Mittwoch, 17. Mai 2017

Tuuli-Dress von NamedClothing


Das Kleid Tuuli der finnischen Schnittmuster-Designer Named Clothing hatte ich schon bei meiner Wahl des Weihnachtskleides 2016 in der engeren Wahl. Ich fand es damals als Winterkleid nicht passend und nahm mir fest vor, es in der wärmeren Jahreszeit zu nähen.
Auch wenn die Sache mit der wärmeren Jahreszeit eine Weile nicht so eindeutig war, fand ich es jetzt an der Zeit, Tuuli zu nähen. Ausschlaggebend war wieder mal der Stoff, den ich hatte: ein Modaljersey von Lillestoff mit dem schönen Namen Magnolia.
 #einbisschenGlitzermusssein

Modaljersey ist ein tolles Material. Er hat den gleichen schönen Fall wie Viscosejersey, ist dabei aber etwas griffiger und fester. Hergestellt wird Modal aus Zellulosefasern, so wie Viscose. Ausgangsstoff ist für Modal allerdings immer Buchenholz.
Das Tuuli-Kleid ist eigentlich ein recht simpler Schnitt: ein enganliegendes Oberteil mit V-Ausschnitt, darunter ein weiter Rock, der an der Oberkante in gleichmäßige Falten eingelegt wird. Mich erinnerte der Schnitt gleich an Moneta von Colette, auch Moneta hat diese Kombination von engem Oberteil mit weitem Rock, der aber bei Moneta mit Framilon-Band eingekraust wird.
Das Oberteil von Tuuli ist wirklich sehr figurbetont: im Brustbereich hat der Schnitt eine "negative ease" von 12 cm, das ist schon recht enganliegend. Aber kein Wunder, der Schnitt hat ja auch eine Variation als Body, und da muß er natürlich figurbetont sein. Das Positive daran ist, daß Tuuli bei den meisten Frauen sehr gut sitzt- das Oberteil ist so eng, daß es keine Falten schlagen kann

Mein Modaljersey war für diesen Schnitt gut geeignet. Er ist leicht und sehr dehnbar, ich habe ihn allerdings fürs Oberteil gedoppelt, damit sich nicht jede Spur meiner Unterwäsche darunter abzeichnet. Die innere Schicht, also das Futter, ist ein einfarbiger Modaljersey.
die Bilder sind frühmorgens entstanden- deshalb mein verschlafener Gesichtsausdruck...
Im Originalschnitt wird der V-Ausschnitt mit einem Beleg versäubert, der auch am Bund festgenäht wird, sitzt sicher auch gut. Die Absteppung des Beleges  würde genau auf die Faltenkanten  des Rockes treffen - sicher auch ein schöner Effekt, den ich aber hier nicht zeigen kann. Ich habe die Mittelnaht des Vorderteiles einfach mit zwei Coverkettstichnähten betont. Die Spitze des V-Ausschnittes dann genau in die Mitte der beiden Nähte zu bekommen, gelang mir immerhin schon beim zweiten Anlauf .

Das Kleid ist natürlich schnell genäht, auch das Legen der Falten ist nicht sonderlich schwierig, wenn man mal den ersten Schrecken beim Anblick des Schnittmusterbogens überwunden hat. Die Falten sind regelmäßig, und man kann sie einfach ausmessen. Hier ist übrigens auch meine einzige Kritik an dem sonst so durchdachten und schönen Papierschnitt: der Rockteil ist überlappend gedruckt, wohl aufgrund der Breite von knapp 110 cm pro Rockteil. Man kann also nicht einfach ausschneiden, sondern muß abpausen. Ansonsten sind Schnitt und Anleitung perfekt, der Schnitt enthält eine Nahtzugabe von 1cm. Alle Angaben sind sowohl in inch als auch in cm enthalten. Die Angaben der Maße des fertigen Kleidungsstückes sind üppig und enthalten auch die Ärmelmaße, das finde ich schon sehr nett.

Die Hauptschwierigkeit bei Tuuli ist, denke ich, die Gestaltung der Taille. Nach der Anleitung würden die Falten des Rockes geheftet und dann Rock und Oberteil zusammengenäht . Bei einem stabilen Jersey geht das vielleicht ganz gut, aber jeder dünnere Jersey wird durch den weiten Rock (immerhin stattliche 220cm) auseinandergedrückt. Die Taille ist ja überhaupt ein Problem bei vielen Jerseykleidern. Nicht ohne Grund haben die von uns allen so geliebten Knipjerseykleider oft einen separaten Taillenbund, um Stabilität in diesem Bereich zu schaffen, sonst wird so ein Jerseykleid leicht formlos. Andere Schnitte, wie Moneta oder auch das Ladyskater-Kleid, verwenden Framilon-Band, um die Taille zu stabilisieren
Balancieren ist mit passendem Schuhwerk kein Problem..

Im Internet sieht man einige Tuuliversionen, die mit Gürtel getragen werden, ich vermute, hier könnte die formlose Taille der Grund dafür sein (abgesehen davon, dass Tuuli auch mit Gürtel auch sehr gut aussieht!). Nach der Anleitung könnte man dann noch ein Gummiband von innen gegen die Taille nähen, aber möchte man ein Gummiband direkt auf der Haut haben? Ich möchte es nicht!
...ups, wenn die Sache mit dem Gleichgewicht nicht wäre...
Ich habe mich deshalb dafür entschieden, die Taille mit Framilon zu stabilisieren. Framilonband und ich, das war lange Zeit keine große Liebe, überhaupt hatte ich es früher für eine Erfindung der Ottobre gehalten, da wird es ja ständig für alle möglichen Zwecke eingesetzt.
Ich hatte Framilon  erst bei Moneta schätzen gelernt, nicht nur zum Einkrausen, was ich eher etwas unschierig fand, aber es verhindert wirklich auch längerfristig ein Ausleiern der Taille.

Bei meinem Tuuli habe ich der Taille also viel Näh-Aufmerksamkeit geschenkt: zunächst im Rock die Falten geheftet und dann Framilonband unter leichtem Zug mit Zickzackstich aufgenäht. Die Länge des Framilonbandes habe ich vorher ausprobiert, sie lag  bei mir ungefähr bei 85% meines Taillenumfanges. Die Unterkanten des Oberteils, das ja gedoppelt war, hatte ich auch zusammengeheftet. Dann hatte ich anprobiert, wo meine Taille sitzen sollte, das war bei mir etwa 1 cm höher als im Schnitt angegeben, und dann erst mit der Overlock zusammengenäht.
Aber jetzt bin ich mit der Paßform sehr zufrieden.

Überhaupt gefällt mir das ganze Kleid gut. Der Modaljersey fällt wunderschön, und angeblich schwitzt man darin überhaupt nicht- gut , das werden die nächsten warmen Tage zeigen.
ja, die Schuhe passen nicht zum Kleid, aber es war wie gesagt frühmorgens...

Meinem Mann gefiel das Kleid gut, erwartungsgemäß, eigentlich gefallen ihm alle Kleider an mir. Er meinte allerdings, das Kleid würde irgendwie altmodisch aussehen, und da war ich mir dann doch unsicher, ob das als Kompliment gemeint war...
Aber er hat schon recht, so lange Faltenröcke sind eher so 50er Jahre, oder noch früher? Egal, mir gefällt mein Kleid, und in Gedanken plane ich schon das nächste Tuuli. Da ich das Oberteil doppele, ist ja auch eine ärmellose Version leicht machbar, könnte mein Lieblingsschnitt für den Sommer 2017 werden.
Und ihr so? Tragt ihr schon Sommerkleider, oder rechnet ihr noch mit kühleren Tagen? Die Galerie der gut angezogenen Frauen, sprich MemadeMittwoch zeigt es!
Katharina empfängt uns dort mit einem traumhaften Sommerkleid mit interessantem Knotendetail, lädt unbddingt zum Nachmachen ein!

verlinkt: MMM 
              

Mittwoch, 3. Mai 2017

Kellyanorak von Closet Case Patterns



Den Kelly-Anorak habe ich schon einige Male genäht- leider die ersten Male nur in meiner Phantasie. Denn sobald ich einen interessanten Schnitt sehe, beginnt mein Kopf-Kino zu arbeiten: wie würde ich das nähen? welcher Stoff eignet sich dafür, habe ich einen Stoff im Vorrat, wo habe ich einen passenden gesehen? Steht mir der Schnitt, oder kann ich mir das Teil  gar nicht an mir vorstellen?
Als der Schnitt für den Kellyanorak im letzten Herbst veröffentlicht wurde, war ich sofort begeistert. Die großen Taschen, die Kapuze, der Kordelzug in der Taille, das gefiel mir alles sehr gut. Ich hätte ihn gerne sofort genäht, aber mein Kopf-Kino wurde zunächst gebremst: der Schnitt ist ungefüttert, und der deutsche Winter nahte- keine gute Kombination.

Die Designerin und Bloggerin von ClosetCase hatte diese Gedanken wohl gespürt und veröffentlichte kurz darauf eine Version des Anoraks mit Futter, allerdings nur eine Fassung, bei der der Außenstoff mit einem Futterstoff gedoppelt wird und das ganze wie eine Stofflage verarbeitet wird. Das kann man natürlich machen, aber mittlerweile (wir waren jetzt im Winter) schwebte mir in meiner Phantasie eher eine wasserdichte Version vor, aus einem Funktionsstoff. Wenn so ein Anorak wasserdicht werden soll, muß man aber auch die Nähte abdichten, und das geht bei dieser Version natürlich nicht mehr. Also. Kopfkino erst mal wieder abgestellt, und andere Dinge genäht...
Zum Frühjahr hin war ich mir dann wieder sicher, genau diesen Anorak zu benötigen. Ein wasserdichter Stoff, oder beschichtete Baumwolle sollte es werden, das Futter vielleicht aus Flanell, und den Futterschnitt würde ich selbst konstruieren- das war so die Version in den kühnsten Träumen.
Ich habe mir dann viele , viele Stoffproben schicken lassen. Bei der Farbe war ich mir auch sicher, denn er sollte blau werden, aber keinesfalls dunkelblau oder marine, sondern ein zartes Mittelblau, irgendwas zwischen taubenblau und jeansblau...

Wer schon mal einen bestimmten Stoff in einer bestimmten Farbe gesucht hat, ahnt was jetzt kommt. Natürlich habe ich diesen Stoff nicht gefunden. Die Funktionsstoffe waren sicher super in ihrer Funktion, fühlten sich aber furchtbar nach Plastik an und rochen auch so- nein, so etwas wollte ich nicht auf meinem Nähtisch haben. Beschichtete Baumwolle gibt es durchaus, aber nicht in der Farbe und Qualität , die ich wollte. Und ein unbeschichteter Baumwollstoff? Lange habe ich auch hier gesucht, nach einem Twill oder Canvas. Gibt es reichlich, in beige, schwarz, braun , grün oder marine- aber keine Farbe, die mir gefiel.
Bevor ich dann erneut die Lichter in meinem Kopfkino wieder ausschaltete, schaute ich nochmal auf den Blog von Closetcase. Hier gab es wirklich einen ausführlichen Artikel zu Stoffwahl für Kelly, als der ideale Stoff wurde ein Baumwolltwill von Robert Kaufmann erwähnt. Eher aus Langweile folgte ich dem Link auf die Seite von fabric.com, ein amerikanischer Stoff-Onlinehandel. Und da war der Stoff: ein weicher Baumwolltwill, und in allen erdenklichen Farben! Ein Blau gefiel mir schon, aber dann war da dieser fliederfarbene Stoff...flugs wurde das Programm im Kopfkino geändert, und ich wollte jetzt unbedingt einen fliederfarbenen Anorak nähen.

Eine Weile versuchte ich am Rechner, einen europäischen Händler für diesen Stoff zu finden, aber ohne Erfolg. Also in den USA bestellen? Nun ist Stoff bestellen in den USA einfach, bezahlen auch, nur über die Lieferung liest man immer wieder Schreckgeschichten auf den Blogs. Da wird von langen Lieferfristen berichtet, von Abholungen auf Zollämtern, horrenden Zollgebühren, unfreundliche Zollbeamten. Aber was tut man nicht alles für den idealen Stoff für ein lang geplantes Nähprojekt? Kurz checkte ich noch mal die Öffnungszeiten des Hanauer Hauptzollamtes, fand sie zumindest freitags mit meinen Arbeitszeiten kompatibel- und bestellte den Stoff in den USA.
Das ganze war Freitag abend, Mittwochs wurde mein Stoff geliefert.

Unser wie immer wortkarge UPS-Bote brachte mir das Päckchen an die Haustür, wollte  9 Euro Einfuhrumsatzsteuer dafür kassieren, die ich ihm natürlich gerne gab. Ein Brief von UPS wenig später brachte mir Klarheit: anscheinend fällt bei Sendungen in einem Warenwert unter 150 € nur eine Einfuhrumsatzsteuer  von 19% an, die üblicherweise wohl von den Paketdiensten vorgelegt wird. Also nichts mit Zollamt, dafür eine Lieferfrist, von der manche deutsche Onlingeschäfte nur träumen können.
Der Preis des Stoffes hielt sich durchaus im Rahmen, da die Stoffe in den USA so günstig sind, auch wenn das Porto und die Steuer dazu kommen. Über die ökologische Bilanz dieses Transportes mag ich jedoch nicht nachdenken. Dieser Stoff ist ja auch nicht in Amerika hergestellt, sondern vermutlich in Fernost, dann von da nach den USA, und dann nach Deutschland zu mir geflogen worden. Also einmal eine Reise um die halbe Welt, nur damit ich mir einen fliederfarbenen Kelly-Anorak nähen kann..

Der Stoff ist aber schon sehr schön. Fest, dicht gewebt, dabei ganz weich- ich habe selten so einen schönen Stoff in der Hand gehabt. Und so ein schöner Stoff verlangt nach einer schönen Verarbeitung, und so war mir bald klar, daß ich die Nähte mir einer Hongkong-Einfassung aus einem Liberty-Schätzchen verarbeiten würde. Und irgendwie mußte ich ja auch das Blumen-Thema des heutigen Memade-Mittwochs aufgreifen...

Der Libertystoff war auch schon angeschnitten, da ich die Innentaschen meiner Ginger-Jeans daraus gearbeitet hatte. Und wer genau hinschaut, sieht daß ich den Rand des Untertrittes damals auch mit einer Hongkong-Einfassung versehen hatte, auch wenn ich damals noch gar nicht wußte, daß das so heißt.
Bis vor kurzem war es mir  nicht klar, daß es verschiedene Techniken gibt, eine Nahtzugabe mit Stoff schön dekorativ einzufassen. Ich kannte das Ergebnis von hochwertiger Kaufkleidung, und fand es immer schon sehr schön.
Auch hier half mir der Blog von ClosetCase weiter, denn es gibt einen ausführlichen Bericht über die verschiedenen Techniken. Ein Weg ist das Einfassen mit einem vorgefalteten Schrägband, das man, wie auch immer, um den Nahtzugabenrand befestigt. Der einfachere Weg ist das Hongkong- Finish: der Schrägstreifen, ungefalzt, wird rechts auf rechts auf der Nahtzugabe genäht, um die Nahtzugabe herumgelegt und im Nahtschatten nochmals festgenäht. Optimalerweise läuft zwischendurch auch noch ein Kontakt mit dem Bügeleisen ab. Die umgeschlagene Kante des Schrägbandes bleibt bei dieser Version unversäubert, dewegen geht das auch nur bei Nähten, die nochmals abgesteppt oder festgenäht werden, und das ist bei diesem Anorak fast durchweg der Fall.

 Lediglich die Ärmeleinsatznaht wird nicht abgesteppt, und hier habe ich dann wirklich den Schrägstreifen vorher durch den Schrägbandfalter gejagt und die Nahtzugabe dann mit dem gefalteten Schrägband gebunden. Vorher hatte ich allerdings diese Kante noch mit der Overlock versäubert, da ich meinem zierlichen Schrägband nicht so recht die Haltefunktion zutraute.

Mir hat diese Art der Nahtversäuberung unglaublich viel Spaß gemacht. Natürlich ist es mehr Arbeit als nur mit der Overlock über die Nahtzugaben zu rattern. Aber es ist so viel schöner, und es macht einfach  Freude, ein hochwertiges Kleidungsstück zu produzieren.

Das Nähen des Anoraks war kein besonderes Problem- so würde ich gerne etwas hochtrabend berichten, trifft aber natürlich nicht zu. Aber es ist machbar, ich würde sagen für jeden, der darauf Lust hat, sich Mühe gibt und Zeit nimmt und einen ambitionierten Nahttrenner besitzt...
Nein, so schlimm war es wirklich nicht. Der erste Schreck sind natürlich die vielen Teile, die alle ihren Platz finden müssen. Aber es ist ein guter und professioneller Schnitt, alle Teile haben die erforderlichen Bezeichnungen und Paßzeichen.


Die Anleitung ist hervorragend , und für die schwierigen Stellen gibt es Artikel auf dem Blog von Closet Case, in denen sie erklärt werden.
Neu waren für mich die Beutel-Taschen, und natürlich der Reißverschluß, der ordentlich mit Beleg und Blende eingefaßt wird.

Die Hardware, also Reißverschluß, Knöpfe und Ösen waren übrigens das, was durchaus ins Geld ging. Ich glaube, der Betrag, den ich im Kurzwarengeschäft gelassen habe, entsprach in etwa dem Preis des Stoffes. Hätte man sicher online auch günstiger bekommen, aber wenn man eine Kordel im gleichen Roseton wie den Reißverschluß sucht, braucht man schon ein "richtiges" Geschäft.
Das Einschlagen der Druckknöpfe war völlig problemlos, ich hatte hier die Anorak-Druckknöpfe von Prym verwendet. Meine Hauptschwierigkeit bei den ersten Knöpfen war das Stanzen des Loches in den Stoff, da der mitgelieferte kleine Stanzzylinder dafür meiner Meinung nach völlig ungeeignet ist. Das hat mich zum Kauf einer Ahle geführt- gibt es übrigens nicht im Baumarkt, wo ich zuerst danach gesucht hatte, sondern wirklich im Nähgeschäft. Die Ahle bohrt das Loch wunderbar vor, und zwar durch ein Auseinanderdrängen der Fasern, also fast ohne größere Verletzungen des Stoffes. Das war schon ein tröstender Gedanke, denn immerhin führt man diese Prozedur am fertigen und wunderschönen Kleidungsstück aus, und mir fiel es richtig schwer, die schöne Knopfleiste zu durchlöchern. Aber ich denke, es hat sich gelohnt, es macht den Anorak doch etwas "professioneller" vom Aussehen her.
Genäht habe ich Größe 10, ohne Änderungen. Auf ein Probeteil hatte ich großzügig verzichtet, denn ich hatte ja bereits den Mantel Clare von Closet Case genäht, der mir gut paßt. Kelly ist auch nicht sehr paßformsensibel, da die Taille durch den Kordelzug beliebig gerafft werden kann.
Die Kapuze paßt mir gut und kann durch zwei Knöpfe verschlossen werden.
An den Ärmeln habe ich noch einen zweiten Druckknopf weiter innen angebracht, damit ich die Ärmel notfalls weiter verschliessen kann. Das hat sich beim Fahrradfahren schon bewährt, damit der Fahrtwind nicht so von vorne in die Jacke hineinwehen kann.
Insgesamt bin ich sehr , sehr glücklich mit meinem neuen Anorak. Und natürlich auch stolz, das gebe ich gerne zu, denn ich habe ein wunderschönes Kleidungsstück hergestellt, das keiner außer mir so besitzt, und dabei so manche Schwierigkeiten erfolgreich gemeistert. Das Nähen von Jacken oder auch Mänteln hat doch noch mal eine andere Dimension beim Nähen als das Herstellen von T-Shirts, Hosen oder Kleidern, finde ich...irgendwie dachte ich doch immer, daß man diese Domainen der Kaufklamottenhersteller nicht so ohne weiteres würde erobern können. Umso schöner, wenn es doch gelingt!
Das Shirt ist übrigens einer meiner ersten genähten T-Shirts. Ein Knotenschnitt, wie es damals so modern war, von der Schnittquelle. Eigentlich ein schönes Shirt, allerdings ist der Stoff 100% Polyester, und ich schwitze sehr leicht darin, deswegen trage ich es nicht gerne.
 Was zeigen denn die anderen Selbermacherinnen heute? Ich freue mich heute auf viele geblümte Inspirationen auf dem Memademittwoch
Schnitt: Kelly-Anorak  von ClosetCase, Gr. 10
Stoff: Robert Kaufmann Ventana Twill Light purple

Mittwoch, 5. April 2017

Pinda Pants von Waffle Pattern


Heute zeige ich mal eine Jeans.
 Jaja, ich weiß, meine letzte Jeanspräsentation auf diesem Blog ist erst zwei Wochen her, und die Woche davor gabe es auch hier Jeans- ich verstehe jeden Leser, der sich jetzt gelangweilt weiterklickt.  Aber hätte ich an diesem total genialen neuen Jeansschnitt vorbeigehen können, ohne ihn zu nähen? Nein, das konnte ich nicht, und deshalb müssen jetzt alle mal hier durch , daß ich schon wieder über das Jeansnähen berichte.
Also, ich berichte hier über den neuesten Streich aus dem Hause Waffle Pattern, die Pinda Pant. Waffle Pattern war mir bisher nur als Label für Mäntel und Jacken ein Begriff. Der von uns allen geliebte Schnitt Pepernoot stammt aus der Feder von Yuki, der Designerin von Waffle Pattern, um nur einen der absolut gelungenen und durchdachten Schnitte zu erwähnen.
Nun also eine Jeans. Schmal geschnitten, dies wird noch betont durch lange Abnäher an den Unterschenkeln. Der Hüftbereich wird durch auffällige Taschen betont. Im Vorderteil gibt es drei Taschen-Optionen: eine normale schräge Eingrifftasche, ein schräge Tasche mit Klappe und eine aufgesetzte Tasche, in die auch noch ein Reißverschluß eingearbeitet werden kann. Für diese Option habe ich mich entschieden. Der Reißverschluß ist übrigens nur Fake und hat keine Funktion.

Bei den Gesäßtaschen hat man die Wahlmöglichkeit zwischen einer einfachen Tasche und einer mit einer tiefen Kellerfalte, die ich genäht habe. Auch auf die Oberschenkel könnte man noch eine Tasche aufsetzen, das gibt dann so etwas wie einen Cargo-Stil.

Der Schnitt ist zwar schmal an den Beinen, im Hüftbereich aber durchaus weiter als z.B. der Ginger Schnitt. Dies führt zu einer unglaublichen Bequemlichkeit der Hose, aber natürlich auch zu mehr Falten im Schrittbereich.

Als ich mir die Bilder angeschaut hatte , war ich zunächst etwas entsetzt und wusste nicht so recht, ob ich sie wirklich zeigen sollte. So viele Falten im Schrittbereich? Saß die Hose wirklich so schlecht, mußte ich sie nicht erst einmal besser anpassen?
Dann schaute ich mir noch mal die Bilder auf Yukis Blog an:


und nachdem da die gleichen Falten sichtbar sind, erkläre ich sie hier eindeutig zum Designmerkmal.
Pinda soll wohl wirklich eher locker im Hüftbereich sitzen. Ginger z.B. hat im Hüftbereich eine "negative ease", also eine negative Bequemlichkeitszugabe von 3 cm. Pinda hat eine positive ease von 0,5 cm
Der Kontakt mit Waffel Pattern verlief übrigens ausgesprochen nett und erfreulich. Der Schnitt wird als Papierschnitt angeboten mit Anleitung in elektronischer Form, dazu aber auch die Option eines pdf  inclusive A0-Format. Da hat man also wirklich alles, sowohl einen Originalschnitt als auch die  Möglichkeit, ihn nochmals auszudrucken.  Natürlich gibt es den Schnitt aber auch nur als pdf. Auf dem Schntt ist sowohl die Nahtlinie als auch eine Nahtzugabe von 1,2m vorhanden- auch hier alles, was das (Näh)herz begehrt.

Ich hatte nach dem Bestellen Probleme mit dem Download der Datei. Ich vermute ja, daß es an mir oder meinem Computer lag, kam aber einfach nicht weiter. Ich habe dann Yuki eine e-mail geschickt, innerhalb von 10 Minuten kam die Antwort mit einem erneuten Download-Link, der dann funktionierte. So einen tollen Service hat man nicht überall. Und der Papierschnitt traf dann auch 2 Tage später ein, zusammen mit einem kleinen Tütchen Knöpfe...Ich fand diesen ganzen Kontakt einfach unglaublich nett und habe mich umso mehr gefreut, den Schnitt bald zu nähen.

Der Schnitt ist für Jeansstretch gedacht, und da hatte ich auch noch einen im Vorrat. Er hat glaube ich einen gewissen Polyester-Anteil und eine gute Dehnbarkeit.
Die Anleitung von Yuki ist sehr gut. Auf den ersten Blick hatte ich Bedenken, daß sie zu kurz gefaßt wäre, aber das trifft nicht zu. Man muß nur jedes Wort lesen, jedes Wort ist wichtig und richtig, dann kommt man gut zurecht. Hervorragend fand ich die Grafiken, die wirklich jeden Arbeitsschritt erläuterten. Ich habe auf der Website von Waffle Pattern gelesen daß Yuki eine Ausbildung als Graphik-Designerin hat. Vermutlich stammen die Abbildungen auch von ihr selbst, sie sind jedenfalls unglaublich gut und informativ. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, diese mindestens dreidimensionalen Tätigkeiten im Nähprozess auf den zwei Dimensionen des Papiers resp elektronischen Bildschirms abzubilden, aber dieses Kunstsück gelingt hier. Das Nähen des Hosenschlitzes ist anders als bei den Gingerjeans, der Vorderteilbeleg wird hier nicht angeschnitten, sondern extra angenäht.. Kurz war ich in Versuchung, hier auf die bewährte Anleitung von Closet Case zurück zu greifen, aber meine Neugier hat dann gesiegt und ich habe die vorgegebene Fassung genäht. Es ging auch sehr gut, wobei ich die Version von Closet Case vielleicht doch für etwas idiotensicherer oder anfängertauglicher halte.

Die Anleitung gibt es übrigens auch auf japanisch. Ich hatte aus Interesse mal hineingeschaut, aber hmm, mein japanisch ist grade nicht so fließend, ich blieb dann doch lieber bei der englischen Fassung...

Icxh habe Größe 38 genäht, an der Taille zu 40 auslaufend, aber nachher wieder etwas an Weite in der Taille herausgenommen, als erkennbar wurde, daß die Paßform doch recht großzügig ist. Die Schrittkurve habe ich nach meinem Grundschnitt geändert.

Die Länge habe ich nicht geändert, dies ist die Originallänge, etwa knöchellang, die ich aber sehr schön finde. Ich bin 168 cm groß, das scheint mit den Massen von Waffle Patterns gut kompatibel zu sein.


Die Jeans hat jetzt schon die ersten Tage ihre Alltagstauglichkeit beweisen müssen, denn freiwillig ziehe ich sie nicht mehr aus. Sie sind etwas bequemer als die Ginger Jeans, die ich aber auch sehr gerne trage. Und die Ginger waren in der Wäsche und müssten noch gebügelt werden, das spricht doch sehr dafür, diesen Tragetest der Pinda in den nächsten Tagen unbedingt fortzuführen.

Also, ein wunderschöner Jeansschnitt, den ich sicher noch öfters nähen werde. Durch die verschiedenen Taschenoptionen gibt es ja auch noch etliche andere Variationsmöglichkeiten.


Meine Stoffvorräte an Jeansstoff habe ich jetzt jedenfalls aufgebraucht und ich kann neuen Jeansstoff kaufen, halt , einer ist noch da, ein weißer Stretch-Jeansstoff. Vielleicht wird daraus eine weiße Pinda mit Klappentaschen?
Ach ja, und dann muß ich ja noch einen eleganten Schnörkel finden, um diese Jeans mit dem Frühlingserwachen , das heute als Thema im Memademittwoch vorgegeben ist, zu verbinden. Aber hiermit erkäre ich die Pinda Pants einfach zu meinen Frühlings-Jeans, dann paßt das schon!

Mittwoch, 29. März 2017

Jersey-Kleid Fashion Style 3/2017


Die Fashion Style ist eine anscheinend unerschöpfliche Quelle für schöne Jersey-Schnitte.
Dieses Kleid in der aktuellen Ausgabe habe ich gesehen und beim ersten Lesen bereits beschlossen, es zu nähen. Andere Nähpläne wurden dafür gerne nach hinten geschoben.

Ich bewundere ja die ganz planmäßigen Näherinnen, die zum Jahreszeitenwechsel ihren sowieso schon aufgeräumten Kleiderschrank durchschauen und dann gezielt nur das ergänzen, was fehlt. ("dunkelblauer  knielanger Rock, 1 Bluse, hell, 2 Shirts, eines davon weiß...")
Natürlich mache ich auch Nähpläne, aber bei mir geht das doch eher nach dem Lustprinzip. Ich nähe das, was mich gerade am meisten reizt, und wenn dafür Pläne geändert werden, finde ich das auch nicht so schlimm.

Andererseits miste ich meinen Kleiderschrank auch sehr gerne aus und sortiere hemmungslos aus, was nicht getragen wird. Auch von meinen genähten Sachen trenne ich mich ohne Probleme, wenn ich sie nicht trage. Natürlich frage ich mich, woran es liegt, versuche aus Paßformmängeln zu lernen und vor allem auch zu lernen, was mir steht und zu welchen Dingen ich im Alltag immer wieder greife. Denn ich glaube, das ist doch mein Hauptthema beim Nähen, ich möchte Kleidungsstücke für jeden Tag nähen, nicht das tolle Abendkleid, das nur einmal im Jahr herausgeholt wird.

Dieses Kleid hat durchaus Potential, zu einem Liebling zu werden. Der erste Pluspunkt ist ja schon mal das Material: Jersey trägt sich einfach gut, ist bequem, und wenn es dann auch noch so ein schön gemusterter Stoff ist, umso lieber..
Es handelt sich um einen Baumwoll-Jersey der dänischen Firma Stof, bezogen habe ich ihn hier.
Ein wunderschöner Jersey, weich und trotzdem schön stabil beim Nähen. Die Farben, Blau- und Türkistöne, machen Lust auf Sommer, Wärme, Meer, und was dazu gehört. Ich kam mit meinen vorhandenen 150 cm Stoff ganz gut hin ( er ist allerdings auch 1,60 breit) , in der Anleitung stehen 2,25m, gilt aber wohl eher für Stoffe mit einer Richtung. Den Blättern auf meinem Stoff ist es egal, wenn sie auf dem Kopf stehen.
Für die Belege des Taillenbundes hat der Stoff aber dann doch nicht mehr gereicht, auch mit viel gutem Willen und Stückeln nicht. Die wurden dann aus einem einfarbigen dunkelblauen Jersey zugeschnitten, das stört ja nun wirklich nicht.

Der Schnitt: figurbetontes Oberteil mit Einkräuselungen über beiden Brüsten, das kennen wir von vielen anderen Schnitten. Spontan fällt mir da der Klassiker Ajaccio (Schnittquelle ) ein,  aber auch bei meinem Lieblingskleid Sureau von DeerandDoe sind ähnliche Kräuselungen vorhanden.
Die Kräuselungen bei dem heutigen Kleid werde von einer zierlichen Blende in der vorderen Mitte gehalten.

Das Nähen dieser Blende war auch die einzige Schwierigkeit dieses Kleides. Ich hatte mich an die Anleitung gehalten und nur den Beleg der Blende verstärkt. Natürlich hatte ich eine dehnbare Einlage verwendet, aber trotzdem verhält sich der so verstärkte Stoff ganz anders als der nicht verstärkte, der  sich nun mal beim Nähen dehnt, was soll ein Jersey auch anderes machen. Wenn man diese beiden Stoffschichten gemeinsam verarbeitet, kann das vielleicht gut gehen, meistens geht es nicht gut. Bei mir ging es auch nicht gut und führte zu  wiederholt aufgetrennten Nähten, Verwünschungen des Stoffes, des Schnittes und des Nähens im Allgemeinen...also das übliche Programm, wenn etwas nicht so klappt wie man es möchte.....

Irgendwie hat es dann doch funktioniert. Ich habe  den Nähfußdruck stark reduziert, viel gedrückt und geschoben beim Nähen, und dann hat doch alles gepaßt. Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, würde ich auf das Verstärken der Blende verzichten. Insbesondere ein Baumwolljersey hat genug Standfestigkeit dafür, zumal er ja auch doppelt genommen wird.
Das Kleid hat einen Taillenbund, also wieder ganz typisch Knip bzw Fashion-Style. Bei der ersten Anprobe fand ich ihn etwas tief, ich habe dann das Oberteil um 1,5 cm verkürzt, jetzt sitzt die Taille richtig.
Der Rock ist ein Tellerrock, ich glaube, ein halber Teller. Er ist aus 4 Teilen geschnitten, und  der Fadenlauf (resp Maschenlauf ) entspricht eben nicht der vorderen oder hinteren Mitte, sondern ist um 45° verschoben. Das führt zu einem schönen Fall des Rockes.

Ich habe übrigens auf den vorgesehen Reißverschluß verzichtet. Jersey und Reißverschluß schliessen sich für mich aus, das ist vielleicht ein Vorurteil, aber bisher komme ich damit ganz gut klar. Bei diesem Kleid geht es auch ganz gut. Ich könnte mir allerdings denken, daß hier der abgesteppte Bund der limitierende Faktor wird, wenn er mit der normalen Nähmaschine genäht wird. Ich habe mit der Cover abgesteppt, das ist natürlich schön dehnbar.

Für mich hat der Schnitt unbedingt das Potential zur Wiederholung. In der Fahion Style ist noch eine Version in Maxilänge, die sieht auch total schick aus. Aber auch als Shirt oder Tunika könnte ich mit dieses Oberteil gut vorstellen. Oder ärmellos? Der Sommer kommt ja auch bald!
Ina empfängt uns heute am Memademittwoch in einem traumhaften Rock, auch nach einem Schnitt aus der Fashion Style. Und alle anderen gut gekleideten Frauen findet man hier in der Galerie des Memademittwoch.
Schnitt: Fashion Style 3/2017, Kleid 22, Gr. 36
Stoff: Avalana von Stof, bezogen über 1000Stoff
verlinkt: Memademittwoch