Mittwoch, 21. Juni 2017

CalifayePocketSkirt

Auf diesen Rockschnitt wurde ich durch die Aktion SewMyStyle aufmerksam, die zur Zeit auf Instagram läuft. Es gibt ja in der Nähszene unzählige Aktionen für Blogger und andere Internet-Aktive, ich glaube, den Überblick darüber hat keiner so wirklich. Jeder hat sei Eckchen im Internet , in dem er sich wohlfühlt, und nur manchmal gibt es Überlappung und Kontakte zu anderen Aktionen.

Ich beteilige mich fast ausschliesslich am Memademittwoch, weil ich mich hier wohlfühle und meine Beiträge wohlwollend und hoffentlich mit Interesse gelesen werde.
Instagram ist etwas anderes- hier gibt es viele kurze , schnelle Kontakte, und der Radius ist natürlich ungleich größer. Über die gemeinsam genähten Modelle hat man unvermittelt Kontakte zu Näherinnen aus USA, Norwegen oder anderen Ländern, das finde ich schon spannend. Und diese Aktion SewMyStyle läuft auch nur auf Instagram. Initiiert wurde diese Aktion von Bluebirdfabric, einer jungen irischen Stoffhändlerin, die sich das"slow sewing" auf ihre Fahnen geschrieben hat. Es geht darum, jeden Monat einen definierten Schnitt zu nähen und dann Ende des Jahres eine komplette selbstgenähte Basisgarderobe zu haben

Die Auswahl der Schnitte ist sicher subjektiv von der Autorin des Sewalongs getroffen, aber es ist ein hübscher Querschnitt durch etliche bekannte und unbekannte Indie-Schnittdesignerinnen. Named Pattern und Megan Nielsen sind mit einigen Schnitten vertreten, aber eben auch CaliFaye, die ich bisher noch nicht kannte.
Für den Mai 2017  war  der BasicsPocketSkirt von Cali Faye das Thema, und so fanden sich auf den Instagram Accounts und Blogs einige Beispiele dafür, die mich animierten, diesen Rock zu nähen.

Der Schnitt: zwei einfache Rechtecke, oben angekraust. Zwei große Taschen werden sichtbar aufgenäht. Der hintere Bund wird durch ein eingezogenes Gummiband noch etwas in Form gebracht.
Eigentlich alles nichts besonderes , aber in der Kombination dann doch so überzeugend, daß dieser Rock seiner Bezeichnung "Basics Skirt" durchaus gerecht wird. Er ist weit, aber nicht so weit, daß er unförmig ist. Zum Laufen ist er gut geeignet, Radfahren geht grade so. Der Gummizug im rückwärtigen Bund hat einen guten Effekt auf den Sitz des Rockes. Sonst haben Röcke bei mir immer leicht die Tendenz, vorne hoch und hinten runter zu rutschen, aber durch das Gummi sitzt dieser Rock immer schön in der Taille.

Ich habe Größe  M  genäht und ihn um 7 cm verlängert. Das erwies sich dann als immer noch zu kurz, um den vorgeschlagenen Saum von 5 cm zu nähen. Ich habe dann den Saum wie einen Beleg extra angesetzt, jetzt finde ich die Länge gerade so ok, kürzer dürfte er für mich nicht sein.
Die Anleitung fand ich nicht so optimal, wenn ich ehrlich bin...ich lese ja immer die Anleitungen von Schnitten, weil ich denke, ich kann dabei noch etwas neues lernen. Hier habe ich oft  gestutzt und mich gefragt, wie das jetzt wohl gemeint sein könnte. Vielleicht bin ich auch einfach verwöhnt von den vielen anderen guten Anleitungen, die es bei anderen Schnittmuster-Designerinnen gibt?
Der Stoff ist ein grauer Baumwollstoff, den ich ein Jahr lang im Stoffvorrat gehütet hatte. Ich hatte ihn im letzten Jahr in Lüneburg in der Tillabox erstanden, ein kleiner, feiner Stoffladen in der Innenstadt von Lüneburg. Der Stoff ist so weich, daß ich ihn beim ersten Anfassen für einen Double Gauze hielt, aber er ist wirklich nur ein einfacher Baumwollstoff. Super zu vernähen, und ein Traum beim Tragen.

Dei Frage des passenden Oberteiles hat mich dann auch noch beschäftigt. Am schönsten finde ich ja einen kurzen Pulli zu so einem Rock, und hier ist mein Lieblingsschnitt der Ondee von Deer und Doe. Hier habe ich ihn schon mal gezeigt. Pulliwetter ist zur Zeit ja nicht so wirklich, aber zum Glück kann man Ondee auch aus Jersey nähen, hier hat der Schnitt eine Version mit einem kleinen Kragen, relativ hochgeschlossen. Die Ärmel habe ich weggelassen, und das Saumbündchen auch, nachdem ich bei der ersten Anprobe die Länge (allerdings schon um 5 cm verlängert) genau richtig über dem Rock fand....
 So ganz optimal ist die Länge im Tragetest allerdings doch nicht, denn der Zuppel-Faktor ist doch recht hoch...irgendwie ist das Top doch zu kurz. Vielleicht mache ich doch noch ein Bündchen daran.
Genäht ist das Top aus einem cremefarbenen Noshjersey, von dem ich einen Meter bestellt hatte.
Da der Stoff recht breit war, ich glaube 170 cm, gab es noch Reste für ein zweites Top nach dem gleichen Schnitt: diesmal mit tiefem Ausschnitt und einer Rückenpasse aus einem Spitzenjersey.
Ich hatte hierfür den Schnitt noch um weitere 3 cm verlängert, jetzt finde ich die Länge ideal.
Beide Tops trage ich aber sehr gerne zu meinem neuen Rock und finde mich bei den derzeitigen tropischen Temperaturen gut und passend angezogen.

Die Garderobe der anderen Näherinnen des MeMadeMittwoch an diesem tropischen Mittwoch findet man hier!

Mittwoch, 14. Juni 2017

Willow Tank Top von Grainline Studio

Ich kaufe ja furchtbar gerne neue Schnitte- mehr als ich jemals nähen kann. Das habe ich schon erkannt und versuche wirklich mittlerweile, mich zu bremsen. Zum Glück gibt es auch Schnitte, die mich so wenig interessieren, so daß hier der Verzicht auf den Kauf mir nicht schwer fällt.
Zu diesen Schnitten gehörte bisher das Willow Tank von Grainline Studio.
Ich bin wirklich ein großer Fan der Grainline Schnitte, aber bei diesem Top dachte ich immer, daß ich das nicht brauche. Zu schlicht, ohne Ärmel, dann noch aus Webstoff- wenn ich schon so ein Top nähen würde, dann doch lieber aus Jersey, damit es jedenfalls bequem ist- so meine Gedanken bis vor einigen Wochen.
Aber dann kamim Mai der Sommer mit hohen Temperaturen, und ich hatte das Verlangen nach einem leichten Oberteil. Und in meinem Stoffregal lachte mich dieser Stoff an: ein luftiger Baumwollstoff, freundlicherweise auch in Bioqualität von dem amerikanischen Stoff-Label Cloud9.
Auf eine Bluse hatte ich grade keine Lust, mit Knöpfen, Knopfleiste und was dazu gehört- nein, war mir bei dem warmen Wetter zu aufwendig. Und da fiel mir das Willow Tank Top von Grainline ein, und plötzlich fand ich den Schnitt ideal: ein ganz schlichtes Oberteil, ohne Verschluss, knapp hüftlang und damit sowohl über Röcke als auch Hosen zu tragen.
Meine anfängliche Skepsis bei diesem Schnitt war rasch vergessen. Der Schnitt ist einfach genial: so schlicht wie er ist, merkt man doch das Können der Designerin dahinter. Er hat eben genau die richtige Weite, um ohne Verschluß auszukommen und trotzdem nicht unförmig zu wirken. Die Länge ist  genau richtig, nicht zu kurz und nicht zu lang.

Der Brustabnäher sitzt für mich an der richtigen Stelle- das passiert mir bei Fertigschnitten selten.
Die Verarbeitung sieht Beläge aus Schrägband an Arm- und Halsausschnitt vor. Der Saum unten wird 5 cm umgeschlagen. Es gibt einen genauen Sewalong auf dem Blog von Grainline, wenn man sich manche Schritte nochmal genau erklären lassen möchte.
Das Nähen wurde so zu einem reinen Vergnügen, das allerdings nicht lange anhielt, denn auch mit der Nähdauer kann dieses Top punkten: ich habe die Zeit zwar nicht genau gemessen, aber es waren sicher nicht mehr als drei Stunden, inclusive Kauf des Schnittes , Ausdruck und Zusammenkleben des Schnittes. Das ruft doch schon nach dem nächsten Exemplar!
 Das Top ist so  bequem, daß es an den warmen Tagen fast in Dauerschleife getragen wurde. Auch zum Radfahren hat es sich absolut bewährt.
Dazu trage ich übrigens die Morgan Jeans von Close Case. Auch die empfinde ich bei dem warmen Wetter als sehr angenehm und trage sie viel.

Aber daß wir bei unserer Radtour dieses tolle Kornblumenfeld entdeckte, das war wirklich genial! Ich weiß wirklich nicht, zu welchem landwirtschaftlichen Zweck dieses Feld dient. Vielleicht war es wirklich für radfahrende nähende Bloggerinnen angelegt, damit die ihren passenden Fotohintergrund haben? oder hat jemand eine bessere Erklärung?
Die Garderobe anderer nähende Bloggerinnen, fahrradfahrend oder nicht, findet man heute auf dem Blog des MeMadeMittwoch!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Gedanken zur T-Shirt- Passform: Plantain von DeerandDoe

 


Ups, jetzt hatte ich die Streifen ja völlig vergessen! An diesem Mittwoch ist wieder Motto-Tag beim Memademittwoch, Motto diesmal: Streifen!
Eigentlich wollte ich ja was ganz anderes zeigen, aber dieses andere hat so wenig Streifen, wie man überhaupt nur wenig Streifen haben kann, wäre nämlich geblümt...also habe ich kurzerhand umdisponiert, nachdem ich auf Instagram an das  dieswöchentliche Motto erinnert wurde. Ja, Instagram -Leser wissen eindeutig mehr!

Zum Glück habe ich noch zwei T-Shirts zu zeigen, bei denen zumindest das erste eindeutig gestreift ist. Das zweite zeige ich auch nur, weil ich mir bei diesem Gedanken  und Anpassungen zur Passform gemacht habe.
Nun könnte man zu recht einwenden: braucht denn ein T-Shirt eine gute Paßform? Handelt es sich nicht eher  um ein so simples Kleidungsstück, bei dem man getrost nach dem Motto verfahren kann:sitzt, wackelt und hat Luft? Shirts haben wir alle zu Dutzenden in unseren Schränken, sie werden nach Belieben hervorgeholt, in Taschen zerknüllt, ohne Bügeln wieder angezogen- es sind doch einfach Gebrauchsgegenständen, denen wir  nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Andererseits ist es natürlich schön, wenn man als Selbernäherin gerade diese alltäglichen Teile mit etwas Liebe gestalten kann. Ich jedenfalls freue mich jeden Morgen, wenn ich ein selbstgenähtes T-Shirt aus dem Schrank ziehen kann.

Und da ich in diesem Frühjahr mit dem wechselhaften Wetter das Gefühl hatte, ich bräuchte noch ein neues Shirt mit 3/4 Ärmeln, griff ich mir aus meinem Stoffstapel diesen wunderschönen gestreiften Jersey der Firma Nosh und nähte mir ein Shirt nach dem Schnitt Plantain von DeerandDoe.
Plantain ist ein Gratisschnitt, den es bis vor kurzem nur als PDF zum Zusammenkleben gab. Ich hatte ihn einige Male genäht, den Schnitt dabei geändert, Nahtzugaben angeklebt und wieder abgeschnitten- nein, dieses Schnittmusterteil war nicht mehr zu gebrauchen. Aber DeerandDoe hat mittlerweile auch  auf Schnittmuster im A0-Format umgestellt, und auch das ist bei Plantain kostenlos. Also: Schnitt runtergeladen, zum Plotten geschickt, und dann ging es los.
Genäht habe ich die Größe 40, paßt zu meinen Maßen, und paßt mir auch sonst gut bei DeerandDoe.
Shirt genäht, angezogen- alles gut, es paßte mir, ich war zufrieden.

Nein, ich war nicht zufrieden. Das Shirt hatte eine Paßform, die akzeptabel war, mehr aber auch nicht. Aber diese Paßform haben viele T-Shirts an mir: kleine Fältchen über der Brust, die fast schon einen Abnäher formen möchten, und zuviel Stoff im oberen Rücken und oberen Brustbereich.

Die Brustweite an sich war schon richtig: der Schnitt hat eine leichte negative Bequemlichkeitszugabe von 3cm im Brustbereich, enger möchte ich es eigentlich gar nicht haben.
In der seitlichen Ansicht sieht man deutlich, daß das Shirt vorne hochgezogen wird, die Streifen betonen das noch.

Die Lösung meines Problemes fand ich in einem alten Blogbeitrag von MariaDenmark.  Hier beschreibt sie, daß die meisten Fertigschnitte für B-Körbchen designt sind. Wer eine größere Körbchenweite hat, solle die Größe des Fertigschnittes nach der Oberbrustweite auswählen und eine FBA, ein full bust adjustment durchführen.

Mir schien das einleuchtend, und so habe ich es einfach ausprobiert. Für die FBA gibt es viele Anleitungen im Netz, ich kann hier bespielhaft auf die schöne Anleitung von Crafteln hinweisen.
Kurz gefaßt geht es bei der FBA darum, dem Schnitt im Brustbereich mehr Stoff zu gönnen. Das geht durch drei definierte Einschnitte im Schnitt und ein Verschieben der Schnittmusterteile um den gewünschten Betrag.
Die FBA für T-Shirts hat zwei Besonderheiten: die erste ist natürlich, daß wir den Brustpunkt, den wir ja für unsere Änderungen benötigen, leider nicht dem Schnitt entnehmen  können. Bei Schnitten für Webstoffe läßt sich der Brustpunkt  meistens durch die Position der Abnäher erkennen, bei einem Jerseyschnitt ohne Abnäher geht das natürlich nicht. Da hilft wohl wirklich nur, ein Shirt sich anzuhalten und den Brustpunkt markieren und auf den Schnitt übertragen.
Das andere Problem ist, daß bei der FBA ein neuer Abnäher entsteht. Den könnte man natürlich nähen, dann hat man ein Shirt mit Brustabnäher. Wenn man das nicht will, muß er eliminiert werden, dies wird sehr schön  auf dem Blog von Paprika Pattern beschrieben. Auch Maria Denmark beschreibt ein ähnliches Verfahren .Im Prinzip ist es so, daß der entstandene Brustabnäher in  die Taille gedreht wird und dann das Volumen des neuen Abnähers von der Seitennaht wieder weggenommen wird. Schnitttechnisch vielleicht nicht ganz korrekt, denn es handelt sich hier um eine Parallelverschiebung eines Abnähers- aber bei dehnbaren Stoffen funktioniert sowas wunderbar.
Da ich ja furchtbar gerne an Schnitten herumschnippele oder zeichne, habe ich das mit dem Plantain-Schnitt einfach mal ausprobiert. Ich habe eine FBA von 1,6 cm durchgeführt , wirklich nicht viel, aber das ergab sich rechnerisch so. Die fertigen Schnittteile sahen auch nur wenig anders aus, rein optisch. Aber das Ergebnis fand ich schon überzeugend:

Natürlich gab es immer noch Fältchen im Achselbereich , aber deutlich weniger als bei der ersten Version. Deutlicher wird das in der Seitansicht, denn der Saum wird nach der FBA schön gerade:
Insgesamt war ich schon sehr überrascht, wie deutlich diese geringe Schnittänderung die Paßform beeinflußt, selbst bei diesen dehnbaren Stoffen. Ich fand dieses Experiment hochinteressant. Und zu verlieren hatte ich ja eigentlich nichts, denn natürlich trage ich auch das gestreifte Exemplar ausgesproch gerne, es paßt mir ja auch relativ gut. Aber die Anpassung hat es noch etwas besser gemacht- spannende Angelegenheit, mit der ich mich weiter beschäftigen möchte!
 Der Stoff ist diesmal ein Baumwolljersey von Art Gallery, in der Dehnbarkeit in etwa dem Nosh-Jersey vergleichbar.

Ich trage beide Shirts übrigens sehr gerne, die nicht optimale Paßform des gestreiften fällt erwartungsgemäß im täglichen Gebrauch nicht auf. Und den Schnitt finde ich nach wie vor sehr schön- etwas ausgestellt zum Saum hin, knapp hüftlang, das ist so die Länge, die bei mir zu (fast) allem paßt.
Jetzt bin ich aber doch gespannt auf die anderen gestreiften Kleidungsstücke, die am heutigen Memademittwoch gezeigt werden!

Mittwoch, 31. Mai 2017

Heather die zweite

Ich nähe ja die meisten Schnitte nur einmal- nicht, weil ich unzufrieden mit den Schnitten wäre, nein, die  meisten Schnitte , die ich nähe, gefallen mir sehr gut (schliesslich habe ich sie ja auch aus einer Vielzahl von möglichen zu nähenden Schnitten ausgewählt...)
Aber es gibt so viele spannende Schnitte, die mich interessieren, so daß mir oft einfach keine Zeit für eine Zweitauflage bleibt.
Wenn ich einen Schnitt wiederholt nähe, handelt es  sich a) um einen besonders tollen Schnitt  b) um einen Schnitt, bei dem ich mir eine Optimierung der Paßform überlegt hatte oder  c) um einen Schnitt, nach dem ein neu gekaufter Stoff undbedingt ruft.
Wenn alle drei Dinge zusammen treffen, handelt es sich um den Schitt Heather von Sewoverit und einen  Sommersweat von Albstoffe.

Heather hatte ich schon mal genäht, gefällt mir immer noch sehr gut und wurde in diesem Frühjahr gerne und viel getragen. Eine Version mit Streifen konnte ich mir gut vorstellen, dann aber mit einfarbigen Außenteilen. Die idealen Stoffe dafür entdeckte ich im Stoffbüro: ein gestreifter Sommersweat,  mittelblau mit zarten grauen Streifen, und ein dazu passender Uni-Stoff- perfekt für mein Projekt.

An meiner ersten Heather fand ich ja die Paßform nicht so optimal, ich fand das Kleid im Oberkörperbereich etwas zu weit. Aber anstatt die Teilungsnähte etwas nach innen zu nähen, wollte ich jetzt mal ganz schlau sein: ich nahm mir vor, eine Größe kleiner zu nähen, dafür aber ein Full-Bust-Adjustment durchzuführen und hoffte auf eine ideale Paßform.

Dieser Gedanke war vermutlich ganz richtig, das glaube ich immer noch. Die meisten Fertigschnitte sind ja für ein B-Körbchen gemacht, das heißt für uns C-Körbchen-und-größer-Trägerinnen, daß wir immer eine zu große Größe bei den Fertigschnitten wählen, wenn wir nach der Brustweite gehen.
Mein weiteres Vorgehen allerdings war ziemlich stümperhaft. Ich also die nächstkleinere Größe des Schnittes abgepaust, das war dann die Größe 8 , ist übrigens auch schon die kleinste Größe bei Sewoverit. Dann die FBA versucht, nach einer Anleitung für Prinzeßnähte, wo man ja die FBA vor allem am äußeren Seitenteil vornimmt- ging natürlich nicht, denn Heather hat eben keine richtigen Prinzessnähte, sondern Teilungsnähte, die dem Design und der Taschenformung dienen, soviel habe ich jetzt gelernt.
Der korrekte Weg wäre gewesen, die Teilungsnähte am Schnitt wieder zusammen zu fügen, die FBA vorzunehmen und dann erneut zu teilen.

Für diesen korrekten Weg war ich einfach zu faul. Nachdem ich eine Weile an den Schnittteilen erfolglos herumgestrichelt und geschnippelt hatte, entschied ich mich für den Weg "quick and dirty".
In diesem Fall hieß das, das Mittelteil zu verlängern, um die erforderliche Länge für die größere Brust zu bekommen. Die Seitenteile habe ich einfach aufgespreizt. Und die notwendige Weite wollte ich mir aus der Erweiterug der Seitennaht holen bzw aus einer Verringerung der Nahtzugaben- also wirklich alles quick and dirty, nicht zu empfehlen.

Die Armausschnitte wollte ich in der ursprünglichen Größe 10 lassen, habe sie sogar noch etwas nach unten vergrößert und die Ärmelweite entsprechend erhöht, da mir in der ersten Version die Ärmel etwas zu eng gewesen waren. Das alles hatte ich natürlich nicht auf die Schnitteile augezeichenet, sondern mir lässig beim Zuschneiden überlegt...

Spätestens jetzt merkt die geneigte Leserin, an welcher Phase meiner Nähkünste ich angelangt bin: eindeutig in der Phase, in der ich zwar manche Zusammenhänge der Schnittkonstruktion begriffen habe, aber meine Kenntnisse durchaus nicht Schritt halten können mit dem Zuwachs an Selbstvertrauen oder eher Selbstüberschätzung. Auch ein Schnitt aus dehnbaren Materialien folgt gewissen Grundsätzen, die man nicht einfach lässig vereinfachen darf.
Unter diesen Umstaänden war es eigentlich überraschend, daß Heather II doch noch so gut gelungen ist.  Aber das Kleid ist eindeutig zu eng im Brustbereich. Zum Glück ist der Sweat halbwegs dehnbar, so daß die fehlende Oberweite aus der Dehnbarkeit geholt wird.

Die Schultern sitzen nicht richtig. Das Problem hatte ich schon bei der ersten Version, habe ich jetzt aber durch die kleinere Größe eher verstärkt. Und der Ärmel ist eher zu groß. Zu meiner Ehrenrettung kann ich hier nur vorbringen, daß die andere Schulter besser sitzt: dies ist die rechte Schulter, die bei mir mehr abfallend ist als die andere. Langsam müßte ich wirklich mal anfangen, das bei meiner Schnittanpassung zu berücksichtigen, aber es fällt mir immer zu spät ein...

Als das Kleid fertig war, war ich zunächst maßlos enttäuscht. Die Anpassung war mir nicht gelungen, und ich fand das ganze Kleid auch nicht so schick, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nach den ersten Trageerfahrungen musste ich zum Glück meine Meinung revidieren: dieses Kleid ist genau das, was die Lücke zwischen den alltagstauglichen praktischen Dingen und den "schickeren" Klamotten wunderbar erfüllt.

Die Paßformmängel stören mich im Alltag überhaupt nicht- ja, war eigentlich zu erwarten, man ist da einfach zu pingelig mit sich selbst. Das Kleid ist bequem wie in Sweatshirt, und so durfte es auch mit nach Mecklenburg reisen, wo die Bilder an einem einsamen Strand entstanden sind. Ja, so was gibt es wirklich in Deutschland- die deutsche Ostseeküste ist absolut eine Reise wert!


Zum Fahrradfahren und Strandwandern war das Kleid wunderbar geeignet, und auch bei Schlossbesichtigungen, von denen es in Mecklenburg ja so viele gibt, fühlte ich mich mit Heather immer gut angezogen.

Und so kann ich mir gut noch eine Heather III vorstellen, vielleicht gelingt mir die Anpassung ja doch noch etwas besser. Auch bei diesem Kleid habe ich jedenfalls wieder viel gelernt. Nähen ist so toll!
Was tragen denn die anderen Selbernäherinnen heute so? Das sieht man auf dem Blog des Memademittwoch,  heute von Sybille in einem traumhaften Lempidress angeführt.
verlinkt MMM, ichnähbio

Mittwoch, 17. Mai 2017

Tuuli-Dress von NamedClothing


Das Kleid Tuuli der finnischen Schnittmuster-Designer Named Clothing hatte ich schon bei meiner Wahl des Weihnachtskleides 2016 in der engeren Wahl. Ich fand es damals als Winterkleid nicht passend und nahm mir fest vor, es in der wärmeren Jahreszeit zu nähen.
Auch wenn die Sache mit der wärmeren Jahreszeit eine Weile nicht so eindeutig war, fand ich es jetzt an der Zeit, Tuuli zu nähen. Ausschlaggebend war wieder mal der Stoff, den ich hatte: ein Modaljersey von Lillestoff mit dem schönen Namen Magnolia.
 #einbisschenGlitzermusssein

Modaljersey ist ein tolles Material. Er hat den gleichen schönen Fall wie Viscosejersey, ist dabei aber etwas griffiger und fester. Hergestellt wird Modal aus Zellulosefasern, so wie Viscose. Ausgangsstoff ist für Modal allerdings immer Buchenholz.
Das Tuuli-Kleid ist eigentlich ein recht simpler Schnitt: ein enganliegendes Oberteil mit V-Ausschnitt, darunter ein weiter Rock, der an der Oberkante in gleichmäßige Falten eingelegt wird. Mich erinnerte der Schnitt gleich an Moneta von Colette, auch Moneta hat diese Kombination von engem Oberteil mit weitem Rock, der aber bei Moneta mit Framilon-Band eingekraust wird.
Das Oberteil von Tuuli ist wirklich sehr figurbetont: im Brustbereich hat der Schnitt eine "negative ease" von 12 cm, das ist schon recht enganliegend. Aber kein Wunder, der Schnitt hat ja auch eine Variation als Body, und da muß er natürlich figurbetont sein. Das Positive daran ist, daß Tuuli bei den meisten Frauen sehr gut sitzt- das Oberteil ist so eng, daß es keine Falten schlagen kann

Mein Modaljersey war für diesen Schnitt gut geeignet. Er ist leicht und sehr dehnbar, ich habe ihn allerdings fürs Oberteil gedoppelt, damit sich nicht jede Spur meiner Unterwäsche darunter abzeichnet. Die innere Schicht, also das Futter, ist ein einfarbiger Modaljersey.
die Bilder sind frühmorgens entstanden- deshalb mein verschlafener Gesichtsausdruck...
Im Originalschnitt wird der V-Ausschnitt mit einem Beleg versäubert, der auch am Bund festgenäht wird, sitzt sicher auch gut. Die Absteppung des Beleges  würde genau auf die Faltenkanten  des Rockes treffen - sicher auch ein schöner Effekt, den ich aber hier nicht zeigen kann. Ich habe die Mittelnaht des Vorderteiles einfach mit zwei Coverkettstichnähten betont. Die Spitze des V-Ausschnittes dann genau in die Mitte der beiden Nähte zu bekommen, gelang mir immerhin schon beim zweiten Anlauf .

Das Kleid ist natürlich schnell genäht, auch das Legen der Falten ist nicht sonderlich schwierig, wenn man mal den ersten Schrecken beim Anblick des Schnittmusterbogens überwunden hat. Die Falten sind regelmäßig, und man kann sie einfach ausmessen. Hier ist übrigens auch meine einzige Kritik an dem sonst so durchdachten und schönen Papierschnitt: der Rockteil ist überlappend gedruckt, wohl aufgrund der Breite von knapp 110 cm pro Rockteil. Man kann also nicht einfach ausschneiden, sondern muß abpausen. Ansonsten sind Schnitt und Anleitung perfekt, der Schnitt enthält eine Nahtzugabe von 1cm. Alle Angaben sind sowohl in inch als auch in cm enthalten. Die Angaben der Maße des fertigen Kleidungsstückes sind üppig und enthalten auch die Ärmelmaße, das finde ich schon sehr nett.

Die Hauptschwierigkeit bei Tuuli ist, denke ich, die Gestaltung der Taille. Nach der Anleitung würden die Falten des Rockes geheftet und dann Rock und Oberteil zusammengenäht . Bei einem stabilen Jersey geht das vielleicht ganz gut, aber jeder dünnere Jersey wird durch den weiten Rock (immerhin stattliche 220cm) auseinandergedrückt. Die Taille ist ja überhaupt ein Problem bei vielen Jerseykleidern. Nicht ohne Grund haben die von uns allen so geliebten Knipjerseykleider oft einen separaten Taillenbund, um Stabilität in diesem Bereich zu schaffen, sonst wird so ein Jerseykleid leicht formlos. Andere Schnitte, wie Moneta oder auch das Ladyskater-Kleid, verwenden Framilon-Band, um die Taille zu stabilisieren
Balancieren ist mit passendem Schuhwerk kein Problem..

Im Internet sieht man einige Tuuliversionen, die mit Gürtel getragen werden, ich vermute, hier könnte die formlose Taille der Grund dafür sein (abgesehen davon, dass Tuuli auch mit Gürtel auch sehr gut aussieht!). Nach der Anleitung könnte man dann noch ein Gummiband von innen gegen die Taille nähen, aber möchte man ein Gummiband direkt auf der Haut haben? Ich möchte es nicht!
...ups, wenn die Sache mit dem Gleichgewicht nicht wäre...
Ich habe mich deshalb dafür entschieden, die Taille mit Framilon zu stabilisieren. Framilonband und ich, das war lange Zeit keine große Liebe, überhaupt hatte ich es früher für eine Erfindung der Ottobre gehalten, da wird es ja ständig für alle möglichen Zwecke eingesetzt.
Ich hatte Framilon  erst bei Moneta schätzen gelernt, nicht nur zum Einkrausen, was ich eher etwas unschierig fand, aber es verhindert wirklich auch längerfristig ein Ausleiern der Taille.

Bei meinem Tuuli habe ich der Taille also viel Näh-Aufmerksamkeit geschenkt: zunächst im Rock die Falten geheftet und dann Framilonband unter leichtem Zug mit Zickzackstich aufgenäht. Die Länge des Framilonbandes habe ich vorher ausprobiert, sie lag  bei mir ungefähr bei 85% meines Taillenumfanges. Die Unterkanten des Oberteils, das ja gedoppelt war, hatte ich auch zusammengeheftet. Dann hatte ich anprobiert, wo meine Taille sitzen sollte, das war bei mir etwa 1 cm höher als im Schnitt angegeben, und dann erst mit der Overlock zusammengenäht.
Aber jetzt bin ich mit der Paßform sehr zufrieden.

Überhaupt gefällt mir das ganze Kleid gut. Der Modaljersey fällt wunderschön, und angeblich schwitzt man darin überhaupt nicht- gut , das werden die nächsten warmen Tage zeigen.
ja, die Schuhe passen nicht zum Kleid, aber es war wie gesagt frühmorgens...

Meinem Mann gefiel das Kleid gut, erwartungsgemäß, eigentlich gefallen ihm alle Kleider an mir. Er meinte allerdings, das Kleid würde irgendwie altmodisch aussehen, und da war ich mir dann doch unsicher, ob das als Kompliment gemeint war...
Aber er hat schon recht, so lange Faltenröcke sind eher so 50er Jahre, oder noch früher? Egal, mir gefällt mein Kleid, und in Gedanken plane ich schon das nächste Tuuli. Da ich das Oberteil doppele, ist ja auch eine ärmellose Version leicht machbar, könnte mein Lieblingsschnitt für den Sommer 2017 werden.
Und ihr so? Tragt ihr schon Sommerkleider, oder rechnet ihr noch mit kühleren Tagen? Die Galerie der gut angezogenen Frauen, sprich MemadeMittwoch zeigt es!
Katharina empfängt uns dort mit einem traumhaften Sommerkleid mit interessantem Knotendetail, lädt unbddingt zum Nachmachen ein!

verlinkt: MMM