also mein Plan zur Zeit: ein kariertes Weihnachtskleid nach dem Schnitt Aubepine, und noch eine Weihnachtsbluse nach dem Kimonoschnitt von Crafteln.
Weihnachten ist ja wirklich noch ziemlich lang hin, oder?
Jetzt schau ich erst noch mal zu meinen Mitnäherinnen auf dem Memademittwoch. Aber die sind alle schon so weit...

Mittwoch, 16. November 2016

Herbst-Outfit mit Driftless Cardigan von Grainline Studio


Es gibt ja wirklich schöne Jaquardjerseystoffe diesen Herbst. Die schönsten davon werden , wie ich finde, bei Albstoffe produziert. Albstoffe ist eine Firma auf der Schwäbischen Alb, die sich auf Strickstoffe spezialisiert hat und diese auch in kleinen Auflagen herstellt. Und das nutzen Stoffgeschäfte oder auch Designerinnen, um ihre Ideen zu Stoff und an die Frau zu bringen.

Gute Ideen kamen in diesem Fall vom Stoffbüro, das eine ganze Kollektion von farblich passenden Jerseys, Ringeljerseys und eben Jaquards in Auftrag gegeben hatten. Ich hatte mich für die Farbvariante bordeaux-beige entschieden und mir daraus ein Herbstoutfit genäht.

Als Jacke habe ich mich für den Driftless Cardigan von Grainline Studio entschieden. Das ist einer von den Schnitten, den man erst auf den zweiten Blick als interessant ansieht. Eigentlich ganz schlicht, etwas oversized, überschnittene Schultern und gut hüftlang. Die Jacke ist aus dem camelfarbenen Jaquard Flechtwerk genäht.

Mir gefällt an diesem Schnitt die Form gut, die zwar groß und voluminös wirkt, aber trotzdem irgendwie figurbetont. Der Schnitt hat im unteren Drittel eine horizontale Teilungsnaht, in die im Vorderteil eigentlich Taschen eingearbeitet sind. Dafür hat mein Stoff nicht gereicht, die Stoffbreite des Jaquards ist nur 120 cm- das hatte ich beim Bestellen nicht bedacht.

Es gibt farblich passende Bündchen, so daß für den schönen Abschluss gesorgt war. Das Bündchen an den Vorderteilen soll eigentlich mit der Hand angenäht werden, wenn man der Anleitung folgt. Ich habe das großzügig überlesen und die Jacke einmal durch die Cover gejagt- ging auch, aber schön ist vielleicht anders...
Das einzige, was mir an dem Jaquard nicht gefällt, ist die weiße Rückseite, die man bei einer Jacke ja doch manchmal hervorblitzen sieht. Oder ich müßte sie immer nur geschlossen tragen, aber für Knöpfe konnte ich mich bisher nicht entschliessen. Vielleicht kleine Druckknöpfe? Knopflöcher kann ich jedenfalls in das Bündchen vorne nicht mehr nähen, nachdem da meine glorreiche Covernaht liegt.

Der Jaquard ist wunderbar weich und füllig, und auch durch den Schnitt ist auf diese Art ein Kleidungssstück entstanden nach dem Muster: nähen,anziehen, und freiwillig nicht mehr ausziehen!

Dazu habe ich ein Ringelshirt aus einem gestreiften Biojersey genäht. Das sollte eigentlich ganz schlicht werden. Ich habe irgendeinen Basisschnitt herausgezogen, zugeschnitten- und dann gedacht, daß ein bißchen mehr Pep schon noch dabei sein dürfte. Aber was?
Nun haben diese Ringel andere auch schon inspiriert. Die einen dachten an bretonische Fischer, die nächsten an Grimmsche Märchenfiguren mit dem gleichen Beruf- mir fielen eher die Wiener Sängerknaben mit ihren schönen Matrosenkrägen ein, nachdem ein Zipfel des unifarbenen bordeauxenen Jerseys auf dem Streifenstoff lag.

Wie näht man denn so einen Matrosenkragen, dazu auch noch an ein Jerseyshirt? Antwort gab es bei Colette. Colette hatte vor einigen Jahren einen schlichten Jerseykleiderschnitt (Moneta) herausgebracht, zu dem es als Bonus verschiedene Kragen gab, unter anderem also auch dieses Schleifchen. Schleifchen ist zwar kein richtiger Matrosenkragen, aber mir war es genug.
Ich mußte dann nur noch den Colettekragen auf mein bereits zugeschnittenes Shirt anpassen, und fertig war mein Matrosenkragen!
Leider war mein Ausschnitt schon etwas weit geraten, da ich ja urspünglich ein normales Shirt mit Bündchen nähen wollte. Auch hier gilt also der alter Grundsatz, daß Nachdenken vor dem Zuschneiden auch ganz schön gewesen wäre...
Aber ich hatte ja noch den unifarbenen bordeauxenen Jersey, und so habe ich daraus noch ein Unterziehtop mit hohem Ausschnitt genäht, auf daß das Ensemble etwas herbst- und wintertauglicher würde.
Der Jersey hat übrigens auch eine unglaublich schöne Qualität. Er ist glatt, dabei weich und angenehm im Griff. Ich hoffe, er wird auch dauerhaft so bleiben, wenn er die ersten Waschmaschinen-Durchläufe hinter sich hat!
Geplant ist jetzt eigentlich noch ein Kleid, es gibt noch einen Jaquard mit schönem Punktemuster, der aber leider zur Zeit nicht in meinen Farben erhältlich ist- ich hoffe sehr, daß die Strickmaschinen auf der Schwäbischen Alb schon heißlaufen und ihn nachproduzieren!
Und so lang schaue ich mir einfach an, was die anderen gut angezogenen Damen des Memademittwoch heute tragen, und freue mich auf viele neue Inspirationen!
Jacke: Driftless Cardigan von Grainline Studio
Shirt: eigener Schnitt mit Colette-Kragen
Stoffe: Biojaquard und Biojersey vom Stoffbüro
Rock: gekauft, aber trotzdem schön
Thermoleggins: T*chibo, genial warm!
verlinkt: MMM, ichnähbio

Montag, 14. November 2016

Weihnachtskleid-Sewalong: Ideen


Nun hatte ich gerade meinen Wintermantel genäht und gezeigt, und schon naht der absolute Höhepunkt im Jahreslauf für die Nähbloggerin: der Weihnachtskleid- Sewalong!
Auch wenn es mir gerade noch etwas früh vorkommt, mich mit meinem weihnachtlichen Outfit zu beschäftigen, sehe ich ein, daß es an der Zeit ist, denn wir wissen alle: Weihnachten kommt immer so plötzlich!
Also,was ziehe ich an Weihnachten an, was nähe ich? Zum Glück verlaufen die Feiertage in unseren Familien recht informell, vermutlich könnte ich auch in Jeans erscheinen, was ich aber natürlich nicht tue. Nein, ein Kleid muß es schon sein.
Letztes Jahr war ich zwar noch keine aktive Bloggerin, aber genäht habe ich natürlich schon ein Weihnachtskleid, nämlich das Kleid Wren von Colette aus einem dunkelblau-weiß gemusterten Jersey von ArtGallery. Bilder davon gibt es natürlich keine, da noch keine Blog-Notwendigkeit. Aber ich habe das Kleid sehr gerne und viel getragen, eine ärmellose Version von Wren habe ich hier gezeigt.
FürWeihnachten 2016 hatte ich schon lange die Idee, das Kleid Aubepine von Deer and Doe zu nähen.
Mir gefällt der Schnitt unglaublich gut, er hat eine hohe Taille, eher empiremässig, einen schön weiten Rock und ist gefüttert, was ich im Winter sehr gerne mag. Nähtechnisch bietet er sicher einige Herausforderungen, vor allem durch die biesenähnlichen Fältchen  an Armen und Oberteil. Aber die Anleitung bei DeerandDoe Schnitten ist üblicherweise sehr gut, und die Schnitte passen mir meistens ohne größere Änderungen.
Alternativ habe ich auch an einen Schnitt der finnischen Schnittmusterfirma Named gedacht. Named hat ja diesen Herbst eine wunderbare neue Kollektion herausgebracht ("evolution theory"), die in der Nähwelt auch schon rauf und runter genäht wurde. Mit Ausnahme- diese Jerseykleid hat bisher keinen Nähblogger interessiert? Ich habe jedenfalls nichts gefunden!
Das Kleid heißt Tuuli und hat als Besonderheit einen Faltenrock, den ich bei Jerseykleidern so noch nicht gesehen habe.

Wahrscheinlich müßte man es aber aus einem recht dünnen (Viskose) Jersey nähen, damit die Falten nicht an der Taille auftragen. Aber dünner Viskosejersey für den deutschen Winter, das wird vielleicht zu kalt? Obwohl- oft haben wir ja das berühmte Weihnachtstauwetter mit eher frühlingshaften Temperaturen, da ist man dann vielleicht auch ganz froh über ein leichtes Kleid. Und mit passendem Jäckchen dazu...
Wie auch immer, das Tuuli-Kleid ist sicher ein recht schnelles Projekt, was sich vielleicht auch für ein Zweitkleid gut eignen würde. Oder später als Frühlingskleid?
Ja, und Nr. 3 in meinen Überlegungen ergab sich erst diese Woche, nachdem Meike so einen wunderschönen neuen Kleiderschnitt veröffentlicht hat, das Kimono-Kleid!
Das könnte ich mir auch sehr gut als Weihnachtskleid vorstellen. Dann könnte ich erstmal die Blusenversion nähen, die Paßform optimieren, bevor ich mich dann an das Kleid wage.
Also , noch ist nichts entschieden. und vor allem fehlt mir auch noch der richtige Stoff für das Projekt. Aber das läßt sich doch bestimmt durch einen Besuch beim Stoffdealer ändern...
Jetzt schaue ich mir erst mal an , was die anderen Teilnehmerinnen des Memademittwoch für Pläne haben. Hier finde ich sicher noch ganz vielen andere Ideen für ein Weihnachtskleid, so daß meine Entscheidung nicht leichter wird! 

Sonntag, 13. November 2016

Clare von ClosetCaseFiles



Nun darf ich also endlich die Tragebilder meines schönen Wintermantels zeigen, der im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs auf dem MMM entstanden ist.
Zunächst möchte ich mich aber bei den Organisatorinnen dieses Sewalongs bedanken. Nur durch Euch wurde es ermöglicht, daß jetzt 50 - 6o Frauen diesen deutschen Winter durch ihre schönen Mäntel bereichern. Ohne Eure Aktion hätten sicher viele gedacht "Nähen ist ja ganz schön, aber einen Wintermantel? viel zu schwierig und zu langwierig, nähe ich mir doch lieber erst mal das nächste Shirt, das ist jedenfalls nach 2 Stunden fertig..." So hätte jedenfalls ich gedacht, wenn ich nicht durch den Sewalong zu einem Anfang und regelmäßigen Fortschritten gezwungen worden wäre. Nochmals vielen Dank!
Und nun bin ich sehr glücklich mit meinem Mantel. Ich hatte den Mantel Clare von CloseCaseFiles gewählt und ihn aus einem karierten Kaschmir-Wollstoff genäht. Eine der Hauptschwierigkeiten beim Nähen ist ja, finde ich, den richtigen Stoff für einen Schnitt zu finden, oder lieber andersrum- der Stoff sollte seinen Schnitt finden. In diesem Fall sprach mein bildschöner Kaschmir-Stoff zu mir, daß er   zu einem schlichten und klassischen Schnitt verarbeitet werden wollten, und das ist Clare auf jeden Fall.
Eigentlich hatte ich es ja sehr einfach mit meinem Mantel. Ich hatte einen tollen Stoff und vor allem einen guten Schnitt mit anfängertauglichen Anleitung. Es gab - zu der schon sehr guten Anleitung- einen ausführlichen Sewalong auf der Blog von ClosetCaseFiles, so daß nicht viel schief gehen konnte.
Der Mantel hat Raglan-Ärmel, so daß die Probleme mit dem Ärmeleinsatz minimiert waren. Aufgrund der A-Form des Mantels musste ich auch nur darauf achten, daß die Schulter halbwegs paßte. Auf die Paßform an der Taille und an der Hüfte kam es nicht mehr so darauf an, da der Mantel da naturgemäß sehr weit fällt.
Meine Version von Clare hat Taschen in der Seitennaht. Auch das macht das Nähen einfach, da ich mir damit so kleine Schweinereien wie Pattentaschen erspart habe.
Wir haben ja wirklich viele Bilder gemacht, aber auf keinem einzigen habe ich die Hände nicht in den Taschen. Das zeigt hoffentlich, wie bequem diese Taschen sind ( und nicht nur, daß mir beim Fotografieren keine andere Pose einfällt...)
Ich habe den Mantel in Gr. 10 genäht, also etwas größer, als es meinen Maßen entsprach. Aber der Mantel sieht nur eine sehr geringe Bequemlichkeitszugabe (10 cm bei der Brustweite) vor, und ich wollte ja auch noch jedenfalls ein dünnes Vlies zu Verstärkung einnähen.
Über die Einzelheiten des Nähprozesses habe ich hier , hier und hier berichtet.


 Das Vlies habe ich dann letztendlich nur beim Vorder- und Rückenteil einnähen können, die Ärmel waren dafür zu eng.Natürlich schränkt das die Warmhaltefähigkeit des Mantels etwas ein- für richtig tiefe Temperaturen ist der Mantel nicht geeignet.
Aber er war wunderbar für die meisten Tage, die der Herbst in unseren Breitengraden bereit gehalten hat.

 
 Mit der Paßform bin ich sehr zufrieden. Ich hatte zuerst Bedenken wegen der Länge und fand den Mantel zu kurz, er ist wirklich mehr eine Jacke. Aber die Länge hat sich mittlerweile als ideal herausgestellt, vor allem zum Fahrradfahren.
Meine einzige Änderung am Schnitt war die Gestaltung der Knöpfe. Der Schnitt sieht Druckknöpfe vor- auch dies dient sicher zu Vereinfachung des Schnittes, denn natürlich sind Knopflöcher immer schwierig zu nähen. Ich wollte aber am Kragen zwei "richtige Knöpfe" haben und habe mich dazu für Paspelknopflöcher entschieden.
Meine Paspelknopflöcher würden sicher vor Pingel-Inge nicht bestehen, da sie im geöffneten Zustand etwas klaffen. Das liegt daran, daß sich die Knopflöcher beim Annähen auf die Öffnung im Unterkragen etwas verzogen haben, vorher waren sie wunderbar eng anliegend! Mich stört das aber nicht weiter, da ich den Kragen sowieso meistens geschlossen trage.

Und das Gefühl des Kaschmirkragens am Hals ist wirkliche angenehm, hier bin ich doch froh, mich nicht für einen vielleicht kratzigen Wollstoff entschieden zu haben.

Die anderen Knöpfe habe ich als Druckknöpfe gelassen. Da die Druckknöpfe natürlich nur am Beleg angenäht sind, klafft das Vorderteil etwas, das kann man aber nicht ändern.

Bei den Druckknöpfen hatte ich ja zunächst große Bedenken, weil sie sich anfangs so schwer öffnen liessen. Zum Glück wird das durch den steten Gebrauch immer besser, und ich bin auch sehr vorsichtig beim Öffnen und reisse nie am Stoff.

Der Mantel ist grau, das Futter grau- zum Glück habe ich eine pinke Paspel zwischen Futter und Beleg eingenäht! Die sehe zwar eigentlich nur ich, wenn ich den Mantel an- oder ausziehe, aber für mich gehört das zu den kleinen Freuden, die wir Selbernäherinnen uns doch gönnen. Hier eine Paspel, dort ein bunter Aufhänger, in den Jeans vielleicht noch ein buntes Taschenfutter- das hat keiner außer uns, und das ist unsere ganz geheime Freude!
Was habe ich jetzt denn gelernt bei diesem Mantel? Das ist ja die Frage, die ich mir oft stellle, wenn ich ein Projekt fertig genäht habe. Und die Antworten auf diese Frage trösten mich durchaus, wenn das Nähergebnis vielleicht nicht so war, wie ich es mir erträumt hatte, oder sogar ein TFT (Teil für die Tonne) produziert wurde, was zum Glück bei mir nicht so oft vorkommt.

In diesem Fall habe ich gelernt, mit Wollstoff umzugehen. Ich habe gelernt, wie man einen hochwertigen Wollstoff mit viel Dampf vorbehandelt, um ein Schrumpfen bei der späteren Verarbeitung zu verhindern. Ich habe gelernt, daß Wollstoff mit einer passenden Einlage verstärkt werden muß, um eine ausreichende Struktur für den Mantel zu erreichen.

Mit Karoanpassung habe ich mich befasst, sicher noch keine super Erfolge erreicht, aber ich weiß jetzt jedenfalls, wo die Probleme sind. Auch bei den Paspelknopflächern sehe ich jetzt, daß die Hauptschwierigkeit eigentlich auf der Rückseite liegt, auch hieran kann ich weiter arbeiten.
Die Falten am rückwärtigen Saum sind mir übrigens erst auf den Bildern aufgefallen, hingen vermutlich aber auch mit dem Fahrradfahren zusammen, denn sonst fällt der Saum eigentlich sehr schön und glatt.

Insgesamt fühle ich mich sehr wohl in dem Mantel. Er  hat sich völlig nahtlos in meine Garderobe eingefügt und paßt zu vielem, sowohl zu Jeans als auch über Röcke. Ich bin bisher nicht auf ihn angesprochen worden, was vermutlich ein gutes Zeichen ist. Vielleicht kennt Ihr ja auch diesen Reaktionen auf manche selbstgenähten Kleidungsstücke, so in der Richtung "ach, diesen Rock haben Sie ja bestimmt selbstgenäht, der ist ja so originell!"...das freut einen ja nicht wirklich...


Und ich habe natürlich auf gelernt, daß manche Nähprojekte einfach ihre Zeit brauchen. Ein Mantel besteht aus vielen einzelnen Teilen, hat viele verschiedene Schichten, und alles muß richtig zusammengefügt werden. Ich war ja sehr froh, daß dieser Sewalong in einer Zeit durchgeführt wurde, in der ich einige Tage Urlaub hatte. Das hat es mir ermöglicht, manche Arbeitsschritte recht zügig und am Stück durchzuführen. Und trotzdem habe ich viele, viele Stunden mit diesem Mantel verbracht  (wobei die meisten sehr angenehm waren!)
Aber wie die Kalkulation beim Klamotten-Schweden aussieht, wo Mäntel für 30 Euro verkauft werden, kann ich nicht verstehen. Wobei vermutlich auch bei höherpreisigen Mänteln das meiste im Vertrieb hängenbleibt und die Näherin mit einem deprimierend geringen Lohn abgespeist wird.
Das ist ja für mich auch eine der "Nebenwirkungen" des Selbernähens, daß meine Lust auf Shoppen mittlerweile gegen null geht. Manche Sachen gefallen mir schon, aber dann ist der nächste Gedanke: das könnte ich doch selber genaus so gut nähen, und dann würde ich das Teil vielleicht 5 cm länger nähen, oder die Taille etwas enger machen, und überhaupt, für den Preis bekäme ich ja auch 2 m von dem tollen Stoff, den ich vielleicht vor kurzem wegen des hohen Preises habe liegen lassen...also fürs Shoppen bin ich mittlerweile völlig verdorben.
Na gut, dann nähe ich halt weiter, nach dem Motto: nach dem (Wintermantel)-Sewalong ist vor dem (Weihnachtskleid)-Sewalong!
Jetzt bin ich aber doch auf die Parade der Wintermäntel auf dem Memademittwoch gespannt! Nina und Karin präsentieren uns heute ihre genähten Werke- Nina in total schicker Cabanjacke, und Karin ebenfalls mit Clare, aber aus einem traumhaften dunkelroten Wollstoff!