Mittwoch, 2. Mai 2018

Frühling im Jonidress von Tillyandthebuttons


Heute zeige ich meine zweite Version des Jonikleides aus dem neuen Buch "Stretch" von Tilly and the Buttons. Als erste Version hatte ich den Schnitt auf Tunikalänge gekürzt, den Blogpost darüber sowie meine Erfahrungen mit dem Buch könnt Ihr hier nachlesen.

Nachdem mir die Tunika so gut gefallen hatte, mußte ich unbedingt noch eine Version nähen, diesmal aber als Kleid, so wie es ja auch im Original vorgeshen ist. Joni ist ein Jerseykleidschnitt mit einer Verknotung im Vorderteil. Diese Verknotungen wirken immer gut aus einem gestreiften Stoff, und so mußte es diesmal ein Streifenjersey sein.
Meine Wahl fiel auf einen butterweichen Modaljersey, den ich hier bezogen habe. Die Farben dunkelblau/weiß sind nicht unbedingt originell, dafür aber gut mit meiner übrigen Garderobe kombinierbar.

Ich trage schon gerne gestreifte Kleidungsstücke, aber leider steht ja am Anfang immer das Zuschneiden und die Streifenanpassung beim Nähen. Allzu pingelig bin ich  ehrlich gesagt nicht, was die genaue Streifenanpassung angeht. Bei Kaufkleidung achtet auch kein Mensch darauf, wenn die Streifen nicht genau aufeinander treffen.

Größere Mühe verwende ich bei gestreiften Stoffen vor allem auf das Zuschneiden. Früher habe ich oft versucht, auch gestreiften Stoff im Bruch zuzuschneiden. Ich hatte dann die Streifen mit vielen Stecknadeln aufeinander gesteckt, aber trotzdem war das Ergebnis  nicht gut. Jetzt schneide ich den Streifenstoff immer in einfacher Lage zu, das klappt wesentlich besser und ist nicht so mühsam. Ich versuche schon, die Streifen an prominenten Stellen aufeinander treffen zu lassen, aber nachdem ich dann irgendwann mal begriffen hatte, daß das einfach nicht immer geht, bin ich da wesentlich gelassener geworden.

Da ich die Erfahrung gemacht habe, daß sich die Stofflagen beim Nähen mit der Overlock immer leicht etwas verschieben, hefte ich die Nähte, bei denen es mir darauf ankommt, vorher mit der Nähmaschine. Auf diese Art entsteht eine zumindest für mich akzeptable Anpassung der Streifen. Und wenn dann wirklich mal ein kleiner Versatz eines Streifens ist, stört mich das nicht. Und ich bin mir sicher, daß das außer diversen Nähnerds  auch kein anderer sieht.

Der Modaljersey war sehr angenehm zu verarbeiten , da sich die Kanten nicht nach innen einrollten und er schön seine Form behielt. Die Dehnbarkeit war allerdings  geringer als die des Viskosejerseys, aus dem ich mein erstes Joni genäht hatte. Beim Nähen war ich dann doch dankbar für die üppige Nahtzugabe von 15 mm, die dieser Schnitt hat, denn an den Seitennähten konnte ich so die Nahtzugabe etwas verringern. Sonst wäre das Kleid etwas zu eng geworden.
Der Rock ist schön weit und schwingend, die Länge habe ich um ca 3 cm verlängert.
 Leider hat der brütende Storch im Hintergrund uns nicht den Gefallen getan, sich mal während unserer Fotosession aufzusetzen. Na gut, er musste ja auch die Eier warm halten...aber jedenfalls der Partner hätte ja mal dekorativ anfliegen können!
Die Knotenkonstruktion des Kleides ist schon interessant. Beim zweiten Nähen eines Schnittes macht man sich ja doch noch mehr Gedanken als bei der Premiere, bei der es mehr um das Zustandebringen eines tragbaren Teiles geht.

Der Knoten, oder eher die Verschlingung, liegt deutlich über der Brustlinie, das ist ja das, was mir an diesem Schnitt so gut gefällt. Dadurch klafft das Vorderteil nicht auf und ich kann das Kleid auch ohne Unterziehtop tragen. Die Konsequenz aus dieser Schnittvariante ist aber natürlich, daß die durch die Verschlingung drapierten Falten nicht da liegen, wo Volumen gebraucht wird, nämlich über der Brust, sondern höher. Das stört bei diesem Schnitt überraschenderweise überhaupt nicht, finde ich. Man könnte natürlich auch immer, vor allem vor den Fotos, die Drapierungen über die Brust runter ziehen. Im Internet gibt es einzelne Beispiele von Joni, die so gezeigt werden- ich glaube aber nicht, daß der Schnitt so gedacht ist.
Die Ausschnittverarbeitung würde ich gern noch optimieren. Gut finde ich immer noch, daß die seitlichen Ausschnittkanten mit einem inneliegenden Bündchen stabilisiert werden. Aber in der vorderen Mitte, also da , wo die Verschlingung ist, ist ein ca 3cm langer Bereich, in dem die Nahtzugabe nur einfach umgeschlagen  und dann seitlich  und in der Mitte eingeschnitten wird. Die Kante wird schon vorher ordentlich mit einer Stütznaht gesichert, und  der Jersey franst natürlich auch nicht aus. Trotzdem ist das ein Bereich, der für mich einfach unsauber aussieht. Auf den Bildern kann man das nur erahnen. Ich habe noch versucht, ein Bild von links zu machen, aber das ist auch nicht besser erkennbar...ist vielleicht auch nicht so wichtig, aber ich habe es einfach gerne, wenn die Verarbeitung auch von links gut aussieht, gerade bei einem so einfachen Schnitt.

Vielleicht wäre es besser, das innenliegende Bündchen über die gesamte Kante zu führen und dann erst die Verschlingung zu machen. Möglicherweise wird dann aber der Knoten  zu knubbelig, oder bekommt er  erst das richtige Volumen? Joni III wird es zeigen!
Was trägt frau denn auf einer Fahrradtour im Frühling, wenn das Joni-Kleid irgendwann  zu kalt wird? Klar, einen Kelly-Anorak von Closet Case Pattern! Dieses fliederfarbene Prachtstück habe ich im letzten Frühling genäht. Ich liebe den Anorak sehr und finde ihn immer noch wunderschön. Allerdings muß ich zugeben, daß die praktische Einsatzfähigkeit gering ist..der Stoff ist weder wind- noch regendicht, auch nicht ein kleines bisschen...
Aber es gibt Tage, da ist sowohl farblich als auch wettertechnisch alles optimal, und bei der Fahrradtour, auf der diese Bilder entstanden sind, passte das alles. Ich liebe meinen fliederfarbenen Kellyanorak!
Zuletzt sollen aber auch die anderen Akteure dieser Radtour nicht unerwähnt bleiben. Damit meine ich zuerst den besten Ehemann aller Zeiten, der nicht müde wird, die Ehefrau in immer wieder neuen genähten Kleidern zu fotografieren (wobei er bei dem Anorak schon etwas irritiert war: "den hatten wir doch schon fotografiert?") . Und nicht vergessen sollten wir auch die vielen hunderte Bienen, die den Apfelbaum der ersten Fotos belebt hatten. So viele Apfelblüten, so viele Bienen- ich freue mich jetzt schon auf die reifen Äpfel im Herbst!
Dieser Beitrag wird verlinkt mit dem Memademittwoch sowie Afterworksewing

Mittwoch, 18. April 2018

Joni Dress von Tilly and the Buttons

Dieses Shirt war eigentlich nur als Testversion gedacht für den Schnitt des Joni-Kleides aus dem neuen Buch Stretch! von Tilly and the Buttons. Aber wie es manchmal so geht bei Testversionen, ist daraus ein absolutes Lieblingsteil geworden.

Der Schnitt des Joni-Dresses gefiel mir sofort, als ich ihn in der Vorschau gesehen hatte. Ich habe bisher wenig von der britischen Schnittdesignerein Tilly Walnes, besser bekannt als Tilly and the Buttons, genäht. Irgendwas hatte mich oft an den Schnitten gestört, manchmal erschienen sie mir auch einfach zu jugendlich. An diesem Schnitt, Joni, mochte ich sofort das Knotendetail im Vorderteil.

Nun gibt es ja auch viele andere Schnitte für  Oberteile mit Verschlingungen, oder Knoten, wie sie in der deutschsprachigen Nähszene genannt werden. Die englische Bezeichnung Twist trifft allerdings die Schnittkonstruktion viel besser, denn es wird ein Schnitteil, meistens im Oberteil, ein oder zweimal um sich selbst gedreht. Hierdurch ergeben sich reizvolle Raffungen im Oberteil.

Ich habe bisher einige Schnitte für Knotenkleider ausprobiert und war nie so ganz glücklich damit geworden. Ich hatte immer zwei Probleme bei diesen Schnitten. Das erste lag in der Schnittkonstruktion: die Verschlingung der Oberteile lag immer zwischen den Brüsten, dadurch wurde der Ausschnitt immer sehr, sehr tief, was zumindest  für mich dann das Tragen nur mit einem untergezogen Top möglich machte. Der tiefe Ausschnitt wurde dann auch noch durch die Ausschnittverarbeitung verstärkt, mein zweites Problem bei diesen Schnitten, denn die Ausschnittkanten wurden nur einfach umgeschlagen und hatten dadurch keinen Halt.

Beide Problem sind beim Joni-Dress vorbildlich gelöst, wie ich finde. Die Verschlingung der Oberteile liegt einige entscheidende cm oberhalb der Brustlinie. Ich trage zwar auch hier lieber ein Top darunter, abert auch ohne halten sich die Einblicke ins Dekollete durchaus in Grenzen.
Die Ausschnittkanten werden mit einem innenliegenden Bündchen versäubert, die Technik wird genau im Buch beschrieben. Ich hatte das bisher noch nicht so gemacht, mir aber immer gedacht, daß das gehen müßte- und es geht hervorragend und gibt einen schönen sauberen Abschluß, der vor allem nicht aufklafft.
Unterhalb der Verschlingung gibt es dann eine kurze senkrechte Naht in der vorderen Mitte. Durch den Knoten wird die Naht leicht nach oben gezogen. Bei gestreiften Stoffen kommt dieses Detail sicher sehr hübsch hervor, mein nächstes Joni nähe ich aus gestreiftem Stoff!
Die Länge der Tunika ergab sich bei mir aus der Menge des vorhanden Stoffes, oder besser gesagt aus der nicht vorhandenen Menge... ich wollte gern den wunderschönen beerenfarbigen Slubjersey von 1000Stoff für diesen Schnitt verwenden, da ich mir das Knotendetail aus diesem superweichen Stoff so gut vorstellen konnte. Ich hatte allerdings definitiv zu wenig Stoff, da ich die schöne Weite des Rockteiles nicht verkleinern wollten. Ich habe daher das Rockteil gekürzt, praktischerweise genau an der Linie, die für Verkürzungen oder Verlängerungen im Schnitt eingezeichnet ist. Als Tunika finde ich die Länge so sehr schön.

Die Taillennaht wird mit Framilonband verstärkt, auch das wird genau im Buch beschrieben, wie man das machen kann. Ich hatte bisher immer das Framilon mit großem Geradstich auf den Stoff aufgeheftet, bevor ich mit der Overlock die Nähte genäht habe. Tilly empfiehlt, das Framilon nur mit einigen Zickzackstichen am Anfang  der Naht zu befestigen und dann direkt mit der Overlock zu nähen. Das habe ich probiert und es ging überraschend gut.
Mit der Paßform des Schnittes war ich sehr zufrieden. Ich habe an den Seitennähten und vor allem unter der Achsel einige mm weggenommen, mein Stoff war aber auch sehr dehnbar. Das ist ja immer die Tücke beim Nähen mit dehnbaren Stoffen, daß man sich nie darauf verlassen kann, wie ein Schnitt paßt.

Die Anleitung im Buch finde ich sehr ausführlich und verständlich. Das Buch enthält Schnittmusterbögen mit (überlappenden) Mehrgrößenschnitten, aber  pro Seite ist nur ein Schnitt, so ist das Abpausen eine reine Freude.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem Schnitt ist eigentlich die Nahtzugabe von 1,5 cm- das ist zum Nähen mit der Overlock sehr unpraktisch, und auch beim Nähen mit der normalen Nähmaschine einfach nicht notwendig bei  einem Jerseyschnitt.

Das Buch Stretch! finde ich insgesamt sehr lohnend und empfehlenswert. Es enthält einen umfangreichen Technikteil über das Nähen von dehnbaren Stoffen mit Materialkunde.Das Nähen mit der Overlock wird sehr ausführlich behandelt. Schade nur, daß das Vorhandensein einer Covermaschine überhaupt nicht erwähnt wird- das hätte ich schon von einem Buch über das Nähen mit dehnbaren Stoffen erwartet.

Das Buch enthält 5 Schnittmuster, von denen Joni sicher das originellste ist, die anderen sind eher Basic-Teile: ein Rock,  ein Shirt mit Raglanärmeln, ein Pulli aus Sweat und ein Hoodie mit Jogginghose. Da aber zu jedem Schnitt sehr viele Variationen gezeigt werden, hat man mit den Schnittmustern des Buches schon eine schöne Basisgarderobe aus dehnbaren Stoffen.  Die Aufmachung des Buches ist absolut hochwertig mit vielen schönen Fotos. Ich denke, daß dieses Buch sowohl für Nähanfänger als auch für Fortgeschrittene gut geeignet ist- ich hatte jedenfalls schon viel Freude daran!
verlinkt: Afterworksewing, RUMS

Mittwoch, 4. April 2018

Moto Sweatshirt von Seamly

Die letzten Wochen waren ja bekanntermassen sehr , sehr kalt in Deutschland. Frühlingsgefühle kamen kaum auf, statt dessen hatten wir immer wieder Temperaturen weit im Minusbereich und mehr Schnee als im ganzen Winter davor. Was soll man denn da nähen? Für Sommerkleidchen hatte ich wirklich keine Lust, aber andererseits, immer nur diese tristen Winterfarben- nein, da musste schon etwas in Frühlingsfarben her. Als ich in Lüneburg an einem wirklich eiskalten Tag durch die schöne Innenstadt spazierte , entschied ich mich in der Tillabox( die ich natürlich nur betreten hatte, weil es draußen so kalt war!) spontan für diesen genialen Doubleface- Sweat in rosa und blau. Genial ist der Stoff deshalb, weil er total kuschelig und warm ist: zwischen den beiden Seiten des Baumwolljerseys befindet sich noch eine Polyesterschicht, die in Karos abgesteppt ist, und das sorgt für eine gute Warmhaltefähigekeit. Eine Seite ist gestreift, eine ganz fein gepunktet.

Beim Kauf des Stoffes hatte ich noch keinen konkreten Plan, ich dachte nur aufgrund der Temperaturen an irgendwas mit Kapuze oder hohem Kragen, Hoodie oder Kleid, da war ich noch nicht entschieden, aber ich nahm dann lieber eine reichliche Menge Stoff mit.

Die Entscheidung für einen Schnitt fiel mir dann irgendwann ganz leicht. Wie viele andere Nähbloggerinnen bin ich ja mittlerweile schon sehr instagram-affin - zu schön sind die vielen Bilder, und dann die Filmchen! Besonders liebe ich ja die Filme von Allie, der Gründerin von Indiesew.
Indiesew ist eine amerikanische Online-Plattform, auf der Schnitte von individuellen Schnittdesignerinnen vertrieben werden. Es handelt sich überwiegend um Schnitte aus dem englischsprachigen Raum, europäische Designerinnen sind nur vereinzelt vertreten. Viele der Designerinnen sind mir unbekannt und werden es vermutlich auch bleiben, da ich die Schnitte dann doch nicht so toll finde. Aber es sind auch alle bekannten amerikanischen Designerinnen vertreten wie ClosetCase, Hey June, Jennifer Lauren Handmade und andere.

Und die Gründerin von Indiesew dreht gerne Instagram-Filme, meistens aus ihrem Schlafzimmer, man sieht dann das ungemachte Bett im Hintergrund- mag sein, daß das nur eine Masche ist, aber es wirkt schon sehr sympathisch. Und sympathisch ist auch ihre Begeisterung fürs Nähen, für die Schnittdesignerinnen oder auch für Stoffe, und so schaue ich mir ihre Filme immer gerne an.

Auf einigen  dieser Filme trug Allie dann das Moto-Sweatshirt und erwähnte, daß dieser Schnitt bald erscheinen würde. Sie erwähnte auch die Herkunft des Modells, Seamly.co, was ich dann natürlich sofort googeln mußte. Seamly ist keine typische Schnittmuster- Firma, sondern eher  einen Online-Shop, der nachhaltige Mode produziert und vertreibt. Die Schnitte für einzelne  Modelle aus früheren Kollektionen, die nicht mehr über den Seamly Shop vertrieben werden,  werden dann von Indiesew uns Näherinnen zur Verfügung gestellt.

Das Motosweatshirt ein Teil einer kleinen Kollektion, die auch noch ein Poloshirt und eine Sweatshirthose umfasst. Aber das Motoshirt ist schon das originellste dieser Modelle. Es ist ja eigentlich eine Jacke, aber da die Modellbezeichnung Sweatshirt ist, bleibe ich auch bei dieser Bezeichnung.

Das Moto Sweatshirt also hat als typisches Designmerkmal einer Bikerjacke einen schrägen Reissverschluss, der bis zum Ende eines hohen Kragens geht. Zwei seitliche Eingriffstaschen werden ebenfalls mit Reissverschlüssen geschlossen. Ein Taillenbund und Ärmelbündchen bilden den Abschluss.
Bei der Größenwahl lag ich zwischen zwei Größen und habe mich für die größere, nämlich M entschieden. Eine gute Wahl, denn der Schnitt ist schon eher enganliegend. Ich habe die Ärmel am Handgelenk etwas verschmälert, sonst aber keine Änderungen gemacht und mit mit dem Sitz sehr zufrieden.

Die Reißverschlüsse hatte ich bei der Frankfurter Traditionsfirma für Nähbedarf, Wächtershäuser, bestellt. Dort gibt es den Service, daß Reissverschlüsse in allen Längen verkauft werden, also in cm-Schritten. Beim Bestellen war ich etwas voreilig und hatte mich auf die Längenangabe in der Anleitung verlassen. Leider stimmte die nicht ganz, und der Reissverschluss war dann doch um etliche cm zu lang, schade! Kürzen ist natürlich kein Problem, aber mir fehlte dann der Stopper am oberen Ende. Aber da der Kragen so hoch ist, zippe ich eigentlich nie bis zum Ende hoch, und so hat mich das bisher nicht sehr gestört.
Die Anleitung des Schnittes ist knapp, aber völlig ausreichend und mit guten Grafiken. Etwas schwierig fand ich das Einnähen der Taschenreissverschlüsse, das lag aber an meinem dicken Stoff. Ich habe hier mit doppelseitigem Klebeband zum Fixieren gearbeitet, dieser Trick wurde auch in der Anleitung erwähnt .Die Taschenbeutel sind aus Jersey und tragen dadurch weniger auf.
 Leider erwies sich der gewählte Jersey für die Taschen als sehr labberig beim Nähen. Er paßte zwar  farblich gut zum Hauptstoff, trotzdem hatte ich mir die Innenansicht hübscher vorgestellt. Wahrscheinlich hätte ich auch das Differential der Overlock sorgfältiger einstellen müssen.
Für Beleg und Kragen habe ich die gestreifte Seite als rechte Seite genommen, ansonsten fand ich die gepunktete und ruhigere Seite als Außenstoff schöner.
Als die Jacke dann fertig war und mir so gut gefiel, stellte sich natürlich die obligatorische Frage der Kombinationsmöglichkeiten. Klar, Jeans geht immer....aber da lag im Stoffstapel ganz oben, also erst vor kurzem gekauft, ein Cordstoff in wunderschönem altrosa. Ich holte ihn vom Stoffstapel und legte ihn neben die Jacke- ja, das war natürlich farblich perfekt.

 Kurz kamen mir noch Bedenken, ob ich als erwachsene Frau wirklich einen rosa Rock nähen und tragen sollte- aber hey,es ist Frühling! Ich war mir sicher, daß ich unbedingt für diesen Frühling einen rosa Rock brauchte, daß eigentlich jede Frau im Frühling einen rosa Rock braucht, und so wurde er dann genäht.

Der Rockschnitt ist selbst konstruiert, was aber in diesem Fall keine Heldentat war. Aus dem Grundschnitt habe ich Bund und hintere Passe abgetrennt, ansonsten die Designelemente der Ginger Jeans von Closet Case angebracht. Der Rock hat auf diese Art das gleiche schöne Innenleben mit Libertystoff wie alle meine Jeans. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Ach ja, und einen verdeckten Schlitz hat der Rock auch. So ist er wunderbar fahrradtauglich, wie man auch schon an den entsprechenden Falten sieht.
Und da beim Radfahren im Frühling immer leicht mal ein kalter Wind weht, brauchte ich natürlich auch  noch eine passende Mütze. Zum Glück hatte ich ja reichlich Stoff gekauft! Es wurde dann ein Beanie nach dem Gratis-Schnitt von Pattydoo. Ein schnell genähtes kleines Kleidungsstück mit einem großen praktischen Nutzen, ich denke, diesen Schnitt werde ich noch öfters nähen.
Es ist natürlich eine super Resteverwertung, aber so eine Sweatmütze ist einfach auch sehr angenehm und wärmend. Wollmützen wollen wir jetzt ja alle nicht meht tragen, aber trotzdem ist ein bisschen Wärme um die Ohren an diesen kalten Frühlingstagen so angenehm.

Mit diesem Frühlingsoutfit beteilige ich mich heute am Memademittwoch, der wie immer am ersten Mittwoch des Monats statt findet. Mal sehen, was heute alles gezeigt wird- Sommerkleider, oder auch noch wärmende Jacken und Mützen wie bei mir?

Mittwoch, 7. März 2018

Ginger Jeans - eine unendliche Geschichte



Seit meiner Teenagerzeit trage ich gerne Jeans. Früher natürlich Kaufjeans, jetzt in den letzten Jahren, seit ich das Nähen wieder für mich entdeckt habe, gerne auch selbstgenähte. Ich habe verschiedene Schnitte ausprobiert, überwiegend aber die Ginger Jeans von Closet Case genäht und hier versucht, die Paßform zu verbessern.

Mit der grauen Jeans, die ich vor einem Jahr genäht habe, bin ich nach wie vor recht zufrieden. Sie wurde viel getragen und viel gewaschen. Gewaschen wurde sie natürlich nicht , weil sie schmutzig war, sondern weil sie nach dem Waschen eine deutlich bessere Passform hat...der Stoff neigt sehr zum Ausleiern und hat keine gute Rücksprungkraft.
Die richtige Stoffwahl ist eines der Hauptprobleme bei der Jeansnäherei, vor allem wenn man einen Jeansstoff mit Stretch verwendet. Natürlich gibt es überall Stretchjeansstoffe zu kaufen. Leider hilft die Angabe auf dem Stoffetikett, wieviel Elasthan der Stoff enthält, überhaupt nicht weiter. Ich habe einen Jeansstoff hier liegen, der nur 1% Elasthan enthält, und der ist wunderbar dehnbar, mindestens 15 %. Und die Rücksprungeigenschaften zeigen sich dann sowieso erst beim Tragen.

Für meine neue Ginger habe ich mir das Leben etwas einfacher gemacht und habe einen Stoff gewählt, der von Heather Lou, der Designerin von Closet Case, selbst häufig verwendet wurde.
Es handelt sich um einen Stoff der amerikanischen Denimweberei Cone, deren Tradition bis 1891 zurückreicht. Durch eine spezielle Technik (" S-Gene") soll eben dieses Ausleiern der Jeans verhindert werden . Wenn ich es recht verstanden hatte, liegt das Geheimnis dieser guten Dehneigenschaften des Stoffes in der verwendeten Faser des Stoffes selbst. Die Zusammensetzung besteht aus 93% Baumwolle, 6% Polyester und 1% Lycra.
Ich habe den Stoff zusammen mit der Hardware, also Reißverschluss, Knöpfe, Nieten und Garn, direkt bei Closet Case bestellt. Die bieten immer wieder mal diese Sets an, die aber nach einigen Stunden wieder ausverkauft sind. Ich hatte  Glück und hatte eines ergattert.
Leider habe ich keinen europäischen Stoffhändler gefunden, der diesen Cone Denim vertreibt. Und auch in Amerika habe ich nur einen Online Shop entdeckt, wo man ihn als Endverbraucher in kleinen Mengen beziehen kann.

Lohnt sich der Hype um den den Cone Denim, ist er wirklich besser als andere Jeansstoffe? Das kann ich natürlich nicht sagen, da ich zuwenig andere Denims vernäht habe. Aber ich kann schon sagen, daß dieser Jeansstoff sehr, sehr gut ist. Die Dehnbarkeit ist super, sicher 15%. Ich habe meine Jeans jetzt seit 2 Wochen in Gebrauch. Sie hat sich etwas ausgedehnt, vor allem im Bundbereich, da würde ich sie mir jetzt etwas enger wünschen. Ich hatte allerdings auch eine Bügeleinlage verwendet, die etwas dehnbar ist. Eine gewisse Dehnbarkeit des Jeansstoffes ergibt sich  auch aus der Webart des Stoffes. Sehr gespannt bin ich jetzt, was nach den nächsten Waschvorgängen meiner Jeans passiert. Sicher wird der Stoff noch weiter ausbluten. Ich hatte ihn einmal vorgewaschen, wie ich es immer mache, aber trotzdem hat der Stoff beim Nähen wunderbar meine Hände gefärbt.
Auf den einschlägigen Blogs wird berichtet, daß manche diesen Cone Denim einige Male vorwaschen, auch weil er bei jedem Waschvorgang noch etwas weiter schrumpfen würde. Da bin ich mal gespannt, was bei mir passiert. Vor weiterem Schrumpfen habe ich keine Angst, da meine Hose nicht so knalleng sitzt.

Bei der Passform habe ich mich etwas weiter vorgearbeitet, im Vergleich zur letzten Ginger. Ich habe die Schrittkurve etwas verkürzt, ca 0,7 cm , und an der rückwärtigen Mitte etwa 0,5 cm Höhe am rückwärtigen Teil entfernt. Wirklich keine großen Änderungen, aber der Sitz ist jetzt noch mal besser, wie ich finde. Das ist ja wahrscheinlich ein Teil der Schwierigkeiten bei der Hosenanpassung, daß so kleine Änderungen schon viel am Sitz bewirken.
Geändert habe ich auch die Form der Hosenbeine und diesmal die "stovepipe" , also die gerade Form der Beine genäht. Das ist jetzt so eine ganz klassische Form der Jeans, mittlere Höhe und gerade Beine, ich hoffe, daß mir diese Form auch über die nächsten Jahre noch gefällt.

Denn auch sonst habe ich mich beim Nähen um Qualität und Langlebigkeit bemüht. Das Schöne am Jeansnähen sind ja die Möglichkeiten, eine Hose zu personalisieren und eben zu einem ganz besonderen Stück zu machen.

Das beginnt schon mit der Auswahl des Stoffes für die Taschenbeutel. Hier habe ich einen Batist von Atelier Brunette geopfert, der aber farblich so schön zum Hosenstoff paßt. Der Taschenbeutel wird bei diesem Schnitt übrigens bis vorne zum Reißverschluss gezogen und dort festgenäht. Das gibt eine schöne Paßform im Bauchbereich. Auch die Kanten des Untertrittes sowie die untere Bundkante habe ich mit dem gleichen Stoff  versäubert.

Für die parallelen Absteppungen habe ich entdeckt, daß das Zubehörkästchen meiner Nähmaschine dafür großartige Hilfsmittel bereit hält. Die äußere Absteppung, 2-3 mm von der Kante entfernt, mache ich jetzt mit einem Nähmaschinenfuß, der wohl eigentlich für den Blindstich gedacht ist. Er hat jedenfalls eine Führungsschiene und eignet sich, bei verstellter Nadelposition, hervorragend für die äußere Naht.

Die innere Absteppung soll 1/4 Inch innerhalb der ersten Naht liegen- klar, dafür gibt es das Patchworkfüßchen! Mit diesen beiden Nähfüßen gelangen mir die Absteppungen deutlich exakter als bei meinen früheren Versuchen, wo ich immer noch dachte, mit dem Universalnähfüßchen alles nähen zu können. Wieder was gelernt!
Bei den Stickereien auf der Gesäßtasche halte ich mich bisher zurück. Bei anderen finde ich die Kunstwerke auf dem Po toll, aber ich denke, daß mir das nicht unbedingt steht. Den kleinen Schnörkel konnte ich mir allerdings dann doch nicht verkneifen.

Besonders gefreut habe ich mich ja, daß mir bei dieser Jeans auch die Bartacks, die Verstärkungsstiche, recht gut gelungen sind. Insbesondere bei den Gürtelschlaufen, wo dann der enggestellte Zickzackstich wirklich durch 5 - 6 Lagen Jeansstoff durchgehen muß, hatte ich bei allen früheren Jeans meine Probleme. Ich hatte diesmal alle verfügbaren Tips aus diversen Näh-Foren durchprobiert und teilweise beherzigt, also die Oberfadenspannung reduziert, den Nähfußdruck etwas verringert und vor allem konsequent den Humper-Dumper eingesetzt. Kennt Ihr den Humper-Dumper? Leider weiß ich dafür kein deutsches Wort, vielleicht Höhenausgleichsplättchen? ich meine jedenfalls dieses kleine Teile mit ausklappbaren Plastikarmen, das man zum Höhenausgleich unter das Nähfüßchen schieben kann, wenn sehr dicke Kanten zu überwinden sind. Ein unschätzbares Hilfsmittel beim Jeansnähen, auch gerade bei den Gürtelschlaufen. Bis auf kleinere Garnknäuel auf der linken Seite hat jedenfalls alles geklappt.

Die Jeansknöpfe und Nieten waren auch in dem Set von Closet Case enthalten. Der Jeansknopf ist sehr schön, nämlich ganz schlicht und glatt, also ohne dieses Wappen, was auf dem Prym-Jeansknöpfen ist. Die Nieten waren passend dazu, gefielen mir eigentlich auch sehr gut. Im Sewalong der Gingerjeans wird ja auch genau beschrieben, wie man diese Nieten einschlagen soll, zunächst mit der Zange die überstehende Länge abzwacken, dann einhämmern...mir kam das gleich so handwerklich vor, daß ich diese Aufgabe lieber meinem Mann übertragen habe, der dafür mit Sicherheit besser geeignet ist als ich.

Mein Mann betrachtete sich Nieten und Gegenstück kurz und erklärte mir dann, daß das ganze ein technische Fehlkonstruktion sei. Und er hatte Recht- die Nieten haben auf der Unterseite, die also dem Stoff zugewandt ist, ein kugelförmige Ausbuchtung. Entweder macht man das Loch im Stoff so groß, daß die Kugel hineinpaßt, dann liegt die Niete flach auf dem Stoff. Oder man akzeptiert einen kleinen Abstand zwischen Stoff und Niete, das ist aber auch nicht schön. Und bei der berühmten Ecke an der Münztasche, die ja traditionell auch eine Niete erhalten muß, gelang es ihm gar nicht, die Niete einzuschlagen, da der Dorn für diese 3 Lagen Jeansstoff plus Futterstoff zu kurz war.
Wir haben deshalb wieder die bewährten Prym-Nieten verwendet, die dann zwar farblich nicht mehr ganz zum Jeansknopf paßten, dafür aber gut und problemlos einzuschlagen waren. An den Gesäßtaschen habe ich statt Nieten Bartacks genäht, nach meinen guten Erfahrungen mit den Gürtelschlaufen.
 Insgesamt bin ich mit dieser Jeans sehr zufrieden. Etwas gewöhnungsbedürtig fand ich die Form der Hosenbeine. Auch wenn sie nur etwas weiter sind als ein Skinny-Jeans, verändern sie doch komplett die Silhouette der Jeans. Hüftlange Oberteile passen nicht mehr dazu, besser sind taillenkurze Pullis oder Shirtss, die in den Bund gesteckt werden. Aber wenn man nähen kann, ist das ja alles kein Problem, da werden die passenden Kombipartner längengenau hergestellt!
Was mir bei dieser Jeans noch nicht ganz gefällt, ist die Bundweite. Der Bund ist etwas zu weit, vor allem jetzt nach einigen Tagen die die Hose getragen wurde. Ich habe den Bund mit einer elastischen Einlage verstärkt, und das gibt so wenig Halt, daß ich die Hose lieber mit Gürtel trage.
Bei der nächsten Ginger werde ich den Bund noch etwas verkürzen, vor allem im Rückenbereich. Man könnte sicher eine etwas stabilere Einlage verwenden, oder den Beleg aus Webware zuschneiden. Also, die Anpassung einer Jeans ist wirklich eine unendliche Geschichte!

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch, an dem am ersten Märzmittwoch sicher auch viele Frühlingsmodelle vorgeführt werden.  Katharina empfängt uns heute in einem traumhaften Jerseykleid- da kann der Frühling wirklich kommen!